Momentum-Strategie: In unsicheren Zeiten ist Flexibilität gefragt

Leo Willert, ARTS Asset Management
Leo Willert / Bild: ARTS Asset Management
Das turbulente Jahr 2022 ist zwar noch nicht zu Ende, aber es könnte wohl als jenes Börsenjahr in die Geschichte eingehen, das die goldenen Zeiten an den Aktienmärkten der vergangenen Jahre beendete. Der Ukraine-Krieg, die Energiekrise, die hohe Inflation und die steigenden Leitzinsen haben sich als toxischer Cocktail für die Börsen erwiesen. Der MSCI World-Index (USD) hat seit Jahresbeginn 21,44 Prozent an Wert eingebüßt (Stand 01.11.22), der Eurostoxx50 (EUR) im gleichen Zeitraum 15,80 Prozent und der US-amerikanische S&P500-Index (USD) liegt mit -19,16 Prozent ebenso tief in der Verlustzone. Bis auf kleinere zwischenzeitliche Erholungsphasen, ist aktuell auch kein wirkliches Ende des negativen Trends zu erkennen. Nur eins ist sicher: politische und wirtschaftliche Krisen treten in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf und hinterlassen ihre Spuren an den Märkten.
 
Die gegenwärtige Marktbaisse ist jedoch auch dadurch gekennzeichnet, dass nicht nur Aktien erhebliche Verluste erlitten haben, sondern auch andere Anlageklassen wie Anleihen oder Kryptowerte, die sich eigentlich unkorreliert zu Aktien entwickeln sollten. Mischfonds, die neben Aktien auch in festverzinsliche Wertpapiere investieren und statische Assetklassen-Verteilungen aufweisen oder aufgrund ihrer Benchmark-Nähe auch kein Ausweichen auf lukrativere Branchen oder Titel ermöglichen, mussten dementsprechend ebenso Verluste hinnehmen. Die oftmals gepriesene Buy and Hold-Strategie ist daher im aktuellen Marktumfeld nicht mehr ausreichend. Die momentan volatile Entwicklung, die von vielen Variablen beeinflusst wird, erfordert eben einen flexiblen und aktiven Anlageansatz, der sich der jeweiligen Marktphase anpassen kann.

Momentum-Strategie: The Winner Takes it All

Flexibilität bei der Anlage kann durch einen aktiv gemanagten Trendfolgeansatz erreicht werden. Dabei wird gemäß einer Momentumstrategie in diejenigen Aktienwerte investiert, die die stabilsten Kursentwicklungen aufweisen. Denn gemäß des wissenschaftlich vielfach untersuchten und mittlerweile belegten Momentumeffekts setzen gerade diese Aktientitel bzw. Fonds mit einer statistisch höheren Wahrscheinlichkeit ihren positiven Trend kurz- bis mittelfristig, das heißt in einem Zeitfenster von drei bis zwölf Monaten, weiter fort. Schwächt sich das Momentum wieder ab, wird der Ausstieg aus dem Investment vollzogen. Diese quantitative Anlageregel kann mittels Algorithmen automatisiert umgesetzt werden. Ein technisches Handelssystem analysiert im ersten Schritt rund um die Uhr einen Datenpool an Millionen von Kursdaten, um die aktuellen „Gewinner-Fonds“ oder „Gewinner-Aktien“ zu identifizieren. Dadurch kann ein rotierendes Anlageportfolio mit den temporär stärksten Branchen und Ländern realisiert werden, das einerseits eine hohe Diversifikation und andererseits eine hohe Unabhängigkeit, sprich Unkorreliertheit zu gängigen Benchmarks aufweist. Dabei kennt das technische Handelssystem keine Vorlieben oder Abneigungen gegenüber bestimmten Anlagethemen. Auch exotische Länder und Nischenbranchen sind kein Tabu. Marktprognosen spielen genauso wenig eine Rolle. Der prognosefreie Trendfolgeansatz ist nur ein Spiegel der Markterwartungen der vergangenen Wochen, ohne den Anspruch zu erheben, die Zukunft langfristig vorhersagen zu können.

Aktives Handeln, aber ohne Emotionen

Aufgrund des Wegschaltens der Analyse von mikro- oder makroökonomischen Daten sowie die daraus folgenden emotionalen Anlageentscheidungen der jeweiligen Fondsmanager, mögen ein technisches Handelssystem und die Ausführung von Trading-Entscheidungen durch Algorithmen auf den ersten Blick wie eine passive Strategie wirken. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Denn die größte Gefahr im Wertpapierhandel ist, sich seinen Gefühlen hinzugeben. Ein regelbasierter Handelsansatz schließt sämtliche Emotionen beim Veranlagen aus und stellt sicher, dass mit „kühlem Kopf“ systematisch investiert wird. Nach dem Motto: „Setze dir Regeln, aber greife bloß nicht ein“, werden Anlageregeln konsequent befolgt.
 
Ganz ohne den Menschen kommt der Computer aber doch nicht aus. Der menschliche Fondsmanager ist praktisch „der Ingenieur“ des quantitativen Handelssystems. Er ist dafür verantwortlich, die Algorithmen zu programmieren, ständig weiterzuentwickeln und zu überwachen. Der Fondsmanager ist quasi für die Qualitätskontrolle zuständig.

Strategische Absicherung des Portfolios

Um mögliche Verluste zu begrenzen, ist neben dem regelbasierten Investieren vor allem eine geeignete und strategische Absicherung des Portfolios von höchster Wichtigkeit. Hier erweisen sich Stop-Loss-Orders und eine flexible Aktienquote als ideale Werkzeuge. Drehen die Aktienmärkte allgemein ins Minus, kann die Aktienquote reduziert und im Falle eines drohenden Marktcrashs sogar auf null Prozent heruntergefahren werden. So hat das ARTS-Handelssystem beispielsweise zu Beginn des Jahres 2022 die Aktienquote drastisch reduziert, als die Aktienmärkte begannen zu fallen. Während der Sommermonate wurde die Aktienquote infolge der kurzen Markterholungsphase wieder erhöht, bis die Märkte abermals ins Negative drehten. In den vergangenen Oktoberwochen lag die Aktienquote bei fast null Prozent. Aktuell wurde sie wieder leicht erhöht und liegt bei rd. 11 Prozent.
Flexibilität und Absicherung als wichtigste Anlageprioritäten führen zu einem Portfolio, das sich oftmals stabiler durch die Krise entwickelt. So weist beispielsweise der Mischfonds C-QUADRAT ARTS Total Return Global, der eine variable Aktienquote von 0 Prozent bis zu 100 Prozent halten darf, eine Entwicklung von -9,24 Prozent year-to-date auf. Für all jene, denen 100 Prozent Aktien zu riskant erscheinen, können auch Investmentfondslösungen mit geringeren oder gar keinen Aktienwerten interessant sein. So beispielsweise der reine Rentenfonds C-QUADRAT ARTS Total Return Bond, der bei einer Wertentwicklung von -4,60 Prozent liegt. Anleger sollten sich also bewusst machen, wie viel Risiko sie eingehen wollen und wie viel Verlust sie in einem Bärenmarkt (noch) ertragen können.
Leo Willert ist Gründer und Head of Trading bei ARTS Asset Management

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

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