Ulrich Urbahn, Berenberg

April - ein starker Monat an der Börse?

In der aktuellen Ausgabe des Berenberg-Märkte-Monitors beschäftigen wir uns mit dem saisonalen Rückenwind in der zweiten Aprilhälfte.

Ulrich Urbahn, Berenberg

Bislang ist der April ein sehr starker Monat für die Kapitalmärkte. Beginnende Friedensverhandlungen zwischen Iran, Israel und den USA sowie eine perspektivische Öffnung der Straße von Hormus: Die Entwicklungen über die letzten zwei Wochen gaben den Kapitalmärkten Grund genug, um sich für ein baldiges Ende des Irankriegs zu positionieren. Dies hatte eine enorme Rallye in Risikoanlagen zur Folge. So erreichten einige Aktienindizes nach Kursgewinnen von teilweise mehr als 10 Prozent über die letzten zwei Wochen neue Allzeithochs. Systematiker, die im Zuge der steigenden Kurse Short-Positionen im großen Stil schließen mussten, verstärkten diese „Hoffnungs-Rallye“ zusätzlich. Sollte das Deeskaltionssentiment am Persischen Golf weiter anhalten, suggerieren Positionierung, steigende Gewinnschätzungen sowie solide saisonale Rückenwinde, dass sich die Rallye der letzten Wochen zumindest in der kurzen Frist fortsetzen kann. Wir behalten daher unsere vorsichtig optimistische Positionierung bei. Doch angesichts des undurchsichtigen Friedensprozesses und der erheblichen Konjunkturrisiken durch hohe Energiepreise sehen wir derzeit davon ab, unser Aktienübergewicht noch weiter auszubauen. 

Kurzfristiger Ausblick 

Während der Nahost-Konflikt über die letzten Wochen das bestimmende Thema an den Kapitalmärkten war, haben die zunehmenden Friedensverhandlungen dazu beigetragen, dass sich die Märkte nun wieder vermehrt fundamentalen Treibern widmen können. Vordergründig steht hierbei die Berichtssaison für das erste Quartal im Fokus, welche letzte Woche klassischerweise mit den US-Banken startete. 

Datenseitig werden morgen zunächst die ZEW-Konjunkturerwartungen aus Deutschland (Apr.) sowie die Einzelhandelsumsätze aus den USA (Mrz.) veröffentlicht. Während am Mittwoch die Verbraucherpreise aus Großbritannien (Mrz.) vermeldet werden, stehen am Donnerstag die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone (Apr.) auf dem Datenkalender. Am Freitag werden neben den Verbraucherpreisen aus Japan (Mrz.) und dem ifo-Geschäftsklimaindex aus Deutschland (Apr.) auch das US-Verbrauchervertrauen (Apr.) erwartet. In der Folgewoche dürfte sich der Blick auf die Zentralbanksitzungen richten.  

Der Berenberg-Monitor erscheint zweiwöchentlich und gibt mithilfe wiederkehrender Abbildungen und Daten einen strukturierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten und beleuchtet jeweils eine wichtige Entwicklung näher.

  • Das Fristende zur Einreichung der US-Steuererklärung stellt eine volatile Zeit an den Märkten dar. Hintergrund ist, dass Anleger im Vorfeld der Frist Wertpapiere verkaufen müssen, um Liquidität für anstehende Steuerzahlungen zu schaffen.
  • Mit dem „Tax Day“ endet dieser Verkaufsdruck und für die bei Kleinanlegern beliebten Tech-Aktien tut sich ein starkes saisonales Fenster auf.  
  • Dies, sowie die nun zunehmenden Aktienrückkäufe dürften die Märkte in den Mai hinein saisonal stützen. 

Ausgewählte Asset-Klassen aus dem Märkte-Monitor

  • Der starke Preisverfall von Rohöl (Brent) über die letzten vier Wochen ist zum Großteil auf die letzten Freitag getätigten Äußerungen des Irans hinsichtlich der Öffnung der Straße von Hormus zurückzuführen.
  • Jene Risikoanlagen, welche von der Öffnung der wichtigen Seefahrtsstraße profitieren, legten entsprechend deutlich an Wert zu. Darunter insbesondere 
    zyklische Industriemetalle sowie Aktien der Frontier- und Industrienationen.
  • Die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende beflügelte jedoch bereits schon vor den iranischen Äußerungen einige Risikomärkte: Neben weiter steigenden 
    lateinamerikanischen Aktien aufgrund eines schwächeren Dollars und weiter hoher Energiepreise profitierten zuletzt insbesondere zyklische und Small Cap Aktien aus Europa.
  • Defensive Aktien legten zwar ebenfalls leicht zu, sind auf Sicht der letzten vier Wochen jedoch die Underperformer. 
  • Während Lokal- und Hartwährungsanleihen der Schwellenländer mit steigendem Risikoappetit der letzten Wochen weiter zulegen konnten, haben US-Staatsanleihen in Euro gerechnet leicht verloren. Lokalwährungsanleihen profitierten dabei insbesondere von einem schwächeren US-Dollar.
  • Die gestiegene Risikofreude zeigt sich auch am stärkeren Anstieg von Peripherieanleihen wie bspw. aus Italien gegenüber deutschen Bundesanleihen. 

Ulrich Urbahn

Ulrich Urbahn ist Leiter Multi Asset Strategy & Research bei Berenberg Wealth and Asset Management. Berenberg wurde 1590 gegründet und gehört heute mit den Geschäftsbereichen Wealth and Asset Management, Investmentbank und Corporate Banking zu den führenden europäischen Privatbanken. Das Bankhaus mit Sitz in Hamburg wird von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt und hat eine starke Präsenz in den Finanzzentren Frankfurt, London und New York.

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Datum 09.03.2026