Der Energiepreisschock im Nahen Osten
Entscheidend ist die Frage, ob der Energiepreisschock der letzten Wochen ausreicht, das grundsätzlich positive Basisszenario zu gefährden. Die größte Unsicherheit betrifft dabei sowohl das Ausmaß als auch die Dauer des Preisanstiegs. Beides hängt eng mit der Länge des Konflikts zusammen.
Wie lange geht der Krieg im Iran noch?
Wie sich der Krieg weiterentwickelt, bleibt hochgradig ungewiss. Zwar erklärte US-Präsident Donald Trump am vergangenen Montag, der Krieg gegen den Iran sei „nahezu beendet“ oder werde „sehr bald beendet sein“. Die Märkte reagierten zunächst mit steigenden Aktienkursen und fallenden Ölpreisen - ein Zeichen dafür, dass man seine Aussagen zwar nicht wörtlich, aber durchaus ernst nimmt.
Doch die Erholung währte nicht lange, nachdem die Kampfhandlungen seither weitergehen. Eine zu lange Fortsetzung der US-Militäroperation im Iran könnte einer nachhaltigen Stabilisierung der Energiemärkte entgegenstehen. Zudem bleibt offen, ob ein Ende des Krieges aus US-Sicht auch ein Ende des Krieges für den Iran und Israel bedeuten würde. Der Iran scheint weiterhin darauf zu setzen, durch Angriffe auf Öltanker und Infrastruktur im Persischen Golf die Kosten des Konflikts in die Höhe zu treiben. Auch die Wahl von Modschtaba Chamenei zum neuen obersten Führer liefert keinerlei Hinweis auf einen möglichen Kurswechsel.
Straße von Hormus: Das Nadelöhr auf das die Welt blickt
Die Schließung der Straße von Hormus wirkt über drei wesentliche Kanäle und wirkt damit in jeder Hinsicht preistreibend:
- Energieversorgung: Die Engpässe lassen die Preise für Rohöl und Flüssiggas steigen. Rund 20 Prozent des weltweiten Handels mit Rohöl und Erdgas passieren die Meeresenge. Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge, sind die Umgehungsmöglichkeiten stark begrenzt. Die maximale alternative Transportkapazität für Rohöl liegt bei lediglich 2,6 Millionen Fass pro Tag.
- Düngemittel: Etwa ein Drittel des globalen Düngemittelhandels läuft über Hormus. Das erhöht den Druck auf die ohnehin angespannten Lebensmittelpreise.
- Transportkosten: Umleitungen auf alternative Routen führen zu längeren Lieferketten, steigenden Versicherungsprämien und einem insgesamt höheren Transportaufwand.
Um die Märkte zu beruhigen, kündigte die IEA die Freigabe von 400 Millionen Fass an Notfallreserven an. Das ist die größte koordinierte Freigabe von Ölreserven in ihrer Geschichte. Die Bereitstellung erfolgt schrittweise über alle Mitgliedsstaaten hinweg und ohne festen Zeitplan. Eine überschlägige Rechnung zeigt: Bei einem Ausfall von 20 Millionen Fass pro Tag ergibt sich damit ein zeitlicher Puffer von etwa 20 Tagen. Dieses Instrument bleibt jedoch ein reines Übergangswerkzeug. Eine strukturelle Lösung gibt es erst mit der Wiedereröffnung der Straße von Hormus.
Zentralbanken werden vorsichtiger
Schon jetzt lassen sich infolge des Krieges ein paar Auswirkungen grob prognostizieren:
- Höhere Inflation: Ein sprunghafter Anstieg der Inflationsdaten im März und April um ein paar Zehntel Prozentpunkte ist sehr wahrscheinlich. Die Frage ist natürlich, was danach passiert.
- Geringeres Wirtschaftswachstum: Die Indikatoren deuten auf ein kräftiges globales Wachstum über dem Potenzial im 1. Quartal 2026 hin. Höhere Preise und eine wahrscheinlich sinkende Stimmung werden dies jedoch leicht beeinträchtigen.
- Vorsichtige Geldpolitik: Das Dilemma besteht darin, dass die jüngste Preiswelle sowohl die Inflation als auch das Wirtschaftswachstum belastet. Wie die geldpolitischen Entscheidungsträger tatsächlich reagieren werden, zeigt sich bald: In dieser Woche stehen die Sitzungen von sieben wichtigen Notenbanken an. Ausgangspunkt ist eine Inflation von über 2 Prozent bereits das fünfte Jahr in Folge. Für keine der Institutionen wird eine Änderung des Leitzinses erwartet. Um Überwälzungs- und Zweitrundeneffekte zu verhindern, dürfte der Ton dennoch eher inflationsbekämpfend („hawkish“) ausfallen. Besonders im Fokus stehen die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve am Mittwoch sowie jene der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag.
Aus makroökonomischer Sicht bleibt das Basisszenario „inflationäres Wachstum“. Gemeint ist damit je nach Region ein Wachstum am oder über dem Trend sowie eine Inflation leicht oberhalb des 2-Prozent-Ziels der Zentralbanken. Ein Umfeld also, das laut Lehrbuch grundsätzlich positiv für risikobehaftete Anlageklassen wie Aktien ist. Wichtig ist allerdings, dass der durch die Energiepreise ausgelöste stagflationäre Impuls begrenzt bleibt. Das wäre für eine Entspannung im zweiten Quartal entscheidend.
Über die Größe der Preiswelle, sowohl hinsichtlich der Dauer als auch der Höhe und damit über die Auswirkungen auf die Wirtschaft, lässt sich derzeit nur spekulieren. Denn dazu gibt es zahlreiche Fragen, die allesamt leider nicht zufriedenstellend zu beantworten sind. Darunter wie lange der Krieg noch dauert, wie lange der Iran die Straße von Hormus noch de facto geschlossen halten kann oder aber auch ob sich der Krieg auf weitere Länder in der Golfregion ausweitet.
Wie reagieren wir in unserer Positionierung?
Da die geopolitische Lage jedoch äußerst undurchsichtig bleibt, setzen wir in unseren Portfolios eine klassische Maßnahme zur Risikoreduktion um: Wir reduzieren die Aktienquote von neutral auf untergewichtet und erhöhen den Anteil am Euro-Geldmarkt. Historisch betrachtet schneiden Aktien in stagflationären Phasen unterdurchschnittlich ab. Die steigenden Energiekosten wirken dabei aus zwei Richtungen belastend:
- Kostendruck: Die Kosten steigen schneller als die Möglichkeit zur Preisweitergabe. Dadurch geraten die Gewinnmargen unter Druck.
- Zinsen: Höhere Inflation könnte zu höheren Zinsen führen, während das gestiegene geopolitische Risiko höhere Risikoprämien verlangt. Beides belastet die Aktienkurse zusätzlich.
Fazit: Erhebliches Stagflationsrisiko
Die Spannungen im Nahen Osten bergen ein erhebliches Stagflationsrisiko. In einem derartigen Umfeld entwickeln sich Aktien üblicherweise schwach, während Geldmarktanlagen attraktive risikobereinigte Erträge bieten. Unsere taktische Anpassung tauscht mögliche Opportunitätsgewinne (Aufgabe von möglichen Aktienkursanstiegen) gegen Stabilität und Schutz vor Kursverlusten ein.
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