Roberta Caselli, Global X
Der Hormus-Konflikt befeuert die Suche nach neuen Energiequellen - Uran und Lithium im Fokus
Roberta Caselli, Global X
Diese Situation erhöhte nicht nur die Risiken für Öl- und Flüssigerdgas (LNG)-Lieferungen, sondern verstärkte auch den politischen Fokus auf Energiesicherheit, nukleare Energie und strategische Lieferketten. Gleichzeitig blieb die Nachfrage nach Gold, Silber, Batterietechnologie, Lithium und seltenen Erden durch langfristige Trends wie Elektrifizierung, Solarenergie, Speicherinfrastruktur und den Aufbau unabhängiger Lieferketten gestützt.
- Nukleare Energie und Uran: Der Nuklearsektor erhielt im Mai weiteren Rückenwind durch politische Unterstützung, neue Projektmeilensteine und wachsende Energiesicherheitsbedenken. Italien nähert sich einer möglichen Rückkehr zur Kernenergie, während TerraPower und Kairos Power mit den ersten neuen kommerziellen Nuklearprojekten in den USA seit einem Jahrzehnt einen wichtigen Schritt für Small Modular Reactors gemacht haben. Auch in den USA nimmt die regulatorische und finanzielle Unterstützung zu: Die ersten fünf bis zehn neu geplanten Reaktoren könnten staatlich abgesicherte Kredite erhalten. Am Uranmarkt verbesserte sich zugleich die Aktivität am Spotmarkt. Die anhaltenden Störungen in der Straße von Hormus erhöhen in Asien und Afrika den Druck, nukleare Energiepläne zu beschleunigen oder stillgelegte Reaktoren erneut in Betrieb zu nehmen.
- Kupfer und Basismetalle: Bei Kupfer zeigte sich ein gemischtes Bild. In China belasteten hohe Spotpreise sowie schwächere Konjunkturdaten für April die Stimmung. Zugleich blieb die Kupfernachfrage durch Investitionen in Stromnetze und den Verbrauch im Bereich Elektromobilität gestützt, wodurch die Schwäche des Immobiliensektors teilweise ausgeglichen wurde. Belastend wirkt dagegen ein vorsichtigeres makroökonomisches Umfeld, da länger erhöhte US-Zinsen das globale Wachstum und damit zyklische Basismetalle dämpfen könnten. Hinzu kommen mögliche Angebotsrisiken: Störungen in der Straße von Hormus wirken sich auf den globalen Handel aus und könnten die Versorgung mit Schwefelsäure verknappen. Das wäre insbesondere für die Kupferproduktion in Chile und der Demokratischen Republik Kongo relevant, da dort ein Teil der Produktion stark von säureintensiven Verfahren abhängig ist.
- Gold und Silber: Die Edelmetalle standen im Mai unter dem Einfluss gegenläufiger Kräfte. Einerseits belasteten ein stärkerer US-Dollar und höher als erwartete US-Inflationsdaten, da die Märkte Zinssenkungen der Fed für das laufende Jahr zunehmend auspreisten. Andererseits blieb die physische Nachfrage aus China robust. Die chinesische Zentralbank erhöhte ihre Goldbestände im April um acht Tonnen und damit zum 18. Monat in Folge. Auch die chinesischen Silberimporte erreichten im März ein Rekordniveau, getrieben durch starke Nachfrage aus der Solarindustrie und höhere Käufe physischer Silberprodukte im Einzelhandel. Die jüngste Schwäche bei Gold und Silber könnte daher auch Ausdruck liquiditätsgetriebener Verkäufe in einem Stressumfeld sein, während niedrigere Spotpreise erneute physische Nachfrage aus Asien anziehen könnten.
- Kritische Mineralien, Batterietechnologie und Lithium: Batterietechnologie entwickelt sich zu einem wichtigen zusätzlichen Treiber der Lithiumnachfrage. In Europa haben sich die Installationen großer Batteriespeicher im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Lithium profitiert damit nicht nur von Elektromobilität, sondern zunehmend auch von der Rolle stationärer Speicher als kritische Infrastruktur für die Integration Erneuerbarer Energien. Gleichzeitig stiegen die chinesischen Batterieexporte im ersten Quartal um 48 Prozent auf knapp 24 Milliarden US-Dollar. Auch bei seltenen Erden bleibt die Angebotsseite im Fokus: Die Übernahme des brasilianischen Bergbauunternehmens Serra Verde durch USA Rare Earth unterstreicht den globalen Versuch, Lieferketten außerhalb Chinas aufzubauen. Besonders schwere seltene Erden wie Dysprosium, Terbium und Yttrium könnten weiter unterstützt bleiben, da Chinas Exportbeschränkungen das Angebot außerhalb Chinas verknappen.
- Öl und Gas: Im Energiesektor blieben die Spannungen im Golf ein zentraler Risikofaktor. Ein möglicher Friedensdeal zwischen den USA und Iran könnte zwar unmittelbar auf die Öl-Futures wirken, eine substanzielle Erholung der physischen Öllieferungen dürfte jedoch mehrere Wochen benötigen. Gleichzeitig erhöht Iran durch Kontrollen, Patrouillen und Freigabeprozesse den Einfluss auf den Transit durch die Straße von Hormus – einen zentralen Engpass für Öl- und LNG-Ströme. Besonders relevant ist dies für LNG: Störungen rund um Ras Laffan und den Tankerverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigen einen bedeutenden Teil der globalen LNG-Flüsse. Da Katar rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Angebots stellt und der Großteil dieser Mengen über Hormus exportiert wird, erschwert die angespannte Lage auch Europas Auffüllung der Gasspeicher vor dem Winter.