Kinderbetreuung, Haustierpflege & Co. – Trends 2021

Jack Neele and Richard Speetjens, Robeco
Jack Neele and Richard Speetjens, Robeco
Die Coronavirus-Pandemie hat Wirtschaftsstruktur und Verbraucherverhalten verändert. Wir sehen die vielversprechendsten Chancen dort,  wo sich Konsum und Gesundheit überschneiden. Den Fokus unserer Aktienstrategie Robeco Global Consumer Trends legen sie 2021 auf zwei Bereiche: die Zukunft des Handels und die sogenannte „Caring Economy“.
Die Coronavirus-Pandemie und die damit verbundenen konjunkturellen Turbulenzen haben die Wirtschaftsstruktur stark verändert: Unternehmen waren gezwungen, ihre Geschäftstätigkeit rasch in die Online-Sphäre zu verlagern, das Arbeiten von zuhause aus ist alltäglich geworden und viele Verhaltensweisen haben sich gewandelt.
 
In diesem Jahr – und darüber hinaus – halten wir die Aussichten dort, wo sich die Aspekte Konsum und Gesundheit überschneiden, für besonders vielversprechend. Gesundheit und Wohlergehen sind bereits in den letzten Jahren in den Mittelpunkt gerückt, und das Coronavirus hat diesen Trend 2020 verstärkt. Zu Beginn des Jahres 2021 legen wir unseren Fokus daher auf zwei aussichtsreiche Themen: die Zukunft des Handels und die Wirtschaft, die sich sowohl um die Menschen als auch um den Planeten kümmert (Caring Economy).

Zukunft des Handels – Gewinner von morgen ausmachen

Die Coronavirus-Krise hat die Digitalisierung beschleunigt, was zeigt, wie wichtig E-Commerce im Alltag der Verbraucher rund um den Globus geworden ist. In den ersten Wochen der anfänglichen Infektionswelle horteten die Menschen Basiskonsumgüter wie Toilettenpapier, Handreiniger und
langlebige Lebensmittel wie Nudeln. Als sich jedoch zeigte, dass die Mobilitätsbeschränkungen länger als erwartet anhalten würden, begannen die Verbraucher ihr Verhalten zu ändern. Beispielsweise ging eine neue Altersgruppe online: die Senioren. Diese Verhaltensänderungen dürften fortbestehen, selbst wenn die Volkswirtschaften wieder in Gang kommen und die Bürger ihr normales Leben wieder aufnehmen.
 
Tatsächlich geben viele Konsumenten an, dass für sie die Bequemlichkeit des Einkaufs wichtiger ist als der Preis der Artikel. Daher dürfte die Zukunft des Handels in einer Mischung aus Online- und Offline-Shopping bestehen.
 
Die wachsende Aktivität im Bereich E-Commerce während der Krise kam Online-Einzelhändlern wie Amazon in den USA, Alibaba in China oder MercadoLibre in Lateinamerika zugute. Doch darüber hinaus gab es weitere, möglicherweise sogar überraschende Nutznießer des E-Commerce-Booms. Da viele Einzelhändler ihre Ladengeschäfte schließen mussten, konnten sie nur noch online Umsätze erzielen.
Auch bei anderen nicht lebensnotwendigen Artikeln kam es zu einer Verschiebung in die Online-Sphäre. Dazu zählen Kosmetika und Haushaltsgeräte, aber auch Hundefutter. Gleichzeitig ist es bei anderen Artikeln, bei denen der elektronische Handel vor der Pandemie eine relativ geringe Rolle spielte, ebenfalls zu einem starken Schub bei der Verbreitung digitaler Käufe gekommen – beispielsweise bei Lebensmitteln.
 
Hinzu kommt: Im vergangenen Jahr ist auch die Nachfrage nach lokalen Produkten drastisch gestiegen. Verbraucher haben ihre Absicht bekundet, Unternehmen und Marken zu unterstützen, deren Überleben ihnen wichtig ist. Dies ist ein weiteres Anzeichen für eine gestiegene Loyalität von Kunden für ihre bevorzugten Marken. Unternehmen, die einen nachhaltigen und lokalen E-Commerce ermöglichen, sollten ebenfalls von diesen Veränderungen profitieren.
 
Die Coronavirus-Krise hat nicht nur die Digitalisierung beschleunigt, sondern auch den Wettbewerb intensiviert. Während Amazon 400.000 Mitarbeiter eingestellt hat, um dem gestiegenen Verbraucherbedarf nachzukommen, konnten auch viele kleinere digitale Firmen und Onlineshops, die an physische Einzelhändler geknüpft sind, schnell wachsen. Anleger müssen sich mehr denn je darum bemühen, die zukünftigen Gewinner auszumachen.

Caring Economy – Verstärkter Fokus auf Wohlergehen und Hygiene

Das zweite wichtige Thema für das laufende Jahr ist das, was wir als Caring Economy bezeichnen. Die Coronavirus-Pandemie hat die Regierungen weltweit dazu gezwungen, die öffentliche Gesundheit ins Zentrum ihres Handelns zu stellen. Beispielsweise wurde den Menschen in vielen Ländern bewusst gemacht, dass sie ihre Hände öfter waschen oder Handreiniger benutzen müssen.
 
Der damit verbundene stärkere Fokus auf Wohlergehen und Hygiene wird voraussichtlich zu einem nachhaltigen Anstieg der Konsumausgaben in den Bereichen Körperpflege, Kinderbetreuung und sogar Haustierpflege führen. Wir erwarten, dass sich die aktuellen Trends, die den globalen Sektor „Home & Personal Care“ unterstützen, auch 2021 fortsetzen, da sich Routinen zu erhöhter Sauberkeit im Haushalt und persönlicher Hygiene etabliert haben.
Auch wenn Verbraucher dazu tendieren, in einem Konjunkturaufschwung auf billigere Marken auszuweichen – wir betrachten die derzeitige Pandemie als Sonderfall, in der vertraute Premiummarken widerstandsfähig bleiben dürften. Wir erwarten, dass die Nachfrage in Bereichen wie Desinfektionsmittel, Hilfsmittel zur Oberflächenreinigung und Handreiniger weiter robust bleibt, auch wenn die Risiken für die öffentliche Gesundheit schwinden und die Wirtschaft wieder in Gang kommt.

Kinderbetreuung und Haustierpflege

Zur Caring Economy gehört auch der wachsende Markt für Kinderbetreuung. Dieses expandierende Segment ist in den letzten zehn Jahren stetig gewachsen. Dazu beigetragen haben der steigende Anteil berufstätiger Frauen sowie ein stärkerer Fokus auf frühkindliche Erziehung und hochwertige Kinderfürsorge. Trotz der Coronavirus-Krise sind die langfristigen fundamentalen Faktoren hinter der Entwicklung des Markts für Kinderbetreuung intakt und bringen interessante Anlagechancen mit. Das von Unternehmen finanzierte Angebot an Kinderbetreuung weist eine stabile Dynamik auf, da es von sehr regelmäßigen Erträgen sowie langfristigen Verträgen von teilweise bis zu 15 Jahren geprägt ist. Gleichzeitig erfordert diese Art der Kinderbetreuung nur sehr wenig Kapital, da Firmen dazu oft eigene Liegenschaften nutzen.
 
Gelegenheiten vieler Art sehen wir darüber hinaus im Bereich der Haustierpflege. Diese Branche hat sich in der Vergangenheit als rezessionsfest erwiesen. Die Konsumausgaben für Haustierpflege sind während der Finanzkrise 2008-2009 gestiegen, da Haustierbesitzer statt an Tierfutter oder Haustierzubehör zu sparen eher andere nicht notwendige Ausgaben reduziert haben.

Coronavirus-Krise hat Verbrauchergewohnheiten verändert

Durch die Coronavirus-Krise haben sich viele Verbrauchergewohnheiten geändert. Gewohnheiten sind automatisierte Routinen, denen die Menschen folgen, ohne groß darüber nachzudenken, was sie tun. Das gilt unseres Erachtens insbesondere mit Blick auf E-Commerce und die Caring Economy.
Automatisch erfolgende Kaufentscheidungen von Verbrauchern sind aus geschäftlicher Sicht sehr interessant und gut positionierte Unternehmen sollten davon profitieren. Im Jahr 2020 wurden diese Änderungen im Verbraucherverhalten möglicherweise durch die direkten Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie überstrahlt. Doch bei einer wirtschaftlichen Erholung im laufenden Jahr sollten ihre längerfristigen Folgen umso deutlicher werden. Unseren Überzeugungen folgend haben wir unser Portfolio entsprechend positioniert.
Jack Neele and Richard Speetjens sind Trend-Experten bei Robeco
Die Informationen in diesem Artikel stellen keine Anlageempfehlung oder einen Rat zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere oder Investmentprodukte und/oder zur Verfolgung einer Anlagestrategie und/oder einen rechtlichen, buchhalterischen oder steuerlichen Rat dar.

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