Ulrich Kirstein, Börse München

Ausbruch zum Kurssprung

In der Woche zeigte sich der Dax durchaus von seiner beweglichen Seiten und nahm am Ende noch etwas die Begeisterung des SpaceX-IPOs mit, konnte aber die Verluste nicht ganz wettmachen.

Ulrich Kirstein, Börse München

Eine stumpfe WM

Es ist vor allem die Woche der Fußballweltmeisterschaft, wobei neben dem Sportlichen meist die horrenden Ticketpreise und Fahrtkosten thematisiert werden. Euphorie ist hingegen eher weniger zu spüren. „Größer, teurer, schädlicher“, heißt es so etwa in der Börsen-Zeitung, sonst eher nicht für ihre Fußballberichterstattung bekannt. Da widmet sich Die Welt vorbildlich den wirklich wichtigen Themen: „Kritik am stumpfen WM-Rasen“. Jetzt wissen wir bereits vorab, wer beziehungsweise was schuld war, sollte unsere Mannschaft frühzeitig die Heimreise antreten müssen. Außerdem wird dem Börsengang von SpaceX entgegengefiebert. Obwohl SpaceX keine E-Raketen auf den Mars schicken möchte, titelt die Börsen-Zeitung: „SpaceX-IPO elektrisiert deutsche Privatanleger“, und die Abendzeitung stellt fest: „Hype um Musk-Börsengang“. Fast nebenbei hat die Europäische Zentralbank an der Zinsschraube gedreht: „EZB erhöht Leitzins auf 2,25 Prozent“ so die Süddeutsche Zeitung. „Gestiegene Inflation: EZB hebt Zinsen erstmals seit 2023 an“, erklärt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Und nicht zuletzt: „DIW-Prognose – Deutschland rutscht vorübergehend in Rezession“, schreibt Die Welt. Wir hoffen, dass es bald vorüber geht!  

Julian Nagelsman schiebt den Dax 

Während sich Skepsis über eine Fortsetzung des KI-Booms breit macht, setzt Der Aktionär voll auf diese Karte: „KI 50x größer – Megatrend toppt das Internet locker – so sind für Anleger jetzt 100 Prozent drin“. Den Hintergrund des Magazin-Covers bildet ein Sternenhimmel, denn im linken Eck ist eine Rakete zu erkennen. Klar, es geht um SpaceX: „To the moon!“, weil das Unternehmen von Musk naheliegend eine Kursrakete zünden soll. Aber wollte Musk nicht auf den Mars? „Bullen Ausbruch“ meldet kein Regionalblatt unter Vermischtes, sondern Börse Online auf dem Titel, unterstrichen mit einem Bullen in Gold, der auf den Leser zustürmt. „Zehn Top-Titel bereit zum Kurssprung“, wird dazu ausgeführt. Auch an die Fußball-WM wird erinnert: „Wie Julian Nagelsmann den Dax anschieben kann“. Wir dachten allerdings, dass der Bundestrainer in den USA derzeit anderweitig ausgelastet ist. Focus Money zeigt gerollte Euro-Scheine wie Säulen auf dem Titel und setzt auf zwei davon ein Pärchen (?), das allerdings größtmöglichen Abstand hält. „Mehr Rendite mit schlauen ETF-Strategien: Hightech, Energie, Rohstoffe – was jetzt in Ihr Depot muss“. Ob der Abstand des Pärchens die Schlauheit repräsentiert? 

Glücks-Thermometer

An der Börse wissen wir, dass Aktien steigen – leider können sie auch fallen. Oder die Temperaturen steigen, auch wenn wir beim Blick aus dem Fenster aktuell nicht so sehr davon überzeugt sind. Aber kann Glück steigen? Wohin? Mit wem? Jedenfalls war uns das bisher so nicht bekannt, aber die taz belehrt uns eines Besseren: „In vielen Ländern steigt das Glück“, heißt es da unter der Rubrik „die gute nachricht“. Anlass zur Aussage bietet der World Happiness Report 2026, der nach der Zufriedenheit der Menschen in 136 Ländern gefahndet hat im Vergleich zu vor 15 Jahren. In 79 Ländern ist die Zufriedenheit – hier offensichtlich gleichgesetzt mit Glück – gestiegen, in 41 gesunken. Nicht wirklich überraschend: Die Taliban in Afghanistan lösten keine Glücksgefühle bei der Bevölkerung aus. An vorderster oder besser oberster Stelle liegen schon gewohnheitsmäßig überwiegend Länder aus dem hohen Norden – auf den ersten drei Rängen Finnland, Island und Dänemark sowie Schweden auf Rang 5. Bei dieser Liste fragen wir uns, ob das hohe Maß an Glück mit einer niedrigen Bevölkerungsdichte korrespondieren könnte? Deutschland hat sich im Übrigen um fünf Plätze auf Rang 17 verbessert. Ältere Leute sind glücklicher als jüngere, auch ein Fakt aus dieser Befragung – vielleicht verhilft uns da die Demographie zum Glücklichsein? Skeptiker halten aber nicht so viel von diesem Glückseligkeitsreport: Es könnte auch schlicht ein Verständnisproblem beim Ausfüllen des Fragebogens vorliegen. 

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.