Angst ist ein schlechter Ratgeber
Aber die Entwicklung bei Künstlicher Intelligenz geht so rasant vonstatten und impliziert in vielen Bereichen einen umfassenden Umbruch, dass ein Gefühl der Verunsicherung vorherrscht. Von der Arbeitswelt, über den Gesundheitssektor bis hin zu Bildung und Kreativität wird es deutliche Veränderungen geben. Da die KI also direkt in unser aller Leben eingreifen wird, sind die Sorgen eines jeden einzelnen groß und werden zur „Angst“.
Die Zukunft birgt Risiken
Suchen wir nach den realen Gründen, die eine KI-Angst bei der Aktienanlage rechtfertigen könnten. Es sind zwei Dinge, die Anleger verunsichern. Zum einen investieren die großen US-Tech-Konzerne Milliarden US-Dollar in künftige Anwendungen der KI, aber niemand weiß, ob sich diese Aufwendungen und wenn ja für wen rechnen werden. Aber das ist ein normales Risiko an der Börse und kein Grund für Angst: Es wird die Zukunft gehandelt und niemand besitzt eine Glaskugel. Zum anderen könnten ganze Branchen, beispielsweise Software-Dienstleistungen, durch die KI künftig mehr oder weniger obsolet werden. Aber auch das ist ein altes Prinzip, bekannt unter Schumpeters schöpferischer Zerstörung. Bleibt am Ende die durchaus realistische Frage: Liegen in den Depots hoch gehypte Werte, die über kurz oder lang zu den Verlierern gehören? Hier gilt es ausreichend zu diversifizieren und sich Gedanken über die langfristige Tragfähigkeit von Geschäftsmodellen zu machen. Normale Überlegungen eines Anlegers, Angst hilft da nicht weiter.
German Angst
Lassen Sie uns ein paar grundsätzliche Dinge zum Thema Angst und Börse zusammenfassen. Angst scheint ein sehr deutsches Gefühl zu sein, sosehr, dass es der Begriff sogar in fremde Sprachen geschafft hat. Dann ist von der „German Angst“ die Rede. Sie ist mehr als nur Sorge oder Furcht, aber noch knapp vor der Panik angesiedelt. Zu den wenigen deutschen Worten, die es in die angelsächsische Sprache geschafft haben, zählen neben der Angst im Übrigen noch Brezel, Dummkopf, Heldentenor, Kindergarten, Mittelstand und Oktoberfest. Interessant, was als typisch für uns Deutsche gilt. Blicken wir umgekehrt auf die vielen Anglizismen, die sich bei uns eingeschlichen haben, herrscht hier eindeutig ein Handelsbilanzdefizit!
Die falsche Haltung
Die deutsche Angst wird im Ausland als eine nebulöse Furcht vor allem oder nichts – insbesondere vor Reformen – und andererseits als ein „Leiden an der Welt“ definiert. Angst ist also nicht die Furcht vor etwas Konkretem als vielmehr eine Haltung, ein Wegducken vor dem Unbestimmten. Laut dem dänischen Philosophen Sören Kierkegaard, der sich in seinem Werk „Der Begriff Angst“ intensiv mit ihr auseinandergesetzt hat, bedingen sich Geist und Angst, oder „je weniger Geist, je weniger Angst“. Das mag den ein oder anderen trösten, aber bei der Geldanlage wie im Leben gilt: Vorsicht ist in Ordnung, Angst hilft nicht weiter, sie paralysiert und trifft falsche Entscheidungen. Sie bremst Innovationen und kostet Chancen. Und an der Börse ist die Angst der Einen die Überrendite für den Anderen. Den ausgewogen risikobewussten Anlegern mit Geduld.
Der Artikel erschien zuerst im Nebenwerte Journal 03/2026