Aktives Management schließt Einsatz von ETFs nicht aus

Martin Gautsch, Zürcher Kantonalbank Österreich AG
Martin Gautsch / Bild: Zürcher Kantonalbank Österreich AG
ETFs haben sich in den vergangenen Jahren als wichtige Anlageform etabliert. Doch hat dieser Trend auch Einzug in die Strategien von Privatbanken gehalten? Wir erklären, wieso der Anteil an ETFs in der Vermögensverwaltung gewachsen ist, welche Rolle ETFs in den Kundenportfolios spielen und wie sich aktive und passive Fonds in ihrem Charakter annähern.
Der Trend zu ETFs, die einen konkreten Aktien- oder Anleihenindex nachbilden, ist ungebrochen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Erstens sind ETFs meist günstiger als andere Fonds, da keine aktiven Entscheidungen getroffen werden. Zweitens ist man mit ETFs in der Regel besser diversifiziert. Während beispielsweise aktive Fonds in den USA oft nur rund 40 Aktientitel im Portfolio haben und hoch konzentriert sind, enthält ein ETF, der den S&P500 physisch – sprich bis in das kleinste Detail – abbildet, tatsächlich alle 500 Aktientitel. Drittens bieten ETFs den Vorteil einer hohen Liquidität. Im Gegensatz zu aktiven Fonds kann man in Echtzeit kaufen und verkaufen, also schnell ein- und aussteigen.

Anteil der ETFs auf ein Drittel gestiegen

In der Vermögensverwaltung greifen wir zu rund zwei Dritteln auf aktive Strategien zurück. Hier werden wir auch in Zukunft den Schwerpunkt setzen. Wir wollen selbst Kapitän sein und nicht nur Passagier. Unser Ziel ist es, für unsere Kundinnen und Kunden eine Outperformance zu erzielen und nicht nur so gut wie der Markt zu sein. Dennoch sind ETFs für uns eine gute Ergänzung zur aktiven Komponente. Ihr Anteil hat sich in den letzten fünf Jahren von etwa einem Fünftel auf ein Drittel erhöht. Wir beobachten die Entwicklung und prüfen laufend, wie ETFs im Vergleich zu aktiven Fonds abschneiden. Wir setzen ETFs beinahe zu gleichen Teilen im Aktien- und Anleihebereich ein – mit leichten Vorteilen für Letztere. Wir verwenden nur ETFs, die eine bestimmte Region abbilden. Die genaue geografische Auswahl nehmen wir selbst vor, um im Rahmen der Auswahl der passiven Fonds aktive Entscheidungen treffen zu können.
 
In der Vermögensverwaltung steht einerseits der Kostenvorteil von ETFs im Vordergrund. Da ein ETF im Gegensatz zu aktiven Fonds den Markt nicht schlagen, also keine Outperformance erzielen kann, ist ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis besonders wichtig. Andererseits sehen wir in ETFs auch einen Liquiditätspolster und ein Basisinvestment. Wenn ich schnell Liquidität aufbauen will oder Geld benötigte, kann ich auch rasch über die Börse zu aktuellen Kursen verkaufen. Das zahlt sich aus, wenn zum Beispiel aufgrund einer Entscheidung oder Entwicklung der Markt plötzlich und sehr schnell stark korrigiert. Bei aktiven Fonds muss man bis zur Kursbildung mit ein, zwei Tagen Verzögerung rechnen – das kann einen großen Unterschied machen. ETFs unterstützen bei der Diversifikation und helfen, Kosten zu reduzieren. Sie vereinen das Beste aus beiden Welten. Aber: Man muss sich bei der Auswahl gründlich überlegen, wie der zugrunde liegende Index des ETF zusammengesetzt ist und ihn laufend beobachten. Wir empfehlen, wie generell in Anlagefragen, einen langfristigen Horizont.

Die größten Herausforderungen bei ETFs

Für Anlegerinnen und Anleger, die ihre Investmententscheidung nach einer Beratung selbst treffen, sind ETFs sehr interessant, weil sie Gebühren sparen können. Die reine Passivität birgt aber auch Risiken: Die Herausforderungen bei ETFs sind, dass man immer genau darauf achten muss, welcher Index dahintersteht und wie genau der ETF den Index tatsächlich abbildet. Eine ständige Beobachtung, wie sie Finanzprofis bieten, ist also notwendig.
 
Die Frage ist immer, welcher Index abgebildet wird – dann fallen Lizenzkosten an, die beispielsweise an Indexanbieter wie MSCI oder Standard & Poors zu zahlen sind – oder werden vom ETF-Anbieter individuell erstellte Indizes verwendet. Dann fallen zwar keine Lizenzkosten an, es werden aber möglicherweise nicht alle Titel abgebildet, was den Tracking Error, also die Abweichung vom ursprünglichen Index, erhöhen kann. Bei kleineren ETFs kann es zudem vorkommen, dass sie durch den Börsenhandel zu wenig liquide sind und der Spread zwischen An- und Verkaufspreis hoch ist, was den Kostenvorteil schmälert.
 
ETFs helfen bei der Diversifikation, es gibt jedoch einige Fallstricke. Beispielsweise kann es zu Sektorenverschiebungen kommen. Manche Indizes haben dadurch einen deutlichen Branchenschwerpunkt, was zulasten der Diversifikation geht. Im S&P500 machen beispielsweise einige wenige große Titel wie Facebook (Meta), Amazon, Apple, Microsoft oder Google (Alphabet) allein rund ein Drittel des Index aus. Das muss man sich bewusst machen.

Kurioser Trend: Aktive und passive Welten nähern sich an

Generell ist zu beobachten, dass sich die aktive und die passive Welt annähern. Einige aktive Fonds werden günstiger, um mit ETFs konkurrieren zu können. Gleichzeitig gibt es bei den ETFs Ansätze, eine aktive Komponente in die Strategie einzubauen, um der Passivität entgegenzuwirken. Meist, indem Research betrieben wird und die Ergebnisse in die Indexzusammenstellung regelmäßig einfließen. Die beiden Ansätze passen sich zwar an, werden aber nicht vollständig miteinander verschmelzen, so unser Fazit.
Martin Gautsch ist Bereichsleiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG
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Vorsitzende des Aufsichtsrates: Florence Schnydrig Moser.
Weitere Mitglieder des Aufsichtsrates: Tenzing Lamdark (Stellvertreter der Vorsitzenden), Alina Czerny, Matthias Stöckli, Stephanie Horner (Arbeitnehmervertreterin), Karim Ratheiser (Arbeitnehmervertreter)
Direkte Gesellschafterin: Zürcher Kantonalbank (100 %), selbständige Anstalt des Kantons Zürich.

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