Gea Blumberg, Global X

Anhaltende Hitzewellen treiben Ausbau von Kernenergie voran

Zunehmende Hitzewellen und Wasserknappheit können den Abbau von Edelmetallen operativ komplexer und kostspieliger machen. Besonders Kupfer und Lithium könnten hier stark betroffen sein, da sich eine Reihe bedeutender Lagerstätten in trockenen Regionen oder Gebieten mit Wasserstress befinden, darunter Teile Chiles, Argentiniens, Perus und Australiens.

Auch bei Kupfer übersteigt die Nachfrage, insbesondere durch regenerative Energien, das Angebot / Bild: Kupfermine/Hudbay

Lösungsansatz: Verantwortungsvolle Bergbaupraktiken

Verantwortungsvolle Bergbaupraktiken helfen dabei, die Risiken durch eine verbesserte Wassereffizienz und Wasserwiederverwendung, zu steuern. Diese Maßnahmen allein können physische Einschränkungen der Wasserverfügbarkeit nicht beseitigen und erfordern möglicherweise anfängliche Investitionen. Sie könnten jedoch Betriebskosten, Produktionsunterbrechungen, Sanierungsaufwendungen sowie Risiken bei Genehmigungsverfahren verringern. Hierdurch würden langfristig die operative Widerstandsfähigkeit und die Margen der Bergbauunternehmen gestützt.

Kupfer und Lithium profitieren – Nachfrage übersteigt Angebot

Nach den jüngsten Prognosen könnte das erwartete Angebot aus bestehenden und angekündigten Projekten bereits in knapp zehn Jahren rund 25 Prozent unter dem Primärangebotsbedarf bei Kupfer und rund 30 Prozent unter dem Primärangebotsbedarf bei Lithium liegen. Wir sehen hier einen Engpass: Trotz der jüngsten Fortschritte bei Bergbauprojekten dürfte die Nachfrage nach beiden Rohstoffen das Angebot übersteigen. Die Kupfernachfrage könne zunehmend durch den Ausbau der Stromnetze, der erneuerbaren Stromerzeugung, der Elektromobilität und der KI-bezogenen Infrastruktur weiter angetrieben werden.

Ausbau Erneuerbarer Energien treibt Rohstoffnachfrage

Die Rohstoffnachfrage könnte mit dem Ausbau der Kapazitäten für Erneuerbare Energien deutlich steigen. In einem Netto-Null-Szenario könnten Erneuerbare Energien bis 2050 rund 84 Prozent der weltweiten Stromversorgung ausmachen. Treiber sind dabei vor allem Solar- und Windenergie, die im Allgemeinen mehr Mineralien benötigen als die Stromerzeugung mit Erdgas.

Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie der Stromnetze dürfte auch die Kupfernachfrage steigen: Bis 2040 wird mit einer Zunahme der weltweiten Kupfernachfrage um insgesamt rund sieben Millionen Tonnen gerechnet. Der weitere Ausbau der Solarkapazitäten könnte die Silbernachfrage langfristig stützen, da Silberpaste den von Photovoltaikzellen erzeugten Strom sammelt und weiterleitet. Die gute Leitfähigkeit von Kupfer bei geringeren Kosten spricht für den Einsatz in Solaranlagen, Kabeln und Stromnetzen.

Effizienzsteigerungen könnten zwar den Silberverbrauch je Solarmodul reduzieren, doch die steigende Zahl der Installationen könnte die geringere Materialintensität ausgleichen.
Die Integration Erneuerbarer Energien erfordert zudem den Ausbau von Stromnetzen, Speichern und unterstützender Infrastruktur, wodurch die Nachfrage nach Kupfer, Lithium, Nickel, Kobalt, Grafit und Seltenen Erden steigen könnte. Insbesondere könnte sich die weltweite Kapazität von Batteriespeichern bis 2035 auf das 17-Fache erhöhen. Lithiumbasierte LFP-Batterien machen derzeit rund 90 Prozent der installierten Systeme aus, was die Lithiumnachfrage potenziell stützen könnte.

Aufwind für Kernenergie

Auch Kernenergie spielt im Zuge der Dekarbonisierung eine zunehmend wichtige Rolle. Reaktoren können große Mengen Strom mit sehr geringen Emissionen im Betrieb erzeugen und laufen in der Regel während des größten Teils des Jahres mit hoher Leistung. Diese zuverlässige Stromerzeugung könnte die Elektrifizierung des Verkehrs, von Gebäuden und der Industrie unterstützen und die schwankende Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie ergänzen, indem sie die Abhängigkeit von fossilen Reservekapazitäten verringert.

Bis 2050 rechnet die EU Nuclear Alliance mit einem Anstieg der Kernenergiekapazität um rund 50 Prozent auf 150 Gigawatt, während die Vereinigten Staaten eine Vervierfachung auf 400 Gigawatt anstreben. In China könnte die Kapazität nach Schätzung einer staatlichen Forschungseinrichtung auf mehr als 330 Gigawatt steigen und damit mehr als das Fünffache des derzeitigen Niveaus erreichen. Diese Zahlen deuten auf eine weltweit wachsende Dynamik zugunsten der Kernenergie hin.

Wasserverfügbarkeit ist Erfolgsfaktor

Wasserknappheit könnte bei einigen Kernkraftwerken zu standortspezifischen betrieblichen Herausforderungen führen, da Dürren und höhere Wassertemperaturen die Verfügbarkeit von Kühlwasser begrenzen, die Effizienz verringern oder vorübergehende Leistungsreduzierungen erforderlich machen. Die weltweiten Auswirkungen waren in der Vergangenheit jedoch begrenzt: Nach Schätzungen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) beeinträchtigten Einschränkungen bei der Kühlwasserversorgung und andere klimabedingte Ereignisse im Jahr 2022 rund 0,3 Prozent der Kernenergieerzeugung.

Eine geeignete Standortwahl, alternative Wasserquellen, fortschrittliche Kühlsysteme und eine klimaresiliente Auslegung können dazu beitragen, diese Risiken zu minderng. 

Fazit: Die Wasserverfügbarkeit wird damit zunehmend zu einem wichtigen Planungsaspekt für den Ausbau der Kernenergie.

Gea Blumberg

Gea Blumberg ist Co-Head von Global X ETFs Europe und Head of Business Development bei Global X, 2008 in New York gegründet und seit 2020 auch in Europa tätig. Global X konzentriert sich auf innovative ETFs mit dem Fokus auf Technologie und IT, wie zum Beispiel Cloud-Computing, Metaverse oder Internet of Things. An der Börse München sind knapp 40 ETFs von Global X handelbar.