Politik, Politik, Politik - beherrscht die Märkte

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche Kursverluste in erheblichem Umfang hinnehmen müssen. Zentrales Thema war der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Nachdem zu Beginn der Handelswoche noch Hoffnungen auf eine Einigung die Kurse hatten steigen lassen, verloren die Anleger zunehmend das Vertrauen auf eine baldige Lösung. In der Folge sanken die wichtigsten Indizes spürbar. Die Festnahme von Meng Wanzhou, der Finanzchefin des chinesischen Technologiekonzerns Huawei, wegen Verstoßes gegen US-Sanktionen in Kanada ließ die Notierungen dann einbrechen. Wanzhou ist die Tochter von Huawei-Gründer Ren Zhengfei, die USA drängten auf eine Auslieferung. Huawei ist einer der wichtigsten chinesischen Hightech-Unternehmen mit Geschäftstätigkeit im Ausland. Einige Medien zitierten chinesische Reaktionen auf die Festnahme, die letztere als „Kriegserklärung“ betrachteten. Im Vergleich zu den Nachrichten zum Themenkomplex US-chinesischer Handelsstreit hatten andere politische Themen sowie Konjunkturdaten in der vergangenen Woche kaum nachhaltigen Einfluss auf die Kurse. Für zeitweilige zusätzliche Negativimpulse sorgte allerdings die Niederlage der britischen Premierministerin Theresa May zu Beginn der Beratungen im britischen Unterhaus über das Brexit-Abkommen. E.

Rasante Kurverluste bei Fresenius

Der Deutsche Aktienindex (Dax), der am vergangenen Donnerstag den größten Tagesverlust seit rund zweieinhalb Jahren verzeichnete, sackte auf Wochensicht um 4,2 Prozent auf 10.788,09 Punkte ab. Gravierende Kursverluste musste dabei der Indexwert Fresenius hinnehmen. Die Anleger straften den Gesundheitskonzern vor allem zu Ende der Handelswoche für eine erneute Zielreduzierung ab. Der MDax fiel um 3,9 Prozent auf 22.535,45 Zähler. Der TecDax rutschte um 2,9 Prozent auf 2.516,63 Punkte ab. Der HAFIX-Deutschland sank um 4,1 Prozent auf 3.438,55 Zähler, der HAFIX-Europa um 3,1  Prozent auf 2.606,36 Punkte.

Handelskonflikt lässt auch US-Kurse purzeln

In den USA ließen die Ängste vor einer Eskalation des US-chinesischen Handelskonfliktes die wichtigsten Indizes ebenfalls einbrechen. Der Dow-Jones-Index verlor auf Wochensicht 4,5 Prozent auf 24.388,95 Punkte. Der S&P-500-Index büßte 4,6 Prozent auf 2.633,08 Zähler ein. Der technologielastige Nasdaq-100-Index verzeichnete ein Minus von 4,8 Prozent auf 6.613,28 Punkte.

Die Politik dominiert die Märkte

Politik, Politik, Politik, von hier könnten die wichtigsten Impulse für die deutschen Aktienmärkte in der aktuellen Woche kommen. An erster Stelle stehen dabei die weiteren Entwicklungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Nach der weiteren Eskalation durch die Festnahme der Huawei-Managerin Wanzhou in der vergangenen Woche dürften die Anleger gespannt auf jede neue Nachricht warten. Daneben stehen die Brexit-Verhandlungen beziehungsweise die bislang getroffenen Vereinbarungen zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU im Fokus. Hier bleibt vor allem abzuwarten, wie das britische Unterhaus über das Abkommen entscheiden wird. Viele Beobachter glauben an eine Ablehnung der Vereinbarung mit der EU. Zum Dritten ist der Streit zwischen Regierung und EU-Kommission über den italienischen Haushalt nach wie vor nicht gelöst, das Thema sehen etliche Beobachter als kritisch für die Eurozone an.

Charttechnik gewinnt an Aufmerksamkeit

Neben der Frage, wie die Anleger auf die jeweiligen Ereignisse reagieren werden, könnten in den kommenden Tagen erneut charttechnische Signale für Impulse an den Märkten sorgen. Allerdings gehen auch hier wie in der Gesamtbetrachtung der Märkte die Meinungen auseinander, ob die Investoren aus den vorliegenden Daten und Kursentwicklungen eher ein Einstiegssignal oder einen Hinweis auf einen Verkauf ableiten. Konjunkturzahlen könnten in den kommenden Tagen wie bereits in der vergangenen Woche eine untergeordnete Stelle einnehmen.
 
Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die anschließende Bekanntgabe des Ergebnisses dürfte auf jeden Fall ein wichtiger Termin für die Marktteilnehmer sein. Große Überraschungen werden zwar nicht erwartet, sollte die EZB neben dem finalen Ausstiegsdatum für ihr Anleihekaufprogramm aber noch Überaschendes ankündigen, könnte dies die Marktlage erheblich ändern.

Unsicherheit half deutschen Anleihen

Die deutschen Anleihemärkte haben sich in der vergangenen Woche nach uneinheitlichem Verlauf einmal mehr stärker präsentiert. Die Unsicherheit an den Märkten hinsichtlich des Handelskonflikts zwischen den USA und China, die die Aktienmärkte einbrechen ließ, sorgte dafür, dass die Anleger verstärkt zu den als sicher geltenden Bundespapieren griffen. Konjunkturdaten spielten in der von politischen Ereignissen geprägten Handelswoche nur eine untergeordnete Rolle. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe ging auf Wochensicht von 0,31 auf 0,25 Prozent zurück. Die Umlaufrendite sank von 0,17 auf 0,11 Prozent. Starke Kursausschläge erlebten in der vergangenen Woche italienische Anleihen, hier reagierten die Investoren auf die jeweils neuen Nachrichten im Haushaltsstreit mit der EU.

Anleihen: Latente Nervosität

In der aktuellen Woche dürften die Anleger an den deutschen Anleihemärkten erneut auf die Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China blicken. Sollte dieser weiter eskalieren, so könnte dies zu Nervosität an den Märkten führen, was die deutschen Anleihekurse stützen könnte. Daneben dürfte die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) für Aufmerksamkeit sorgen. Hier werden außer dem Zeitpunkt des Ausstiegs aus dem Anleihekaufprogramm zwar keine wesentlichen Aussagen erwartet. Allerdings besteht dadurch die Möglichkeit von überraschenden Aussagen von Seiten der EZB, auf die die Märkte dann natürlich reagieren dürften.
 
Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 10.12.: Handelsbilanz für Deutschland
Dienstag, 11.12.: ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland); Erzeugerpreise in den USA  
Mittwoch, 12.12.: Industrieproduktion in der Eurozone; Verbraucherpreise in den USA; US-Hypothekenanträge
Donnerstag, 13.12.: Verbraucherpreise in Deutschland; Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank; Import- und Exportpreise in den USA
Freitag, 14.12.: Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone; Dienstleistungsindizes für die Eurozone; US-Einzelhandelsumsätze; US-Industrieproduktion; US-Kapazitätsauslastung

     

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Fresenius 40,65 0,89 %
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Populäre Aktien

DB TecDAX 2.534,25 2,14 %
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Populäre Aktien

DB MDAX 22.333,00 1,18 %
DB DAX 10.851,50 2,16 %
HAFIX-Deutschland 3.454,36 2,57 %
HAFIX-Europa 2.614,78 2,24 %
DB Dow Jones 24.612,00 0,75 %
DB S&P 500 2.664,75 1,00 %