Abseits der Tech-Rally - warum Dividenden-ETFs wieder an Bedeutung gewinnen
Dividendenaktien standen in den vergangenen Jahren kaum im Fokus vieler Investoren. Zum einen boten Anleihen nach Jahren des Nullzinses wieder höhere Renditen, zum anderen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Investoren auf den Trend Künstlicher Intelligenz (KI). Angetrieben von den großen US-Technologieunternehmen wurde die Technologiebranche zum zentralen Performance-Treiber am Aktienmarkt. Diese Entwicklung prägt nicht nur reine Technologie-, sondern auch breite Aktienindizes. Im MSCI World ist die US-Gewichtung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, zugleich haben wenige große Technologie- und Plattformunternehmen erheblichen Einfluss auf die Indexentwicklung gewonnen.
Diese starken Kursgewinne und die damit einhergehende Bewertungsausweitung werfen eine Frage auf, die seit Beginn der KI-Rallye immer lauter gestellt wird: Welche Bewertung ist für Technologieunternehmen eigentlich noch angemessen und wann werden die hohen Erwartungen zum Risiko? Wir sind überzeugt: In einem solchen Umfeld gewinnen Dividendenaktien wieder an Bedeutung – und mit ihnen ETFs, die breit gestreut in entsprechende Titel investieren.
Stabilere Kurse, regelmäßige Ausschüttungen
Je höher die Bewertungen sind, desto empfindlicher reagieren die Marktteilnehmer auf enttäuschte Erwartungen und umso schärfer können mögliche Korrekturphasen ausfallen. Dabei zeigt sich ein aus unserer Sicht wesentlicher Unterschied: Viele wachstumsstarke Technologiewerte weisen historisch betrachtet ein höheres Beta auf als klassische Dividendentitel. Das bedeutet: In Aufwärtsphasen partizipieren sie überproportional am Aufschwung, in Korrekturphasen fallen sie jedoch meist auch stärker als der Gesamtmarkt – während dividendenstarke Unternehmen tendenziell moderatere Kursverluste verzeichnen.
Natürlich sind auch Dividendenstrategien in erster Linie Aktieninvestments. Geht der Gesamtmarkt zurück, werden auch dividendenstarke Titel in Mitleidenschaft gezogen. In der Regel aber in geringerem Ausmaß.
Neben der Kursentwicklung rücken bei Dividendenaktien laufende Ausschüttungen als zusätzliche Ertragskomponente in den Fokus. Es handelt sich um einen eher defensiven Portfoliobaustein, bei dem laufende Ausschüttungen einen wichtigen Beitrag zum Gesamtertrag leisten können. Bei Ausschüttungsrenditen von häufig 3 bis 6 Prozent lässt sich so ein laufender Einkommensstrom generieren. Das ist attraktiv für Privatanleger, ebenso aber für Institutionen mit laufendem Ertragsbedarf wie Stiftungen.
Dividenden-ETFs richten sich daher nicht in erster Linie an Anleger, die auf der Jagd nach dem nächsten Hype sind. Gerade etablierte Unternehmen aus defensiven Sektoren wie Energie, Versorger, Telekommunikation oder Finanzdienstleistungen zeichnen sich oft durch attraktive Dividendenrenditen aus und können ein Portfolio in unruhigeren Marktphasen stabilisieren.
Worauf Anleger bei Dividendeninvestments achten sollten
Investoren sollten jedoch beachten, dass sich Dividendenstrategien deutlich voneinander unterscheiden. Das gilt auch bei ETFs, denen sehr unterschiedliche Indexkonzepte zugrunde liegen. Manche ETFs legen ihren Fokus auf eine hohe aktuelle Dividendenrendite, andere setzen auf Unternehmen mit langjähriger Ausschüttungshistorie oder kombinieren Dividendenkennzahlen mit Qualitätsfaktoren wie Gewinnstabilität, Verschuldung oder Ausschüttungsquote. Bei einem ETF müssen Anleger daher nicht die Qualität jeder einzelnen Aktie analysieren – entscheidend ist, dass die Indexmethodik zu den Anlagezielen passt. Wichtig ist es daher, sich mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen zu beschäftigen. Beispielsweise kann der Blick auf die Ausschüttungsrendite, die sich aus dem Verhältnis von Dividenden zu Aktienkurs ergibt, trügerisch sein: Ein hoher Wert ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Ausschüttungen stabil geblieben sind, während der Aktienkurs unter Druck geraten ist – was auf strukturelle Probleme hindeuten kann.
Ausschüttungsprofil als Auswahlkriterium
Neben der Methodik spielt das Ausschüttungsprofil eine wichtige Rolle. Dividenden-ETFs unterscheiden sich darin, in welchem Rhythmus Erträge weitergegeben werden. Je nach ETF erfolgen Ausschüttungen monatlich, quartalsweise, halbjährlich oder jährlich. Dann gibt es wiederum Lösungen, die die Erträge thesaurieren, also automatisch wieder anlegen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt ebenfalls vom Anlageziel ab: Wer laufende Einnahmen erzielen möchte – etwa im Ruhestand oder als institutioneller Investor mit regelmäßigem Ertragsbedarf – wird eher auf ausschüttende Lösungen achten. Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, kann dagegen auch thesaurierende Ansätze in Betracht ziehen.
Auch die regionale Ausrichtung kann eine wichtige Rolle spielen. Es gibt global ausgerichtete Dividenden-ETFs, aber auch solche mit Schwerpunkt auf einzelne Regionen wie Europa, die USA oder Schwellenländer. Damit unterscheiden sich nicht nur die zugrunde liegenden Unternehmen und Branchen, sondern auch die jeweiligen Risiko- und Ertragsprofile. Für Anleger ist wichtig, ob ein ETF als global diversifizierter Dividendenbaustein eingesetzt werden soll oder gezielt eine bestimmte Region im Portfolio abbildet.
Dividenden und Aktienrückkäufe
Schließlich spielt eine Rolle, ob ein ETF ausschließlich klassische Dividenden berücksichtigt oder einen breiteren Ertragsbegriff zugrunde legt. Reine Dividendenstrategien wie „Dividenden-Aristokraten“-Ansätze investieren in Unternehmen mit einer langjährigen, möglichst stetigen Ausschüttungshistorie. Total-Shareholder-Yield-Ansätze berücksichtigen neben Dividenden auch Aktienrückkäufe. Dadurch können sie ein breiteres Anlageuniversum abbilden, denn insbesondere Unternehmen aus wachstumsorientierten Branchen nutzen oft Rückkäufe, um überschüssiges Kapital an ihre Anteilseigner zurückzugeben.
Dividenden-ETFs als defensiver Aktienbaustein
Insgesamt können Dividendenstrategien als defensiver Aktienbaustein eine wichtige Rolle in einem breit aufgestellten Depot spielen. Sollte die Unsicherheit an den Märkten in den kommenden Monaten weiter zunehmen, dürften sie wieder stärker in den Fokus rücken – nicht als Ersatz für Anleihen oder Wachstumstitel, sondern als Ergänzung, die laufende Erträge, breitere Diversifikation und potenziell geringere Schwankungen miteinander verbindet. Für Anleger kommt es dabei vor allem darauf an, den passenden Dividenden-ETF für das eigene Anlageziel zu wählen.