Hauptsache aufgeschoben

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
In der vergangenen Woche haben die deutschen Aktienmärkte ihre jüngste Schwächephase wieder überwunden und merklich zugelegt. Dabei wirkten sich neue Hoffnungen auf eine Lösung im US-chinesischen Handelsstreit ebenso positiv aus wie einige besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten. Auftrieb gab auch die Ankündigung Chinas, den Mehrwertsteuersatz senken zu wollen – dies dürfte nach Einschätzung von Analysten den chinesischen Binnenkonsum ankurbeln. In Sachen Brexit wussten die Anleger nach Ansicht von Marktteilnehmern zwar zu Ende der vergangenen Woche auch weiterhin nicht, wie der Austritt ablaufen wird, nach einem Abstimmungsmarathon im britischen Parlament setzten die meisten weiter auf eine Verschiebung des Austrittstermins. Zu Ende der Handelswoche trieben dann noch der große Verfallstermin, der sogenannten Hexensabbat, beziehungsweise die Anstrengungen, die Investoren in diesem Zusammenhang unternahmen, die Kurse an den deutschen Aktienbörsen.

Briefporto kurbelt Deutsche Post Aktie an

Der Deutsche Aktienindex (Dax) gewann im Wochenvergleich 2,0 Prozent auf 11.685,69 Punkte. Einen überdurchschnittlichen Anstieg verzeichnete der Indexwert Deutsche Post. Die Aktie des Post- und Logistikkonzerns profitierte unter anderem von der Aussicht auf eine deutliche Erhöhung des Briefportos. Bei Wirecard ging es dagegen einmal mehr abwärts, hier belasteten Berichte über neue Ermittlungen gegen das Unternehmen beziehungsweise eine Suspendierung eines für Asien zuständigen Account-Managers. Der MDax kletterte im Wochenvergleich um 3,5 Prozent auf 25.150,78 Zähler. Beim TecDax ging es um 1,5 Prozent nach oben auf 2.666,96 Punkte. Der HAFIX-Deutschland gewann 3,1 Prozent auf 3.760,29 Zähler, der HAFIX-Europa legte um 2,0 Prozent auf 2.806,16 Punkte zu.

USA im Aufwind

In den USA verbesserte sich der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich um 1,6 Prozent auf 25.848,87 Punkte. Der marktbreitere S&P-500-Index stieg sogar um 2,9 Prozent auf 2.822,48 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index sprang um 4,2 Prozent auf 7.306,99 Punkte.

Der Brexit-Termin kommt näher

Auch wenn in der vergangenen Woche die optimistisch gesinnten Anleger deutlich die Oberhand hatten, geben sich etliche Experten zurückhaltend, was die aktuelle Woche an den deutschen Aktienbörsen betrifft. Denn die Risiken seien unverändert vorhanden, heißt es zur Begründung. So ist eines der aktuell wichtigsten Themen, der Brexit, unverändert virulent. Hierzu könnte es in diesen Tagen allerdings etwas mehr Klarheit in die eine oder andere Richtung geben. Das britische Parlament stimmt erneut über Anträge ab, der ursprüngliche Austrittstermin nähert sich. Das Gros der Marktteilnehmer geht von einer Verschiebung dieses Termins aus, ob dies so kommt und wenn ja, wie lange verschoben wird, ist aktuell unklar. Bereits jetzt gibt es aber einige Beobachter, die die Wahrscheinlichkeit eines harten Austritts ohne Abkommen steigen sehen.

Aufschieben ist das Thema Nummer 1

Hinsichtlich des Handelsstreits zwischen den USA und China stehen keine neuen Ereignisse auf der offiziellen Agenda, den jüngsten Äußerungen nach ist erst im April mit einer eventuellen Lösung zu rechnen. Allerdings könnte es hier jederzeit zu Überraschungen kommen. Auf solche setzen dürften die Anleger aber nicht, sondern sich eher den zu veröffentlichenden Wirtschaftszahlen zuwenden. Von dieser Seite her stehen aus Deutschland und der Eurozone unter anderem die Einkaufsmanagerindizes, die ZEW-Konjunkturerwartungen sowie die Handelsbilanz im Fokus. Aus den USA kommt unter anderem der Philadelphia Fed Index. Der Aufmerksamkeit der Märkte gewiss kann sich auch die Ratssitzung der US-Notenbank Fed sein. Hierbei wird keine Änderung des Leitzinses erwartet, Marktteilnehmer gehen vielmehr davon aus, dass die Fed eine Verlangsamung des Zinsanstieges andeuten wird. So rechnen viele mit nur noch mit ein bis zwei statt der zuletzt drei angenommenen Zinsanhebungen bis nächstes Jahr.

Anleihen: Deutsche Papiere gaben nach

Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche leicht nachgegeben. Zeitweise stützten zwar Sorgen um die weitere wirtschaftliche Entwicklung sowie hinsichtlich der politischen Risikothemen – US-chinesischer Handelsstreit, Brexit – die Kurse. Auf der anderen Seiten ließen einige oberhalb der Erwartungen ausgefallenen Konjunkturdaten die Anleger risikofreudiger werden, was die Aktienkurse beflügelte, die Anleihenotierungen allerdings in Mitleidenschaft zog. Letztlich stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe auf Wochensicht leicht von 0,07 auf 0,08 Prozent. Die Umlaufrendite rückte von -0,03 auf 0,00 Prozent vor.

Anleihen: Was macht die Fed?

Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, dürfte das wichtigste Thema an den deutschen Anleihemärkten in der aktuellen Woche die Ratssitzung der US-Notenbank Fed sein. Dabei gehen die meisten Beobachter davon aus, dass diese eine langsamere Gangart bei der Zinsanpassung andeuten wird, konkret rechnen viele mit nur noch ein bis zwei statt der bislang in Aussicht gestellten drei Zinsschritte bis 2020. Sollten wirklich entsprechende Signale von der Fed kommen, so könnte sich dies auch bei den Kursen der deutschen Anleihen bemerkbar machen. Daneben könnten diese von den anstehenden Konjunkturdaten beeinflusst werden, hier dürften die Anleger besonders auf die Einkaufsmanagerindizes und Inflationsdaten achten. Auf die Stimmung an den Märkten dürften daneben auch die weiteren Ereignisse in Bezug auf den Brexit wirken.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 18.03.: Handelsbilanz der Eurozone; Immobilienmarktindex der National Association of Home Builders (USA)
Dienstag, 19.03.:
ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland); Lohnkosten in der Eurozone; Hausbaubeginne und -genehmigungen in den USA 
Mittwoch, 20.03.:
Erzeugerpreise in Deutschland; Ergebnis der Ratssitzung der US-Notenbank 
Donnerstag, 21.03.:
Ergebnis der Ratssitzung der Bank of England; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); Philadelphia Fed Herstellungsindex (USA); Leistungsbilanz der USA
Freitag, 22.03.:
Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Leistungsbilanz der Eurozone; Markit PMI Gesamtindex (USA); Verkäufe bestehender Häuser in den USA; Großhandelsinventare in den USA

 

 

 

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Deutsche Post 28,88 0,8556 %
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Populäre Aktien

DB TecDAX 2.766,50 1,24021 %
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Populäre Aktien

Wirecard I 142,90 1,63585 %
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Populäre Aktien

DB MDAX 25.347,00 1,44136 %
DB DAX 11.787,50 1,17001 %
HAFIX-Deutschland 3.398,01 1,66742 %
HAFIX-Europa 2.862,65 1,34961 %
DB Dow Jones 26.106,00 0,52368 %
DB S&P 500 2.918,25 0,55996 %