Aus Sicht eines ESG Investors - MSCI schmeißt russische Aktien aus allen Indizes raus

Gabriela Herculano, HANetf
Gabriela Herculano/ Bild: HANetf
Wie sind die aktuellen Ereignisse in der Ukraine aus Sicht eines ESG-Investors einzuschätzen? Wir  begrüßen den Ausschluss russischer Aktien aus den MSCI-Schwellenländer-Indizes.
Die russische Invasion in der Ukraine bringt enorme Unsicherheit in einen Markt, der bereits Schwierigkeiten hatte, die steigende Inflation und Zinserhöhungen in den USA einzupreisen. Anleger fokussieren sich nun auf die Folgen der Invasion und die verhängten Sanktionen sowie deren Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die EZB erwartet etwa einen möglichen Rückgang des BIP der EU um rund 0,7 Prozent pro Jahr.

Wie kommt Gazprom in einen ESG-Index?

Ich begrüße in diesem Zusammenhang die Entscheidung von MSCI, russische Aktien aus seinen Indizes zu streichen. Anleger in Indizes mit ESG-Screening gehen vielleicht davon aus, hiervon nicht betroffen zu sein. Schließlich können Russlands energieintensive Unternehmen kaum in einem ESG-Index vertreten sein - diese Annahme ist jedoch falsch. Es wird viele überraschen, dass der MSCI Emerging Markets ESG Leaders Index Ende Januar 2022 eine Gewichtung von 1,2 Prozent für den russischen Ölriesen Gazprom aufwies und damit zu den Top-10-Werten gehörte. Viele werden sich nun verwundert fragen, wie die ESG-Methodik von MSCI Gazprom in einem ESG-Index zu einer der größten Positionen werden ließ. Noch schockierender ist jedoch, dass Gazprom im MSCI Emerging Markets ESG Leaders Index tatsächlich übergewichtet war. Aus dem Factsheet des Index geht hervor, dass Gazprom 1,2 Prozent des MSCI Emerging Markets ESG Leaders Index und nur  0,66 Prozent des "Mutterindex", dem MSCI Emerging Markets Index, ausmachte.

Wie die Energiekrise kurzfristig bewältigen?

Auf der anderen Seite verschärft der Konflikt natürlich die Energiekrise in der EU, auch weil Nord-Stream-2 vorerst auf Eis gelegt ist. Was kann dem also kurzfristig entgegengesetzt werden? Die einzige Lösung ist eine Steigerung der Energieeffizienz bei gleichzeitiger Reduzierung des Verbrauchs, wann immer dies möglich ist. Beispiele für Unternehmen, die uns dabei helfen können, sind Ameresco (AMRC) mit mehr als 20 Jahren Erfahrung bei Energieeffizienzlösungen in Großbritannien und Nordamerika. Acuity Brands ein führender Anbieter von Beleuchtungs- und LED-Lösungen, wird aktuell zum 1,8-fachen Kurs-Umsatz-Verhältnis gehandelt. Und natürlich Unternehmen im Bereich der intelligenten Thermostate wie Resideo Technologies, das zu einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,65 gehandelt wird.

Unsere kurz- bis mittelfristigen Erwartungen

  • Die "Fossinflation" wird anhalten, was aber die Wettbewerbsfähigkeit sauberer Energie- und Dekarbonisierungslösungen nur noch überzeugender werden lässt.
  • Der Krieg in der Ukraine wird das globale BIP erschüttern und die Weltwirtschaft verlangsamen. Die US-Notenbank und die EZB werden daher ihre restriktive Haltung nicht mehr lange beibehalten können. Dies sollte die negative Stimmung der letzten Wochen gegenüber grünen Wachstumswerten verringern.
  • Beschleunigung der langfristigen Energiewende. Die neue deutsche Regierung hat angekündigt, dass jährlich 10 GW neue Windkraftanlagen gebaut werden sollen und das Ziel eines zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien beruhenden Versorgungsnetzes um fünf Jahre auf 2035 vorzuziehen.
  • Außerdem sehen wir eine Beschleunigung bei zwei kurzfristigen Lösungen für die derzeitige Energiekrise:
    1.    Eine effizientere Energienutzung und
    2.    Umstellung der Endverbraucher auf Eigenproduktion.

Sogenannte "Behind-the-meter"-Lösungen wie Solarzellen und Batterien dürften daher verstärkt nachgefragt werden.

Gabriela Herculano ist Mitbegründerin des iClima Global Decarbonisation Enablers UCITS ETF (CLMA) bei HANetf.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

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