Ulrich Kirstein, Börse München

Börsen bleiben im Banne des Krieges

Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Handelswoche ihren Abwärtstrend, in dem sie seit dem Beginn des Iran-Kriegs stecken, fortgesetzt. Allerdings gingen die Kurse deutlich weniger stark nach unten als in den Tagen zuvor. Das dominierende Thema an der Börse war einmal mehr die Entwicklung des Ölpreises; ergänzt durch die immer stärker postulierte Angst vor einer Stagflation.

Rückblick: Ölkrise und Lichtblicke

Gestützt wurde der Aktienmarkt dagegen von einigen erfreulichen Unternehmenszahlen im Rahmen der laufenden Bilanzberichtssaison und teilweise auch von Zinshoffnungen. Letztere kollidierten allerdings mit den Stagflationssorgen und einer großen Risikoscheu der Anleger. Dadurch waren die immer wieder zu beobachtenden Erholungsversuche sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt letztlich auch nicht nachhaltig.

Dax-Family mit Einbußen

Der Deutsche Aktienindex (Dax) gab in der vergangenen Woche insgesamt 0,9 Prozent ab und ging am Freitag mit 23.447,29 Punkten aus dem Markt. Der MDax verlor 2,9 Prozent auf 28.730,62 Zähler. Der TecDax rutschte um 1,6 Prozent auf 3.558,46 Punkte ab. Der m:access All Share blieb dagegen mit 1.138,45 Punkten nahezu auf seinem Vorwochen-Schlussniveau.

Gute Zahlen belohnt die Börse

Zu den Dax-Unternehmen, deren Zahlen positiv aufgenommen wurden, zählten vor allem Zalando mit einem Wochen-Kursplus von 9,41 Prozent und RWE, die sich um 5,46 Prozent verbesserten. Auch die Bilanz von BMW wurde am Markt gut aufgenommen. Allerdings wirkte sich das nur kurzfristig positiv auf die Kurse aus. Letztlich stand bei dem Autobauer ein Wochen-Minus von 0,54 Prozent auf der Anzeigentafel. Damit war BWM kaum besser als VW, die dem erwartet schlechten Ergebnis um 0,85 Prozent nachgaben. Unter den Werten der zweiten Reihe ragten K+S hervor. Die Papiere des Konzerns schossen um über 17 Prozent in die Höhe. Dabei profitierten sie von den Ängsten vor einem weltweiten Mangel an Kunstdünger durch die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran. 

Zalando konnte fast zweistellig zulegen / Bild: Zalando

Anleihen: Kein sicherer Hafen?

Wie schon in den ersten Tagen des Iran-Krieges haben die deutschen Anleihemärkte auch in der vergangenen Woche nicht von ihrer Stellung als sicherer Hafen profitiert. Stattdessen hielten sich die Anleger – bei einem insgesamt nervösen Geschäft – vor allem aus Angst vor einer steigenden Inflationsrate und mit Blick auf die kommenden Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank merklich mit Investments zurück. So kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe weiter. Im späten Geschäft am Freitag wurde sie mit 2,97 Prozent errechnet. Damit war sie innerhalb von fünf Handelstagen um 11 Hundertstel gestiegen. Die Umlaufrendite wurde von der Bundesbank mit 2,89 Prozent angegeben, nach 2,79 Prozent am Freitag der Vorwoche.

USA: Der Iran-Krieg und die Folgen

Das gleiche Bild wie in Deutschland zeigte sich auch an den US-Aktienmärkten. Auch dort dominierten der Iran-Krieg und seine Folgen das Geschehen. Kurzfristig aufflackernde Zinshoffnungen aufgrund relativ schlechter Wirtschaftsdaten sowie durchaus gute Unternehmensergebnisse wurden dabei von Inflationsängsten jeweils schnell wieder überstrahlt. Insgesamt fiel der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich um 2,0 Prozent auf 46,558.47 Zähler. Der marktbreitere S&P-500-Index gab um 1,6 Prozent auf 6,632.19 Punkte nach. Damit war er erstmals seit rund einem Jahr drei Wochen am Stück gefallen. Und der technologielastige Nasdaq-100 gab um 1,3 Prozent auf 24.332,22 Punkte nach.  

Ausblick: Irak-Krieg und Fed-Entscheidung

Wie es in dieser Woche an den Börsen weitergeht, dürfte vor allem von zwei wesentlichen Faktoren abhängen: zum einen unverändert davon, wie sich die Situation im Iran-Krieg weiterentwickelt. Bleibt die Straße von Hormus gesperrt? Steigt der Ölpreis weiter? Greifen die USA eventuell die Ölanlagen auf der iranischen Insel Charg an? – das sind einige der zentralen Fragen, die die Märkte in diesem Zusammenhang bewegen dürften. Der zweite wesentliche Faktor ist die US-Notenbank Fed. Deren Offenmarkt-Ausschuss kommt an diesem Mittwoch zusammen. Dass er dabei eine Zinssenkung beschließt, wie sich viele Börsianer erhoffen, halten so gut wie alle Marktteilnehmer für unwahrscheinlich. Sie erwarten allerdings Antworten darauf, wie die wichtigste Zentralbank der Welt die Wirtschaftsaussichten beurteilt und was sie zu den Themen Inflation und Stagflation zu sagen hat. Welche Signale sendet US-Notenbank-Präsident Jerome Powell also nach der Sitzung aus? Die Antwort auf diese Frage wird – vorausgesetzt beim Iran-Krieg passiert nichts Unvorhergesehenes – nach Ansicht vieler Marktbeobachter entscheidend dafür sein, wie sich sowohl der Aktien- als auch der Rentenmarkt in dieser Woche entwickelt.

Eine nicht ganz so wichtige Rolle kommt derweil der EZB zu, bei der in dieser Woche turnusgemäß die Ratssitzung ansteht. Dennoch: die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde am Donnerstag nach der Ratssitzung werden sich alle Börsianer rot im Kalender angestrichen haben.    

Kaum Impulse für den Gesamtmarkt dürften von Unternehmensseite kommen. Denn die Bilanzberichtssaison geht langsam aber sicher ihrem Ende entgegen. So veröffentlichen in dieser Woche vor allem noch Werte der zweiten Reihe ihre neuesten Zahlen. Dazu zählten z. B. HelloFresh und Talanx am Mittwoch sowie 1&1, Ionos und SGL Carbon am Donnerstag;

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

  • Montag, 16.03: Industrieproduktion in China; Kapazitätsauslastung und Industrieproduktion in den USA.
  • Dienstag, 17.03: ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone; ADP-Beschäftigungsänderungen in den USA.
  • Mittwoch, 18.03: Entwicklung der Verbraucherpreise in der Eurozone; Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses der FED mit Zinsentscheidung; FOMC-Wirtschaftsprojektion und Erklärung zur Geldpolitik der FED; Erzeugerpreisindex USA.
  • Donnerstag, 19.03: Pressekonferenz der EZB zur jüngsten Ratssitzung; Entwicklung der Baukosten in der Eurozone; Erstanträge Arbeitslosenunterstützung in den USA; Philly-Fed-Herstellungsindex.
  • Freitag, 20.03: Erzeugerpreisindex Deutschland. 

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.