Werner Rehmet, AnlegerPlus

Chancen à la française

Frankreichs Wirtschaft kommt nur langsam in Schwung. Doch einige Konzerne trotzen der schwachen Konjunktur und profitieren von langfristigen Wachstumstrends. Chancen bieten vor allem Investitionen in KI, Energie und Infrastruktur.

Werner Rehmet, AnlegerPlus

Europas Wirtschaft nimmt langsam wieder Fahrt auf, doch die beiden Schwergewichte Deutschland und Frankreich bleiben Nachzügler. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent zulegte, kamen beide Länder lediglich auf ein Plus von 0,2 Prozent. Spanien wuchs dagegen mit 0,7 Prozent deutlich kräftiger. Die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit bremst vor allem den Konsum, da sich viele Verbraucher mit größeren Ausgaben zurückhalten.

Frankreich kann derzeit jedoch auf einige starke Wachstumsfelder bauen. Vor allem die exportorientierte Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigungsindustrie profitieren von einer steigenden Nachfrage. Zusätzliche Impulse liefern Investitionen in künstliche Intelligenz und den Ausbau von Rechenzentren.

Der Ausrüster des KI-Booms

Zu den Profiteuren dieser Entwicklung zählt Schneider Electric. Der französische Konzern beschäftigt rund 160.000 Mitarbeiter und ist auf Energiemanagement und industrielle Automatisierung spezialisiert. Vom Boom der künstlichen Intelligenz profitiert Schneider Electric als wichtiger Ausrüster von Rechenzentren. Das Unternehmen liefert unter anderem Lösungen für Stromversorgung, Energieverteilung und Kühlung und damit zentrale Bausteine für moderne KI-Rechenzentren und sogenannte KI-Fabriken.

Ende Juli schraubte das Management seine Ziele für 2026 nach oben. Aus eigener Kraft soll der Umsatz nun um 10 bis 13 Prozent wachsen, nachdem zuvor ein Plus von bis zu 10 Prozent erwartet worden war. Beim operativen Ergebnis rechnet Schneider Electric mit einem Anstieg um 14 bis 19 Prozent, nach bislang avisierten 10 bis 15 Prozent.

An der Börse kommt die Wachstumsstory gut an. In den zurückliegenden zwölf Monaten hat die Aktie bis Ende August mehr als 35 Prozent an Wert gewonnen. Auch die Dividendenhistorie überzeugt. Von 2013 bis 2025 erhöhte sich die Ausschüttung von 1,87 auf 4,20 Euro je Aktie und damit um knapp 125 Prozent%. Dabei hob Schneider Electric die Dividende zwölf Jahre in Folge an.

Energie mit hoher Dividende

Von der Energiewende bis zum Ausbau der Stromnetze ist auch der Energiekonzern ENGIE in zahlreichen Wachstumsfeldern vertreten. Mit seinen mehr als 90.000 Beschäftigten deckt er weite Teile der Energiewertschöpfungskette ab. Das Geschäft reicht von der Erzeugung erneuerbarer Energien über Stromnetze und Energiespeicher bis zur Versorgung von Endkunden. Größter Aktionär ist der französische Staat mit einem Anteil von rund 23 Prozent.

Im ersten Halbjahr 2026 sank der Gewinn aus dem wiederkehrenden Geschäft um 3,3 Prozent auf 3 Mrd. Euro, der Umsatz ging um 3,6 % auf 36,7 Mrd. Euro zurück. Dennoch blickt der Energiekonzern zuversichtlicher auf das Gesamtjahr und hob Ende Juli seine Prognose an. Der Gewinn aus dem wiederkehrenden Geschäft soll 2026 nun zwischen 4,9 und 5,5 Mrd. Euro erreichen. Zuvor hatte ENGIE lediglich 4,6 bis 5,2 Mrd. Euro in Aussicht gestellt.

Rückenwind liefern unter anderem Kosteneinsparungen, die infolge des Nahost-Kriegs gestiegenen Energiepreise sowie die Übernahme des britischen Netzbetreibers UK Power Networks. Auch die Dividende kann sich sehen lassen. Für 2025 errechnete sich eine Dividendenrendite von 6,0 Prozent.

Frankreich im Paket

Mit dem Xtrackers CAC 40 ETF können Anleger gebündelt in die 40 größten und liquidesten Unternehmen der Pariser Börse investieren. Der französische Leitindex CAC 40 deckt zahlreiche Branchen ab, wobei viele der enthaltenen Konzerne einen erheblichen Teil ihrer Geschäfte außerhalb Frankreichs erwirtschaften. Zu den größten Positionen zählen Schneider Electric aus den Bereichen Energiemanagement und Automatisierung, der Energiekonzern TotalEnergies, der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus, die Großbank BNP Paribas sowie der Luxusgüterkonzern LVMH.

Der ETF wurde im Juli 2008 aufgelegt und schüttet seine Erträge in der Regel zweimal jährlich aus. 2025 summierten sich die Ausschüttungen auf 2,31 Euro je Anteil.

Der Artikel erschien zuerst in der September-Ausgabe von AnlegerPlus.

Werner Rehmet

Werner Rehmet war von 2009 bis 2024 Gründer und Herausgeber des angesehenen MyDividends Magazins. Der ausgebildete Banker ist inzwischen freier Autor beim Finanzmagazin AnlegerPlus. Das Magazin für Kapitalanleger. Verlag und Herausgeber ist die Kapital Medien GmbH, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V.