Die Hoffnung stirbt zuletzt

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Handelswoche nach spürbaren Gewinnen zu Wochenmitte abwärts gedreht und letztlich deutlich nachgegeben. Ein Mix aus schwachen Konjunkturdaten und mit Enttäuschung aufgenommenen Unternehmenszahlen führte in Zusammenspiel mit zeitweilig nachgebenden Kursen an den US-Märkten zu Verunsicherung der Anleger, Gewinnmitnahmen waren die Folge. Negativ wirkte sich auch aus, dass von Seiten des US-Präsidenten Donald Trump keine Signale auf eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China gekommen waren. Etliche Marktteilnehmer hatten auf solche im Rahmen von Trumps Rede zur Lage der Nation gehofft. Stattdessen wurde gegen Ende der Handelswoche bekannt, dass sich der US-Präsident nicht vor dem Auslauf des Ultimatums in Handelsstreit am 1. März mit Chinas Staatschef Xi Jinping treffen werden.

Daimler und Wirecard mit Problemen

Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel am Freitag unter die Marke von 11.000 Punkten, im Wochenvergleich verlor der Dax 2,4 Prozent auf 10.906,78 Zähler. Zu den großen Indexverlierern zählte Daimler. Die Anleger reagierten enttäuscht auf die Unternehmenszahlen, zudem litt der Kurs unter schwachen Absatzzahlen aus den USA sowie unter allgemein schwächeren Konjunkturdaten. Die Titel von Wirecard setzten ihren Abwärtskurs der Vorwoche fort. Nachdem die Anleger zu Wochenbeginn positiv auf Äußerungen des Zahlungsabwicklers reagiert hatten, wonach die Berichte über Bilanzunregelmäßigkeiten ohne Substanz seien, sorgten neue Negativnachrichten zu Ende der Handelswoche erneut für drastische Kursverluste. Der MDax büßte im Wochenvergleich 2,3 Prozent auf 23.205,78 Punkte ein. Der TecDax gab um 1,3 Prozent auf 2.482,94 Zähler nach. Der HAFIX-Deutschland rutschte um 4,0 Prozent ab auf 3.496,14 Punkte, der HAFIX-Europa reduzierte sich um 1,2 Prozent auf 2.638,83 Zähler.

Wenig Bewegung bei US-Indizes

In den USA legte der Dow-Jones-Index auf Wochensicht leicht um 0,2 Prozent auf 25.106,33 Punkte zu. Der S&P-500-Index beendete die Handelswoche gegenüber dem Vorwochenschlussstand fast unverändert bei 2.707,88 Zählern. Der technologielastige Nasdaq-100-Index verbesserte sich um 0,5 Prozent auf 6.913,13 Punkte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nach der schwachen Vorwoche herrscht unter Beobachtern Skepsis, was die Entwicklung an den deutschen Aktienmärkten in den kommenden Tagen betrifft. Als Belastungsfaktor wird dabei vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China gesehen. Seit in der vergangenen Woche die Hoffnungen auf Hinweise von US-Präsident Trump auf eine Lösung des Konflikts nicht erfüllt wurden, machen sich Sorgen unter den Anlegern breit. Allerdings geben einige Experten zu Bedenken, dass damit die Möglichkeit einer Aufwärtsbewegung umso größer würde, wenn es entsprechende neue Nachrichten gebe. Angesichts des sprunghaften Wesens Trumps können sich diese Marktteilnehmer durchaus entsprechende Impulse vorstellen. Zudem werden gegen Ende der Handelswoche die Gespräche zwischen den beiden Seiten fortgesetzt.

Konjunkturentwicklung bleibt Top-Thema

Daneben bleibt die weitere Konjunkturentwicklung ein Top-Thema an den Märkten. Hier dürften die Investoren genau auf die anstehenden Veröffentlichungen blicken und diese dahingehend analysieren, inwiefern diese Sorgen oder Hoffnungen hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung unterstützen. Einige Beobachter befürchten dabei bei den Daten zum Bruttoinlandsprodukt Deutschlands, dass dieses ein weiteres Mal schwächer ausfallen könnte als im Vormonat und Deutschland formal in eine Rezession rutschen könnte. Der positive Aspekt einer solchen Meldung wäre allerdings, dass die Märkte dann vermutlich mit einer weiterhin extrem lockeren Geldpolitik rechnen könnten, was die Liquidität an den Börsen hoch halten dürfte.
 
Impulse dürften zudem Unternehmenszahlen liefern. Dabei legt unter anderem die Allianz Daten vor.

Anleihen: Negative Umlaufrendite bei deutschen Papieren

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche nach einem verhaltenen Wochenstart erheblich zugelegt. Zu Wochenbeginn trotzten die Anleger dabei noch schwächeren Konjunkturdaten, im weiteren Wochenverlauf wirkten sich diese aber spürbar auf das Marktgeschehen aus. Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung und Unsicherheit vor allem in Bezug auf den Brexit, aber auch hinsichtlich des Handelsstreites zwischen den USA und China, ließen die Anleger zu den als sicher geltenden Bundespapieren greifen. Zu Ende der Handelswoche stützte zudem die schlechte Stimmung an den Aktienbörsen. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe sackte auf Wochensicht von 0,16 auf 0,08 Prozent ab. Dies war der niedrigste Stand seit Ende 2016. Die Umlaufrendite rutschte in den negativen Bereich und lag am Freitag bei -0,01 Prozent, nach 0,04 Prozent am Freitag zuvor. Wie bereits in der Vorwoche gerieten auch in der vergangene Woche die Kurse italienischer Anleihen unter spürbaren Druck, die Renditen stiegen entsprechend an.

Anleihen: Wie geht es mit dem Handelsstreit weiter?

Die wichtigsten Impulse für die deutschen Anleihemärkte dürften in den kommenden Tagen von den anstehenden Konjunkturdaten sowie der Entwicklung im Handelsstreit zwischen den USA und China kommen. Sollte es dabei zu positiven Überraschungen kommen, so dürfte das die Stimmung und die Risikobereitschaft der Anleger heben, was sich wiederum negativ auf die Kurse der deutschen Papiere auswirken könnte. Im umgekehrten Fall könnte eine weitere Verunsicherung der Investoren den Bundestiteln erneut Auftrieb verleihen. Ein wichtiges Thema dürfte daneben der Brexit beziehungsweise die weitere Entwicklung in der Frage, ob es ein Abkommen zum Austritt geben oder der Termin nach hinten verschoben wird, bleiben. In der vergangenen Woche war dieser Punkt zwar etwas in den Hintergrund getreten, mit dem Näherrücken des eigentlichen Austrittstermins könnte sich dies aber wieder ändern.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 11.02.: ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland)
Mittwoch, 13.02.:
Industrieproduktion in der Eurozone; Verbraucherpreise in den USA; US-Hypothekenanträge
Donnerstag, 14.02.:
Bruttoinlandsprodukt Deutschlands; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Einzelhandelsumsätze in den USA; Erzeugerpreise in den USA
Freitag, 15.02.:
Handelsbilanz der Eurozone; US-Industrieproduktion; US-Kapazitätsauslastung; US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan; New York Empire State Produktionsindex (USA); Import- und Exportpreise in den USA

     

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Daimler 50,46 1,85 %
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Populäre Aktien

DB TecDAX 2.590,25 1,02 %
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Populäre Aktien

Wirecard I 100,15 -2,05 %
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Populäre Aktien

Allianz 190,02 2,99 %
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Populäre Aktien

DB MDAX 24.376,00 1,87 %
DB DAX 11.324,00 2,11 %
HAFIX-Deutschland 3.632,57 1,71 %
HAFIX-Europa 2.729,42 0,90 %
DB Dow Jones 25.882,00 1,73 %
DB S&P 500 2.775,50 1,10 %