Comeback für Ausbrecher
Wal gerettet, Koalition nicht?
Die Bundesregierung packt tatsächlich so etwas wie Reformen an, doch das Ergebnis ist umstritten, Kritik bleibt nicht aus. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert gar: „Diese Koalition ist nicht mehr zu retten“, und sucht in derselben Ausgabe weitere Gegnerschaft: „DGB-Chefin droht mit Protesten“. Der Frühling der Reformen dürfte für die Regierung also eher stürmisch ausfallen. Auch um den Haushalt 2027 bemüht sie sich, wobei Die Welt konsterniert konstatiert: „Viele Lücken und noch mehr Schulden“. Dabei zeigt sich die Bundesregierung zumindest bei der Suche nach immer neuen Einnahmequellen durchaus kreativ, jetzt soll also Süßes besteuert werden: „Zuckersteuer soll Haushaltsloch stopfen“, meldet die Süddeutsche Zeitung. Motto: Was wir an Pfunden verlieren, legt der Haushalt zu, darauf verständigt sich die Regierung schnell: „Koalition einig bei Zuckersteuer“, schreibt der Münchner Merkur. Den vielen Live-Blogs zum Wal Timmy entnehmen wir, dass er in einem „Reisebett“ – einer Barge – unterwegs Richtung Nordsee ist und dass er „laut brummt“. Ob der Wal sich wohl fühlt oder unter Reisekrankheit leidet, scheidet einmal mehr die echten von den erlernten Walforschern. Fest steht auch nicht, ob er überlebt oder doch noch stirbt – aber dann zumindest nicht in deutschen Hoheitsgewässern. Das ist dann wie Atomkraft aus Frankreich oder Fracking-Gas aus den USA: Hauptsache woanders.
Raketen mit Knoten
Vor dem Feiertag sind die Finanzmagazine noch schnell erschienen – da bleibt den Anlegern ausreichend Zeit zum Lesen, auch wenn sie am 1. Mai mit Handeln erstmal pausieren müssen. Der Aktionär macht in rot mit einer goldenen Bitcoin-Münze auf: „Bitcoin – Das Comeback“, lautet das Titelthema. „Erstes Kursziel: 100.000 Dollar – diese 4 Krypto-Raketen heben jetzt ab“. Achtung: Nicht alle Raketen kommen ans Ziel. Irdischer gibt sich Börse Online, hier bricht sich ein goldener Blitz durchs dunkle Gestein: „Ausbruchs-Chancen“. Gemeint sind aber nicht Sing Sing oder Stadelheim, sondern: „Über 60 Prozent Kurspotenzial mit 10 starken Nebenwerten“. Einen Knoten in ein Megaphon knüpft Focus Money und verknüpft damit die Botschaft: „25 heiße Aktien für die heimliche Rally“. Wir lernen daraus: Wird es einem Megaphon zu heiß, bilden sich Knoten…
BMW oder Bundeswehr?
Soweit wir uns erinnern können, lauteten zu unserer Zeit die beliebtesten Unternehmen für Uniabsolventen Bosch und der Daimler, BMW und Porsche. Was damals eher nicht in Frage kam, war die Bundeswehr, schließlich hatte ein Gutteil der Befragten dort seinen Wehrdienst hinter sich gebracht und wusste: Nie wieder. Obwohl die Bundeswehr damals durchaus über funktionierendes Gerät verfügte, zumindest unserem Augenschein nach. Allerdings erst nachdem ein Drittel aller Starfighter abgestürzt und der Rest gerade außer Dienst gestellt worden war. Einmal mehr eine lange Vorrede, aber im aktuellen Manager Magazin wurden unter „Traumjob Waffenbauer“ die aktuellen Wünsche von Uniabsolventen aufgeführt. Und gemach, so schlimm ist es gar nicht, die vorderen Plätzen belegen nach wie vor die typischen Konzerne: BMW, Google, Audi, Airbus und Porsche. Aber und doch erstaunlich, auf Rang 11 findet sich die Bundeswehr wieder, nur einen Platz hinter Bosch und noch vor Siemens und Apple. Und Rheinmetall auf Platz 20 liegt nur zwei Plätze hinter Coca-Cola! Was fällt uns dazu ein? O tempora o mores!