Matt Lodge, Global X

Nahost: Öl- und Gasknappheit bedingen Inflationsschub - Anleger flüchten in Gold und Silber

Die Welt blickt gebannt auf die Entwicklungen im Nahen Osten. Wir stellen kurzfristige direkte und indirekte Auswirkungen heraus und ordnen ein, welche Rohstoffsegmente tendenziell profitieren, und welche unter Druck geraten könnten. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Zusammenspiel von Gold und Silber sowie auf den Auswirkungen auf Minenaktien und prozyklische Rohstoffe wie Kupfer.

Matt Lodge, Global X

Silber könnte aufgrund seiner starken Kopplung an Gold von den jüngsten geopolitischen Ereignissen profitieren. Trotz des prozyklischen Nachfrageprofils von Silber, das unter den aktuellen Entwicklungen leiden könnte, zeigt die monetäre beziehungsweise Safe-Haven-Komponente weiterhin spürbare Stärke und prägt die Preisbewegung in Risk-off-Phasen maßgeblich. Silberminenunternehmen haben typischerweise eine erhebliche Gold-Exposure, was bedeutet, dass sie voraussichtlich stärker profitieren werden als physisches Silber.

Umschichten in sichere Häfen

Prozyklische und spekulativ bewertete Anlageklassen, etwa Kupfer, Uran oder der Nuklearsektor, könnten hingegen negativ reagieren, da Anleger in sichere Häfen umschichten und Positionen reduzieren („De-Grossing“), indem sie Risiko und Beta senken und Gewinne mitnehmen. Diese Entwicklungen sollten jedoch aus einer langfristigen Investmentperspektive betrachtet werden, da die zugrunde liegenden Investmentthesen trotz der jüngsten Ereignisse unverändert bleiben.

Die wichtigsten kurzfristigen Auswirkungen des Konflikts im Überblick:

Direkte Auswirkungen

  • Störung des Öl- und Gastransports: Gezielte US-amerikanisch-israelische Angriffe auf den Iran erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Versorgungsstörungen durch direkte Ausfälle, Angriffe auf die Infrastruktur oder Behinderungen des Schiffsverkehrs in und um die Straße von Hormus.
  • Gedämpfte globale Wachstumsprognose: Höhere und volatilere Energiekosten verstärken die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Inflation und eines geringeren Wachstums und damit eines stagflationären Umfelds. Dies wird kurzfristig zu einem Anstieg des Diskontsatzes für wachstumsfördernde Sektoren führen, auch wenn das Wachstum langfristig davon unberührt bleibt

Indirekte Auswirkungen

  • Die Inflationserwartungen und die Unsicherheit steigen, da Öl und Gas nach wie vor wichtige Energieträger sind. Dies erhöht den Druck auf die gesamte Wirtschaft.
    Hierdurch sinken die Realrenditen, da die Breakevens aufgrund der zunehmenden Unsicherheit steigen (Grafiken 1 und 2).
    Da sich dadurch jedoch die Wahrscheinlichkeit verringert, dass die Fed ihre Zinssenkungen fortsetzt, leiden Nominalanleihen. Dies ist ein weiterer Grund, warum Anleger sich Gold und Silber zuwenden, um ihr Aktienrisiko abzusichern, da Nominalanleihen weiterhin nicht als bevorzugte Absicherung dienen.
  • Nachfrage nach einem ‚sicheren Hafen‘:
    Sowohl der US-Dollar als auch Gold sind kurzfristig Nutznießer der Nachfrage nach sicheren Anlagen.
    Normalerweise legen Staatsanleihen in solchen Situationen zu, aber da dieses Ereignis inflationär ist, sind Nominalanleihen gefallen (die Renditen sind gestiegen) – dies verstärkt die mit Gold verbundenen Absicherungseigenschaften.
    In der Regel wirkt sich eine Aufwertung des US-Dollars negativ auf Metalle aus (da diese in USD gehandelt werden), aber aufgrund des Ausmaßes des Risikoereignisses haben sich Gold und Silber dennoch gut entwickelt.
  • Abflüsse aus breit angelegten Marktindizes, die an den kurzfristigen Konjunkturzyklus gebunden sind: Theoretisch sollte dies auch Auswirkungen auf Kupfer und damit verbundene Aktien haben, da diese prozyklisch sind. Wie wir jedoch in der Vergangenheit gesehen haben, hat sich Kupfer von kurzfristigen Konjunkturindikatoren abgekoppelt (Grafik 6).
  • Anleihen:
    Aufgrund dieses inflationären Ereignisses haben nominale (nicht reale) Anleihen gelitten, was wiederum die Nachfrage nach der Risikoprämie und den Absicherungsmöglichkeiten von Gold verstärkt.
    Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung in den USA ist gesunken (wie oben erwähnt) – aufgrund der Unsicherheit und der inflationären Elemente dieses spezifischen Ereignisses.

Wie haben die Märkte bisher reagiert?

  • Gold und Silber haben eine Rally hingelegt: Silberminenunternehmen sind wieder auf Allzeithochs geklettert (Grafik 3). Es sei daran erinnert, dass Silberminenunternehmen in der Regel nicht nur in Silber, sondern auch in Gold stark engagiert sind. Dies trägt wiederum zur Risikominderung in Umfeldern wie dem aktuellen bei.
  • Kupfer hat entgegen der allgemeinen Risikoaversion leicht zugelegt – dies zeigt seine Widerstandsfähigkeit und die Stärke seiner Fundamentaldaten sowie seine Fähigkeit, sich in risikoreichen Zeiten zu behaupten.
  • Nominalanleihen verzeichneten Kursverluste, während inflationsgebundene Anleihen zulegten (Grafik 2).
  • Der Dollar hat aufgrund einer Kombination aus bestimmten Faktoren zugelegt: Status als sicherer Hafen; geringere Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die Fed aufgrund steigender Inflationserwartungen und zunehmender Unsicherheit. Dies bedeutet, dass der Dollar gegenüber anderen Währungen an Wert gewinnen wird.
  • Die breiten Marktindizes haben nachgegeben. Dies wird durch hohe Bewertungen wahrscheinlich noch verschärft, die bei solchen exogenen Ereignissen tendenziell zu aggressiveren Korrekturen führen.
  • Silberminenunternehmen notieren weiterhin mit einem sehr niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das nächste Jahr liegt im 37. Perzentil der letzten sieben Jahre) (Grafik 4).
  • Kupferminenunternehmen befinden sich auf einem Allzeithoch und übertreffen weiterhin die Kupferpreise, was auf die langfristige Entwicklung zurückzuführen ist, die nur dann beeinträchtigt würde, wenn der Konflikt langfristig andauert (Grafik 5). Diesbezüglich besteht natürlich große Unsicherheit.
     

Matt Lodge

Matt Lodge ist Investment Strategist bei Global X. Global X ETFs wurde im Jahr 2008 gegründet. Die Produktpalette umfasst eine breite Palette von ETF-Strategien und ein weltweit verwaltetes Vermögen von über 95 Milliarden US-Dollar. Wir sind zwar weithin für unsere thematischen Wachstums-, Einkommens-, Rohstoff- und International Access-ETFs bekannt, bieten aber auch Core-, Risikomanagement- und andere Lösungen für eine Reihe von Anlagezielen an. Entdecken Sie unsere ETFs, Einblicke und vieles mehr unter www.globalxetfs.eu. Global X gehört zur Mirae Asset Financial Group, einem weltweit führenden Finanzdienstleister mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 630 Milliarden US-Dollar.