Thomas Rappold
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager konnte Ende Juli mit großer Genugtuung eine 5 Mrd. Dollar schwere Geldbuße gegen den Suchmaschinengiganten Google wegen angeblicher wettbewerbswidriger Praktiken im Zusammenhang mit seinem Android-Smartphone Betriebssystem öffentlichkeitswirksam verkünden. Ist das das Ende von Google und von Big Tech? Immerhin repräsentiert das dominierende Tech-Quintett bestehend aus Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Facebook zusammen eine Marktkapitalisierung, die höher ist, als die unteren 282 Unternehmen im S&P 500 Index.

Monopolartige Strukturen

Ohne Frage fußen die Erfolge der „glorreichen Fünf“ auf monopolartigen Strukturen. Apple dominiert bei Smartphones, Amazon im e-Commerce, Alphabet bei Suchmaschinen, Microsoft bei Betriebssystemen und Facebook bei sozialen Netzwerken. „Die aggressive europäische Haltung ist eine Bedrohung, aber keine tödliche.“ so der bekannte New Yorker Datendienstleister für Technolgieunternehmen CB Insights. Just Microsoft, das seit Anfang der 2000er Jahre regelmäßig Zielscheibe der Wettbewerbshüter ist, schwang sich angetrieben durch exzellente Quartalszahlen zu einem neuen Rekordhoch im Aktienkurs auf und konnte seine Marktkapitalisierung allein in den letzten zwölf Monaten um rund 50 Prozent auf über 800 Mrd. Dollar steigern. Microsoft hat sich dank seiner Azure Cloud Plattform neu erfunden und ist wieder auf Wachstumskurs.

Telefonieren via Ballon

Umso interessanter ist deshalb die Ankündigung von Google's Mutterkonzern Alphabet, der in der vergangenen Woche mit „Loon“ und „Wing“ zwei neue Geschäftsbereiche aus seinem Brutkasten „X“, der legendären Moonshot-Fabrik, graduierte. Projekt Loon entwickelt ein Netzwerk von Hochgebirgsballonen, die einen Internetzugang an abgelegenen Orten ermöglichen. Erster kommerzieller Kunde wird Telekom Kenia. Die von Solarpaneln angetriebenen Ballons sollen Gebiete mit geringerer Bevölkerungsdichte mit mobilem Internet versorgen. Projekt Wing baut unterdessen ein Drohnenliefersystem und eine Verkehrsmanagement-Plattform. Frühere X Absolventen sind der autonome Fahrdienst Waymo, das Life-Science-Unternehmen Verily und die Cybersecurity Firma Chronicle. Vielleicht entstehen so aus Alphabets Babys zur Freude von Aktionären neue Alpträume für die EU-Wettbewerbshüter.
Dieser Artikel ist zuerst bei Börse-Online erschienen.
 
Thomas Rappold, geboren 1971, ist Internetunternehmer und Investor. Bereits mit 14 Jahren erlernte er die ersten Programmiersprachen im Selbststudium auf dem damaligen Kultcomputer Commodore C64. Als einer der ersten Absolventen des europaweit ersten Studiengangs Medieninformatik trug er als Mitarbeiter der Strategiegruppe Internet bei Allianz SE maßgeblich zu damals bahnbrechenden neuen Finanzportalen für Privat- und Geschäftskunden bei.
Seit über zehn Jahren erfolgreicher Unternehmer einer Internet-Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft und Gründer von zahlreichen Internet-Start-ups ist Thomas Rappold ein profunder Kenner des Silicon Valley und dort als Investor an verschiedenen Start-ups beteiligt. Mehr über Thomas Rappold und das Silicon Valley finden Sie auf seiner Homepage www.silicon-valley.de.
Im Finanzbuchverlag München veröffentlichte Thomas Rappold jüngst "Silicon Valley Investing. Investieren in die Superstars von heute, morgen und übermorgen".
                   

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