Anhaltende Inflation beflügelt Gold

Imaru Casanova, VanEck
Imaru Casanova / Bild: VanEck
Gold setzte im April seine Rally fort und handelte im Verlauf des Monats bei 2.400 USD. Das Zusammentreffen verschiedener wirtschaftlicher und geopolitischer Faktoren deutet darauf hin, dass Gold seine Gewinne weiter ausbauen kann.

Gold: (Erneut) neue Allzeithochs erreicht

Die Stärke des Goldes setzte sich im April fort, wobei der Spotpreis des Metalls im Laufe des Monats immer wieder neue Höchststände erreichte. Gold wurde am 12. April im Tagesverlauf mit einem Höchststand von 2.431 USD pro Unze gehandelt und schloss am 19. April mit einem Höchststand von 2.392 USD, was mit den Monatstiefs des S&P 500 Index und des NASDAQ Composite Index zusammenfiel. Der Goldpreis gab im Zuge der Erholung der Aktienmärkte seine Gewinne wieder ab, konnte sich aber dennoch besser entwickeln und schloss am 30. April bei 2.286,25 USD, was einem Anstieg von 56,38 USD pro Unze oder 2,53 Prozent im Berichtszeitraum entspricht. Im Vergleich dazu verzeichneten der S&P 500 und der NASDAQ monatliche Verluste von mehr als 4 Prozent und der US-Dollar einen Anstieg von 1,60 Prozent Prozent (DXY Index).

Gibt momentan die Inflation den Ton an?

Die sich ändernden Erwartungen bezüglich des geldpolitischen Kurses der US-Notenbank (Fed) waren ein wichtiger Treiber für den Goldpreis im Jahr 2023. Gold fand im Allgemeinen Unterstützung, als die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Fed zunahm und umgekehrt. In diesem Jahr beginnen wir jedoch, eine Entkopplung zwischen den Erwartungen an den Kurs der Fed und dem Goldpreis zu beobachten. Die Wahrscheinlichkeit und die Anzahl der für 2024 erwarteten Zinssenkungen wurden in den ersten Monaten des Jahres deutlich reduziert, und dennoch erreicht Gold immer wieder neue Höchststände. Wir glauben, dass dies auf die erneute Sorge um die Inflation zurückzuführen ist.
 
Im April z. B. führte ein den Erwartungen entsprechender Arbeitsmarktbericht für März in Kombination mit unerwartet hohen VPI-Zahlen, die einen Anstieg der Inflation in den USA auswiesen (3,5 Prozent im März gegenüber 3,2 Prozent im Februar), dazu, dass die Stimmung der US-Verbraucher stärker als erwartet zurückging und die Inflationserwartungen stiegen. Der vorläufige Verbraucherstimmungsindex der University of Michigan4 für April ist von 79.4 im Vormonat auf 77.9 gesunken und liegt damit unter der Medianschätzung der Ökonomen von 79. Die Verbraucher schätzten, dass die Preise im Jahresvergleich mit einer Rate von 3,1 Prozent steigen werden. Dies ist ein Anstieg gegenüber den im Vormonat erwarteten 2,9 Prozent und der bisher höchste Wert in diesem Jahr. Im weiteren Verlauf des Monats lag das vorläufige annualisierte Wachstum des BIP für Q1 2024 bei 1,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal und damit deutlich unter den Erwartungen von 2,5 Prozent, während der Kernindex der privaten Konsumausgaben5 um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr stieg, während die Schätzungen bei 2,7 Prozent gelegen hatten. Anscheinend hat die Verwendung des Wortes “Stagflation” in den Schlagzeilen von Nachrichtenartikeln und Berichten im Laufe des Monats deutlich zugenommen.
 
Erwartungen eines langsameren Wirtschaftswachstums und einer höheren Inflation stützen in der Regel die Goldpreise. Ein Rückschlag an den Aktienmärkten, wie wir ihn im April hatten, und die zunehmenden geopolitischen Spannungen auf der Welt bieten weitere Unterstützung, da sich die Anleger Gold als sicheren Hafen und zur Absicherung und Diversifizierung ihres Portfolios zuwenden.

Weiterhin keine Nachfrage nach westlichen Investitionen

Dennoch scheinen westliche Investoren an den Goldmärkten heute weitgehend abwesend zu sein. Die jüngste Stärke wird von den Zentralbanken und der Nachfrage aus Asien, vor allem aus China, angeheizt. Der World Gold Council meldete, dass die mit Goldbarren unterlegten ETFs im 1. Quartal 2024 weltweit 114 Tonnen verloren haben, was einem Rückgang  der Gesamtbestände um 4 Prozent entspricht. Interessanterweise verzeichneten die börsennotierten Fonds in Asien im vierten Quartal in Folge Zuflüsse, während aus Nordamerika und Europa ETFs abflossen.
Die Investmentnachfrage, die in der Vergangenheit der Haupttreiber des Goldpreises war, ist während dieser letzten Goldrallye zurückgegangen. Wir glauben, dass die Rückkehr der westlichen Investmentnachfrage, unterstützt durch die gestiegenen Risiken für die US-Wirtschaft und eine tiefere Korrektur an den Aktienmärkten, das Potenzial hat, den Goldpreis noch höher zu treiben. Wie viel höher? Das letzte Mal, dass die Bestände der mit Goldbarren unterlegten ETFs in etwa auf dem aktuellen Niveau lagen, war Ende 2019. Ende 2020, etwa ein Jahr später, hatten diese Bestände ihren Höchststand erreicht und der Goldpreis war auf über 400 USD pro Unze gestiegen. Wenn die Bestände der ETFs also wieder ihren historischen Höchststand erreichen würden (der 2020 erreicht wurde) und man von der gleichen historischen Korrelation zwischen diesen Beständen und dem Goldpreis in diesem Zeitraum ausgeht, ist es nicht unrealistisch anzunehmen, dass Gold von den derzeitigen Niveaus aus um weitere 400 USD pro Unze steigen könnte. Auch wenn Berechnungen auf der Grundlage historischer Daten Schätzungen für die Zukunft liefern können, müssen diese Schätzungen nicht unbedingt Realität werden.
Das würde natürlich die fortgesetzte Unterstützung der derzeitigen Nachfragetreiber voraussetzen – insbesondere des öffentlichen Sektors. Die Zentralbanken haben sich in den letzten zwei Jahren als wichtiger Treiber des Goldpreises erwiesen. Sie scheinen einen längerfristigen Trend zum Goldkauf zu verfolgen. Die Nettokäufe von Gold durch die Zentralbanken in Q1 2024 (290 Tonnen) stellten den höchsten Quartalswert seit dem Jahr 2000 dar und lagen 69 Prozent über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt von 171 Tonnen, was das zunehmende Interesse der Banken an Gold trotz des starken Preisanstiegs in diesem Zeitraum zeigt. Es ist jedoch noch etwas zu früh, um zu beurteilen, wie preissensibel diese Käufe sind und ob einweiterer Anstieg des Goldpreises die Nachfrage aus diesem Sektor dämpfen könnte. Gold hat in diesem Jahr bisher eine sehr beeindruckende Rallye hingelegt. Es würde uns nicht überraschen, wenn der Goldpreis etwas zurückgehen und eine Konsolidierungsphase auf einem niedrigeren Niveau einleiten würde, das aber immer noch deutlich über der Marke von 2.000 USD liegt, bevor er sich auf die nächste Etappe seiner Rallye begibt.

Bergbauunternehmen machen Boden gut

Apropos Spitzenwerte…die Goldminenunternehmen haben in den letzten Monaten sicherlich einiges an Boden gutgemacht, aber sie sind immer noch weit von ihren Allzeithochs entfernt. Nach einem sehr starken März entwickelten sich der NYSE Arca Gold Miners Index (GDMNTR) und der MVIS Global Juniors Gold Miners Index (MVGDXJTR) im April mit einem Plus von 6,11Prozent bzw. 6,28 Prozent weiterhin deutlich besser als Gold. GDMNTR schloss am 30. April bei 1164,30, verglichen mit seinem Höchststand von 1971,01 im September 2011, als Gold bei etwa 1.800 USD pro Unze gehandelt wurde. Dies deutet darauf hin, dass Goldaktien noch viel Spielraum haben, da sie ihre Rolle als gehebelte Anlage in Bezug auf den Goldpreis zurückgewinnen können. Unsere Erwartung einer Neubewertung des Sektors wird nicht nur durch die anhaltende Stärke des Goldpreises gestützt, sondern ist auch in den allgemein soliden Fundamentaldaten der Unternehmen verankert. Wir sind ermutigt durch die Finanz- und Betriebsergebnisse, die von den Goldunternehmen für das 1. Quartal 2024 gemeldet wurden und die bisher weitgehend mit den Erwartungen für die Gruppe übereinstimmen.
Imaru Casanova ist stellvertretender Portfoliomanager bei dem Vermögensverwalter und ETF-Anbeiter VanEck
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