Gedämpfte Kauflaune

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Die deutschen Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche etwas von den Verlusten der Vorwoche erholt und überwiegend zugelegt. Allerdings war dies vor allem der Aufwärtsbewegung in der ersten Wochenhälfte zu verdanken. Die Impulse hierfür kamen in erster Linie von guten Vorgaben der US-Börsen, die von positiv aufgenommenen Unternehmenszahlen profitierten. Im weiteren Wochenverlauf drückten dann aber Unternehmensnachrichten aus Deutschland die Stimmung. So senkten Fresenius und Fresenius Medical Care ihre Jahresziele, die Zahlen von SAP wurden mit Enttäuschung aufgenommen und HeidelbergCement sowie Daimler gaben Gewinnwarnungen heraus. Teils drastische Kursverluste bei den jeweiligen Werte, die auch den Deutsche Aktienindex (Dax) belasteten, waren die Folge. Zudem dämpften die stockenden Verhandlungen über den Brexit, die Debatte über den italienischen Staatshaushalt sowie als schwach eingestufte Wirtschaftsdaten aus China die Kauflaune der Anleger.

Dax rutscht auf tiefsten Stand seit Februar 2017

Der Dax ging am Freitag bei 11.553,83 Punkten aus dem Handel, was auf Wochensicht ein Plus von 0,3 Prozent bedeutete. Deutlicher konnte sich der MDax erholen, der um 1,2 Prozent auf 24.148,60 Zähler zulegte. Der TecDax gewann sogar 2,5 Prozent auf 2.650,30 Punkte. Der HAFIX-Deutschland verbesserte sich minimal auf 3.765,48 Zähler. Der HAFIX-Europa kam um 0,4 Prozent auf 2.639,57 Punkte voran.

US-Börsen blieben flau

In den USA legte der Dow-Jones-Index trotz eines zwischenzeitlichen Einbruchs am Donnerstag auf Wochensicht um 0,4 Prozent auf 25.444,34 Punkte zu. Der S&P-500-Index beendete die Handelswoche dagegen nur geringfügig über seinem Vorwochenschlusstand bei 2.767,78 Zählern. Der technologielastige Nasdaq-100-Index schließlich büßte 0,7 Prozent auf 7.107,23 Punkte ein.

Anhaltende Nervosität bei den Anlegern

Die Rahmenbedingungen seitens der Politik dürften auch in der aktuellen Woche für Unsicherheit bei den Anlegern an den deutschen Aktienmärkten sorgen. Die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU stocken unverändert, die Diskussion über den italienischen Haushalt samt Angst vor einer neuen Schuldenkrise in Europa hält an, und die Handelsstreitigkeiten der USA sind weiterhin ungelöst. Zudem belasten die Befürchtungen von rascheren Zinsanhebungen in den USA. Als positiv sehen einige Marktbeobachter allerdings den Umstand, dass die Stimmung zuletzt so schlecht war, dass viel Negatives bereits in den Kurse eingepreist sei, und es insofern schon wieder Überraschungspotenzial nach oben gebe.

Berichtssaison könnte die Kurse bewegen

Wohin sich die Kurse tatsächlich entwickeln werden, dürfte einerseits stark von Neuigkeiten in Bezug auf die angesprochenen Problemthemen abhängen. Andererseits dürfte der Fortgang der Berichtssaison einen spürbaren Einfluss haben. Aus den USA kommen dabei weiterhin täglich neue Zahlen großer Unternehmen, und auch hierzulande legen in den kommenden Tagen etliche Börsenschwergewichte ihre Berichte vor. So gewähren die Dax-Mitglieder Deutsche Bank, Daimler, Covestro und BASF Einblick in ihre Bücher, aus der zweiten Reihe kommen Daten unter anderem von Puma, MTU und Wacker Chemie.

Was die Kurse noch bewegen könnte

Daneben könnten die anstehenden Konjunkturveröffentlichungen das Ihre zur Stimmung an den Märkten beitragen. Aus Deutschland dürften dabei vor allem der Ifo-Geschäftsklimaindex sowie die GfK-Verbraucherstimmung für Aufmerksamkeit sorgen, zudem kommen die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Eurozone. Aus den USA dürfte neben neuen Zahlen vom Immobilienmarkt und den Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter vor allem das Bruttoinlandsprodukt interessieren. Dabei werden die Anleger darauf achten, welche Impulse für das weitere Vorgehen der US-Notenbank Fed von den neuen Daten ausgehen könnten. Von der Fed selbst kommt zudem das Beige Book mit den Einschätzungen zur Wirtschaftslage.
 
Wenig Überraschendes dürfte nach Ansicht von Marktteilnehmern die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank bringen. Das Ende der Wertpapierkäufe ist bereits beschlossen, hinsichtlich einer Änderung der Zinspolitik wird nichts Neues erwartet. Die Anleger dürften aber auf mögliche Äußerungen in Bezug auf Italien achten. 

Anleihen: Deutsche Papiere haben zugelegt

Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche erneut spürbar zugelegt. Neben mit Enttäuschung aufgenommenen Konjunkturdaten war es wieder die Haushaltslage in Italien, die die Anleger zu den als sicher geltenden deutschen Papieren greifen ließ. Vor allem Spekulationen über eine Ablehnung des Haushaltsentwurfs der italienischen Regierung durch die EU-Kommission sowie über eine Herabstufung Italiens durch die wichtigen Ratingagenturen und die daraus resultierenden Sorgen hinsichtlich einer neuen Schuldenkrise trieben die Kurse der Bundespapiere. Zeitweise erreichte der Risikoaufschlag italienischer Anleihen zu deutschen, der sogenannte Spread, den höchsten Stand seit 2013. Zu Ende der Handelswoche entspannte sich die Lage allerdings etwas, die Kurse der Bundestitel gaben merklich nach. Dennoch sank die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich von 0,50 auf 0,44 Prozent. Die Umlaufrendite fiel von 0,36 auf 0,25 Prozent.

Anleihen: Es kommt viel auf Italien an

Der italienische Staatshaushalt und die Diskussionen über diesen dürften auch in der aktuellen Woche die Geschehnisse an den deutschen Anleihemärkten maßgeblich beeinflussen. Sollte die Ende der vergangenen Woche zu beobachtende Entspannung anhalten und die Sorgen vor einem großen Streit zwischen Italien und der EU nachlassen, so dürfte dies die Kurse deutscher Papiere erneut unter Druck setzen. Falls aber die Sorgen vor einer neuen Schuldenkrise in Europa wieder wachsen sollten, so dürften die Anleger einmal mehr zu den Bundespapieren greifen. Daneben könnten die anstehenden Konjunkturdaten für Impulse sorgen. Aus Deutschland steht dabei vor allem das Ifo-Geschäftsklima im Fokus, aus den USA Daten, die Einfluss auf die weitere Geldpolitik der US-Notenbank haben könnten. Von der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank erwarten sich die meisten Marktteilnehmer nichts Überaschendes, von möglichen Äußerungen zu Italien einmal abgesehen. Auf großes Interesse wird sie aber natürlich dennoch treffen.
 
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Dienstag, 23.10.: Erzeugerpreise in Deutschland; Verbrauchervertrauen in der Eurozone
Mittwoch, 24.10.:
Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Beige Book der US-Notenbank; Markit PMI Gesamtindex (USA); US-Immobilienpreisindex; Verkäufe neuer Häuser in den USA; US-Hypothekenanträge; Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Canada
Donnerstag, 25.10.:
Ifo-Geschäftsklimaindex (Deutschland); GfK-Verbrauchervertrauen (Deutschland); Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank; Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA; Anstehende Hausverkäufe in den USA; US-Warenhandelsbilanz        
Freitag, 26.10.:
Persönliche Konsumausgaben in den USA; US-Bruttoinlandsprodukt; US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan
     

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Deutsche Bank 9,42 -0,65 %
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Populäre Aktien

Fresenius 61,74 2,08 %
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Populäre Aktien

Fresenius Med Care 70,04 -0,40 %
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Populäre Aktien

HeidelbergCement 56,80 0,53 %
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Populäre Aktien

Covestro I 57,10 -1,11 %
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Populäre Aktien

PUMA I 424,00 0,00 %
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Populäre Aktien

Daimler 50,81 -1,34 %
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Populäre Aktien

SAP 95,17 -0,23 %
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Populäre Aktien

DB TecDAX 2.640,50 -0,37 %
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Populäre Aktien

DB MDAX 24.051,00 -0,40 %
DB DAX 11.532,00 -0,19 %
MTU Aero Engin N 175,00 0,86 %
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Populäre Aktien

BASF 67,20 -0,80 %
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Populäre Aktien

HAFIX-Deutschland 3.718,93 -1,24 %
HAFIX-Europa 2.632,36 -0,27 %
Wacker Chemie 91,92 1,06 %
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Populäre Aktien

DB Dow Jones 25.338,00 -0,42 %
DB S&P 500 2.758,25 -0,33 %