Hohe Bewertungen allein machen noch keine Blase

Alexander Pirpamer, BlackPoint AM
Alexander Pirpamer / Bild: BlackPoint AM
Teuer heißt am Aktienmarkt nicht gleich überbewertet. Starke Fundamentaldaten können durchaus einen erhöhten Preis rechtfertigen – wie sich bei den „Magnificent 7“ um Nvidia, Microsoft und Co. zeigt.
Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Zeit, in der Nvidia mit seinen Grafikchips vorrangig die Gaming-Szene begeisterte? Lange ist es her: Heute hat das Unternehmen auch an der Börse zahlreiche Fans. Für viele Investoren gilt Nvidia als Vorreiter der zukünftigen Dominanz künstlicher Intelligenz. Sie sehen ein überaus attraktives Geschäftsmodell und die Chance auf ein rasantes Wachstum. Andere Marktbeobachter haben hingegen ihre Zweifel: Sie halten den Chiphersteller aus dem kalifornischen Santa Clara für massiv überbewertet und ziehen Parallelen zur Dotcom-Blase der frühen 2000er-Jahre.
 
Aus unserer Sicht ist es wenig hilfreich, sich lediglich auf eine der beiden Seiten zu schlagen. Vielmehr gilt es, die richtigen Fragen zu stellen und aus den Antworten die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Sieben Unternehmen treiben gesamten Aktienmarkt

Die herausragende Rolle moderner Technologien für Wirtschaft und Alltag wird durch eine kleine Gruppe US-amerikanischer Unternehmen veranschaulicht – bekannt als die „Magnificent 7“. Von diesen sieben Unternehmen stammen lediglich drei – Apple, Microsoft und Nvidia – aus dem Technologiesektor. Alphabet (Google) und Meta (Facebook) sind dem Kommunikationssektor zuzuordnen, Amazon der Konsumgüter- und Tesla der Industriebranche.
 
Eine Analyse der Wertentwicklung unterstreicht ihre zentrale Bedeutung für den US-amerikanischen Aktienmarkt (siehe Grafik). Der mit dem S&P 500 vergleichbare Bloomberg-Aktienindex BB USA legte in den vergangenen fünf Jahren um solide 126 Prozent zu. Ein erheblicher Anteil an dieser Entwicklung ist allerdings den „Magnificent 7“ zuzuschreiben –nämlich exorbitante 586 Prozent Gewinn. Ohne diese Gruppe würde die Performance des US-Aktienmarktes auf 90 Prozent sinken und damit hinter dem Euro Stoxx 50 zurückbleiben, der im gleichen Zeitraum immerhin 95 Prozent erreichte.

Ein US-amerikanisches Zeitalter

Es gibt verschiedene Gründe, warum so viele erfolgreiche Unternehmen der vergangenen Jahre ihren Ursprung in den USA haben. Dazu gehören neben ökonomischen auch soziokulturelle und geopolitische Faktoren. Die Dominanz des nordamerikanischen Aktienmarktes (USA und Kanada) hat seit der Finanzkrise deutlich zugenommen. Der Anteil am globalen Markt ist von ehemals etwa 50 Prozent auf nunmehr rund 70 Prozent gestiegen.
 
Seit der weltweiten Finanzkrise verzeichnete der US-Markt im internationalen Vergleich ein außerordentliches Gewinnwachstum. Im selben Zeitraum entwickelte sich der „Growth“-Faktor kontinuierlich besser als der „Value“-Faktor, wachstumsorientierte Unternehmen zeigten also tendenziell eine bessere Performance als werthaltige Unternehmen mit stabilen Gewinnen. Über lange Zeiträume sinkende Zinssätze begünstigten diese Entwicklung und erhöhten die relative Bewertung langfristiger Investitionen. Diese Entwicklung kehrte sich Anfang 2022 kurzzeitig um, setzt sich aber nun wieder fort.
 
Während dieser Zeit profitierte Nordamerika von seinen einzigartigen Strukturen. Die Kooperation des Silicon Valley mit Universitäten wie der Stanford University ist mittlerweile legendär. Venture-Capital-Fonds und Private-Equity-Fonds stellen privates Risikokapital bereit, während die Regierung durch Maßnahmen wie den Inflation Reduction Act Anreize für ausländische Unternehmen schafft, sich in den USA anzusiedeln, oder durch Importzölle inländische Firmen schützt.
 
Die Größe und Stärke der US-Wirtschaft manifestiert sich auch in ihrer Fähigkeit, internationale Investitionen anzuziehen. Der Trend, dass im Ausland ansässige Unternehmen an US-Börsen gelistet werden, verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Aktives Management gegen zu hohe Konzentration

Der Erfolg US-amerikanischer Unternehmen führt in den Aktienindizes unweigerlich zu einer stärkeren Konzentration und Überrepräsentanz auf globaler Ebene. Das allein ist noch keine signifikante Gefahr für die Stabilität des Finanzmarktes. Dennoch sollte die abnehmende Diversifikation Anlass zum Nachdenken bieten, insbesondere für passive Investoren.
 
Obwohl eine ausgeprägte Marktkonzentration häufig als Indikator für eine Blasenbildung gewertet wird, erscheint ein Vergleich mit der Dotcom-Blase des Jahres 2000 derzeit nicht angemessen. Die Bewertungen der führenden Unternehmen sind ambitioniert, liegen jedoch deutlich unter den Niveaus der 2000er Jahre. Ein entscheidendes Argument ist die hohe Profitabilität der derzeitigen Favoriten am Aktienmarkt. Solange die Fundamentaldaten eine hohe Bewertung unterstützen, werden wir bei BlackPoint Asset Management weiterhin in ausgewählte Eliteunternehmen investieren.
 
Als aktive Manager legen wir stets Wert auf den Preis, den wir für ein Unternehmen zu zahlen bereit sind. Ferner erwarten wir, dass in den kommenden Monaten und Jahren insbesondere Unternehmen profitieren werden, die künstliche Intelligenz nutzen, anstatt sie bereitzustellen. Diese Unternehmen könnten ihren Sitz außerhalb der USA haben und beispielsweise aus dem Gesundheitssektor oder dem Bereich der Basiskonsumgüter stammen. Solche Überlegungen unterstützen unser Bestreben nach Diversifikation und erfordern ein aktives Portfoliomanagement, das weit über die Einfachheit passiver Anlagestrategien hinausgeht.
Alexander Pirpamer ist Geschäftsführer Portfoliomanagement bei BlackPoint Asset Management.

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