Ulrich Kirstein, Börse München

Alte und neue Probleme

Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche erneut Kursverluste hinnehmen müssen. Nach einem schwachen Beginn und einer zwischenzeitlichen Erholung der Notierungen, sorgten am Freitag der große Verfallstag an den Terminbörsen sowie neue Inflationsdaten dafür, dass die führenden Indizes letztlich deutlich unter ihrem Vorwochen-Ständen schlossen. Maßgeblichen Einfluss auf die Kurse hatten in den Tagen davor erwartungsgemäß die Entwicklung der Ölpreise sowie der Anleiherenditen und auch die Sicherheits-Debatte beim Thema KI.

Rückblick: Automobilaktien auf der Verliererspur

In der Summe rutschte der Deutsche Aktienindex (Dax) im Wochenvergleich um 1,0 Prozent auf 25.304,06 Punkte ab. Der MDax gab um 1,8 Prozent auf 31.083,97 Zähler nach. Der Tech-Dax hielt sich erneut besser als Dax und MDax und verlor lediglich 0,8 Prozent. Er beendete die Handelswoche bei 3.948,65 Punkten. Der m:access All Share verlor 1,3 Prozent auf 941,71 Zähler.

Zu den großen Verlierern im Dax zählten Automobilaktien. Volkswagen Vorzüge gaben im Wochenvergleich 5,8 Prozent ab. Der Wolfsburger Konzern hat seine bisherige Gewinnprognose einkassiert und rechnet nun damit, im laufenden Jahr höchsten ein Prozent des Umsatzes als operativen Gewinn verbuchen zu können. Zuvor war der Konzern noch von einer Marge zwischen 4,0 und 5,5 Prozent ausgegangen. Im Fahrwasser von VW rutschten auch Mercedes-Benz (-4,3 Prozent) und BMW (-3,7 Prozent) ab. Deutlich nach unten ging es auch bei den Aktien der Deutschen Telekom. Sie verloren 4,8 Prozent. Händler begründeten dies vor allem mit einer negativen Analysten-Einstufung des Telekom-Wettbewerbers Orange .

Zu den Wochengewinnern unter den Blue Chips zählten SAP mit einem Plus von 2,1 Prozent und Qiagen. Der Titel legte aufgrund von Übernahmephantasien um 2,7 Prozent zu.

SAP zählt zu den (wenigen) Gewinnern der Woche / Bild: SAP

Anleihen: Nachgebende Notierungen

Nachgebende Notierungen vermeldeten einmal mehr die deutschen Anleihemärkte. Dabei schlossen die Märkte allerdings deutlich über ihren Wochentiefs. Dies führten Händler vor allem auf eine Erholung der Ölpreise Richtung Wochenende zurück. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe erhöhte sich im Wochenvergleich um 3 Hundertstel auf 3,53 Prozent. Damit lag sie immerhin um 4 Basispunkte unter dem mehrjährigen Höchststand, den sie am Dienstag mit 3,57 Prozent erreicht hatte. Die Umlaufrendite stieg um 2 Hundertstel auf 3,49 Prozent. Sorgen bereitete den Anlegern derweil die Entwicklung in Frankreich. Dort wurde die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt mit 4,56 Prozent berechnet.

USA: Uneinheitlich

Im Gegensatz zu den deutschen Aktienmärkten haben sich die US-Börsen in der vergangenen Woche uneinheitlich entwickelt. Auch hier wurde das Geschehen vornehmlich von der Entwicklung der Ölpreise, den Bewegungen am Anleihemarkt – die Rendite 10-jähriger US-Treasuries stieg erstmals seit Oktober 2023 wieder über die Marke von 5 Prozent – sowie von der Debatte über die KI beeinflusst. Dabei sorgten allerdings gerade die High-Tech- und KI-Werte durch einen Turn-Around zur Wochenmitte dafür, dass der Markt letztlich zwiegespalten war. Dies zeigt sich auch an den führenden Indizes. So verlor der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich 1,7 Prozent und beendete den Handel am Freitag bei 51.682,64 Punkten. Damit verbuchte der Dow die schlechteste Woche seit März dieses Jahres.
Der marktbreite S&P-500-Index verlor im Wochenvergleich dagegen lediglich 0,1 Prozent auf 7.650,50 Punkte. Und der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index legte sogar um 0,7 Prozent auf 26.522,55 Punkte zu.

Ausblick: Spielt das CDU-Wahldesaster eine Rolle?

Neue Woche – drei alte und einige neue Themen. So könnte man grob die Gemengelage beschreiben, in der sich die deutschen Aktienmärkte in den kommenden Tagen bewegen werden. Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie die Börsen auf das Wahldesaster der CDU bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin reagieren werden. Das wiederum dürfte vor allem davon abhängen, ob der Absturz der CDU auf Landesebene die schwelende Regierungskrise im Bund weiter anfachen wird. Kann sich Friedrich Merz im Sattel halten? Was wird aus der Reformagenda der Bundesregierung? Das sind die Themen, die für die Börsen in den kommenden Tagen zentral sein könnten.

Damoklesschwert Ölpreis

Gleiches gilt natürlich auch unverändert für den Ölpreis. Einige Analysten setzen in diesem Zusammenhang darauf, dass US-Präsident Donald Trump angeblich an diesem Dienstag am Rande der UN-Vollversammlung mit Vertretern einiger Golfstaaten zusammenkommen und über ein mögliches Ende des Iran-Kriegs beraten will. Dazu passen Meldungen aus den USA, der Iran habe der US-Regierung eine Liste mit sieben Forderungen für ein Ende des Kriegs zukommen lassen.

Wie sich der Ölpreis und die Inflationssorgen auf die Stimmung in den Unternehmen auswirken, dürfte derweil der Ifo-Geschäftsklimaindex verdeutlichen, der am Donnerstag veröffentlicht wird. Etliche Analysten geben sich hier optimistisch. Sie setzen allen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zum Trotz darauf, dass der Index weiter gestiegen ist.  

Anleihemärkte im Fokus

Ebenfalls im Fokus bleiben wird die Entwicklung an den Anleihemärkten. Denn erstens dürften die dortigen Renditen nach allgemeiner Auffassung weiter steigen, falls die Ölpreise und damit auch die Inflationssorgen wieder anziehen sollten, und zweitens schwebt auch das Thema der Zinserhöhungen durch die Zentralbanken weiter über den Märkten. Zumindest in den USA halten viele Beobachter in diesem Zusammenhang noch eine weitere Leitzinserhöhung in diesem Jahr für möglich.  

Auch das Thema KI bleibt auf der Liste der Börsianer. Der jüngste Turn-Around vieler KI-Aktien nach dem deutlichen Verlusten Anfang vergangener Woche war zwar beeindruckend. Die Frage bleibt allerdings, wie nachhaltig diese Erholung ist.

Berlin-Wahl mit Auswirkungen

Und auf Unternehmensseite? Hier stehen für die aktuelle Woche zumindest was die Dax-Werte betrifft keine wesentlichen Termine im Kalender. Die Wahlen in Berlin dürften allerdings zumindest einen Wert kurzfristig stärker in den Blickpunkt rücken: Vonovia. Denn das Immobilienunternehmen ist stark in der Hauptstadt engagiert und dort nicht gerade unumstritten. Das dürften die Börsianer vor allem auch in Hinblick darauf bedenken, dass die Linke demnächst möglicherweise den regierenden Bürgermeister Berlins, respektive die regierende Bürgermeisterin, stellen wird.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

  • Montag, 21.09: Bundesbank-Monatsbericht. 
  • Dienstag, 22.09: ADP-Beschäftigungsänderungen USA.    
  • Mittwoch, 23.09: HCOB Einkaufsmanager Gesamtindex sowie Einkaufmanagerindex Dienstleistungen und Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe für Deutschland; HCOB Einkaufsmanagerindex für die Eurozone; S&P Global Einkaufsmanagerindex USA (Gesamtindex, Dienstleistungsindex und Index für das verarbeitende Gewerbe).
  • Donnerstag, 24.09: ifo-Geschäftsklima Deutschland; Erstanträge Arbeitslosenunterstützung USA. 
  • Freitag, 25.09: GfK-Verbrauchervertrauen Deutschland; Entwicklung der Privatkredite und der Geldmenge M3 in der Eurozone; Auftragseingänge langlebige Güter in den USA; Uni Michigan Verbraucher-Stimmungsindex. 

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.