„Die USA hat ein großes Interesse an einer stabilen Regierung in Deutschland“

US-Generalkonsulin Jennifer Gavito in der Börse München
Jennifer Gavito / Bilder: Sarah E. Scarbrough
Die Generalkonsulin der USA, Jennifer Gavito, sprach im Rahmen des fpmi business breakfasts über die aktuellen deutsch-amerikanischen Beziehungen. Sie betonte dabei die enge und langdauernde Partnerschaft der beiden Länder und den hohen Stellenwert, den die deutsch-amerikanischen Beziehungen auch unter der neuen Administration einnehmen. Für Deutschland wünscht sie sich eine rasche Regierungsbildung, denn die USA hätten ein großes Interesse an einer stabilen Regierung in Deutschland. 

Lange Freundschaft zwischen Bayern und USA

Die Partnerschaft nicht nur zwischen Deutschland und den USA, sondern speziell auch von Bayern und Amerika hat eine lange und fruchtbare Tradition. Darauf wies Andreas Schmidt, Vorstand der Bayerischen Börse AG und Sprecher der Finanzplatz München Initiative (fpmi), bei der Begrüßung der amerikanischen Generalkonsulin Jennifer Gavito hin. Bereits 1835 hatte mit dem Bankier Robert de Ruedorffer der erste Konsul der Vereinigten Staaten in München seine Arbeit aufgenommen. Die guten Beziehungen halten bis heute an. So liegt beispielsweise das größte BMW-Werk nicht in Bayern oder Deutschland sondern in Spartanburg in South Carolina. Und Jennifer Gavito konkretisierte, dass 780 bayerische Unternehmen in den USA 55 Mrd. US-Dollar investiert hätten und 204 US-Unternehmen 8 Mrd. US-Dollar in Bayern. Allein 150.000 Arbeitsplätze haben die bayerischen Firmen in den USA so geschaffen.

Gemeinsame Ziele

Doch wie gestalten sich die Beziehungen zwischen der neuen Trump-Administration und Europa in der Zukunft? Frau Gavito war in ihrer Tätigkeit für das US-Außenministerium unter anderem als Leiterin der politischen Abteilung am US-Generalkonsulat in Jerusalem eng in den dortigen Friedensprozess eingebunden. Heikle Missionen sind ihr also nicht fremd und so gab sie sich in München vor ausgewählten Vertretern der Finanzwirtschaft diplomatisch zurückhaltend. Es seien vor allem die gemeinsamen Ziele, die die beiden Nationen USA und Deutschland, aber auch die USA und Europa zusammen hielten, auch wenn die Antworten auf aktuelle Fragen der Politik nicht immer gleich ausfielen. Speziell mit Deutschland verbindet Amerika seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn des Kalten Krieges eine enge Freundschaft.
 
Frau Gavito erinnerte insbesondere an den Marshall-Plan als Ausgangspunkt für den wirtschaftlichen Erfolg nicht nur der Bundesrepublik. „Die Umsetzung des Marshall Plans half beim europäischen Wiederaufbau, sie legte aber auch die Grundlage für die Schaffung der NATO und für Frieden und Wohlstand in Europa“, so Gavito wörtlich und weiter: „Und sie schuf das transatlantische Band, das uns auch heute so eng miteinander verbindet. Der Marshall Plan erinnert uns an das, was möglich ist, wenn die Vereinigten Staaten und Europa zusammenarbeiten. Wie es Vizepräsident Mike Pence formulierte: 'Wir sind verbunden durch dieselben, zeitlosen Ideale - Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit. Heute, morgen und jeden Tag sind die Vereinigten Staaten Europas größter Verbündeter.“

Sicherheit und wirtschaftliche Prosperität

Sicherheit und wirtschaftliche Prosperität seien die beiden Fixpunkte der amerikanischen Außen- wie Innenpolitik. Das sei unter Trump nichts prinzipiell Neues. Und „America First“ bedeute keinesfalls ein „America only“, sondern werde eng mit den Partnern abgestimmt und solle nicht zum Nachteil anderer führen. Auch an der Bedeutung der NATO halte die amerikanische Administration fest und verlange gerade deshalb einen ausgeglichenen Beitrag aller zur Verteidigung der westlichen Werte. Die Forderung nach 2 Prozent vom BIP als Beitrag zur NATO bis 2020 sei, so Gavito, schon von der Obama-Regierung angemahnt worden. „Eine starke NATO ist notwendig - damit sie erfolgreich sein kann, müssen alle NATO-Mitglieder ausreichend vorbereitet und gerüstet sein, und zwar ohne Ausnahme“, so Gavito wörtlich.

Freier und fairer Handel

Speziell zu den Wirtschaftsbeziehungen betonte Frau Gavito, dass der freie Austausch von Waren und Dienstleistungen essentiell für Wirtschaftsunternehmen auf beiden Seiten sei, dass Trump aber zu Recht betone, dieser müsse auch fair sein. Länder hätten sich durch Währungsmanipulationen, niedrige Löhne und Protektionismus Vorteile verschafft, gegen die es anzugehen gelte. „Die Ausgestaltung fairer Handelsbeziehungen für die Vereinigten Staaten wird in einem komplexen Meinungsbildungsprozess zwischen Weißem Haus, US-Kongress, beteiligten Ministerien, Unternehmen und Verbänden sowie weiteren Interessierten und Betroffenen ausformuliert. Dabei werden natürlich auch unsere internationalen Partner einbezogen“, versicherte Gavito.

Reisen fördert das Verständnis

In allen Politikbereichen fördert eine intensive Reisediplomatie das wechselseitige Verständnis. So hat beispielsweise der Besuch von US-Arbeitsminister Alexander Acosta in München, als er sich bei BMW über das duale Ausbildungssystem in Deutschland informiert hat, die Formulierung der präsidentiellen Anordnung zur Ausweitung der Angebote beruflicher Bildung entscheidend beeinflusst“, betonte Gavito die Bedeutung des persönlichen Austauschs.

Amerikaner und Deutsche beschäftigten die gleichen Fragen

Den für sie überraschenden Wahlausgang in Deutschland verglich Frau Gavito mit dem nicht minder überraschenden Wahlausgang in den USA. Sie sprach davon, dass die amerikanische wie die deutsche Bevölkerung die gleichen Fragen beschäftigten. Die Gesellschaften seien gespalten wie nie zuvor, was auch daran liege – zumindest in den USA – dass unter den Vorgängerregierungen zu wenig diskutiert worden sei und sich weite Teile der Bevölkerung nicht einbezogen sahen. Es bleibt also viel zu tun. Frau Gavito wird sich die kommenden  neun Monate mit Herzblut dafür einsetzen, an der Intensivierung der gegenseitigen Beziehungen zu schmieden. Wohin es sie dann verschlägt, wusste sie noch nicht zu sagen, bisherige Stationen ihrer diplomatischen Karriere waren unter anderem Washington, Beirut, Dubai, Nicaragua und Frankfurt. 
Bayern mit seinem Zentrum München ist einer der bedeutendsten Finanzplätze Europas, der größte Versicherungsplatz Deutschlands, der zweitgrößte deutsche Bankenstandort und führend für Private Equity, Venture Capital, Leasing sowie Asset Management. In der Finanzplatz München Initiative haben sich alle wichtigen Unternehmen, Verbände, Institutionen sowie wissenschaftliche und staatliche Einrichtungen aus der Finanzbranche zusammengeschlossen, um mit einer Stimme zu sprechen. Gegründet 2000 unter maßgeblichem Engagement des bayerischen Wirtschaftsministeriums zählt die Initiative heute fünfzig Mitglieder und damit mehr als jede andere Finanzplatzinitiative in Deutschland.

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