Jahresendrally? Markteinschätzung und Ausblick

Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
Viele Marktbeobachter - auch wir - rechnen mit einer Jahresendrally. Wenn aber jeder so denkt, wird diese überhaupt kommen? Vergangene Woche taten sich zumindest die europäischen Börsen schwer. Sorgen um eine Wachstumsverlangsamung in China belasteten und werden gemeinsam mit dem andauernden Handelskonflikt auch die nächsten Wochen dafür sorgen, dass der Aktienmarkt eher holprig nach oben läuft. Positiv für die weitere Entwicklung ist jedoch die vorsichtige Positionierung der Anleger: Das Aktienbeta der Multi-Asset-Fonds ist vergleichsweise niedrig, während die Hedge-Fonds-Positionierung ebenfalls nur moderat ausfällt. Zudem sank zuletzt die Volatilität, das 1-Monats-Momentum sollte für viele Aktienindizes diese Woche wieder ins Positive drehen. Folglich dürften viele systematische Strategien wieder Aktienpositionen aufbauen. Die höheren Volumina an Aktienrückkaufprogrammen nach dem Ende der Q3-Berichtsaison in den USA sollten auch unterstützend wirken. Wir bleiben zuversichtlich, auch dank guter Unternehmensergebnisse.
 

Markteinschätzung und Ausblick

Auch nach den US-Wahlen sind die politischen Risiken zahlreich: Bis 13.11. muss die italienische Regierung auf die Bedenken der EU gegen das Budget für 2019 reagieren. Bei einem EU-Sondergipfel (voraussichtlich am 23./24.11.) werden die EU-Staaten über den Brexit beraten. Bislang gibt es noch keinen Durchbruch bei den Verhandlungen. Gleiches gilt für den Handelsstreit zwischen den USA und China. Immerhin möchten beide Seiten am Rande des G20-Gipfels Ende November wieder Gespräche aufnehmen, bevor die US-Zölle zum Jahreswechsel steigen werden. Bei einem Abebben dieser Risiken erscheint angesichts der Saisonalität, der Bewertungen, der Anlegerpositionierung eine Jahresendrally wahrscheinlich. Neben der Unternehmensberichtssaison stehen dieser Woche in den USA Zahlen zur Inflation, den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion im Fokus. In Europa blicken die Anleger auf die Verbraucherpreise, die BIP-Schätzung für das dritte Quartal und die ZEW-Konjunkturerwartungen in Deutschland.
  • Die weltweiten M&A-Aktivitäten haben den stärksten Jahresauftakt seit 1990 erlebt. Das Volumen der globalen M&A-Transaktionen belief sich bisher auf 1,5 Billionen Dollar und übertraf damit den Höchststand vor der globalen Finanzkrise von 1,4 Billionen Dollar im Jahr 2007.
  • Die USA erreichten ein Rekordniveau und waren der größte Treiber des starken Anstiegs. Auch in Europa ist eine deutliche Belebung zu verzeichnen, und  die Volumina in der Region liegen auf dem höchsten Niveau seit 2007.

Globales M&A-Volumen in den ersten vier Monaten eine Kalenderjahres (in Billionen USD); Quelle: Thomson Reuters, Zeitraum: 01.01.1990 – 30.04.2018

 
  • Alle Aktienregionen bis auf Osteuropa (Russland belastete) legten in den letzten vier Wochen zu, dank robusten Konjunkturdaten und einem Abflauen der Handelssorgen. Speziell US-Aktien entwickelten sich in Euro gerechnet positiv, nach starken Unternehmensberichten.
  • Eurozonen-Aktien setzten ihre Erholungsrallye fort und gehören nun zu den größten Gewinnern seit Jahresanfang. Ein fallender Euro half dabei.

Gesamtrendite (inklusive reinvestierter Dividenden) für ausgewählte Aktienindizes, in Euro und in Prozent, sortiert nach 4-Wochen-Performance. Quelle: Bloomberg, Zeitraum: 03.05.2013 - 04.05.2018

 
Dr. Bernd Meyer ist Chefanlagestratege bei Berenberg.