Das Reich der Mitte bleibt interessant

James Alexander, Nikko AM
James Alexander / Bild: Nikko AM
Im aktuellen Handelsstreit mit den USA scheint China schlechte Karten zu haben. Während der US-amerikanische Aktienmarkt zu neuen Allzeithochs strebt, sind chinesische Aktien zuletzt um bis zu 18 Prozent eingebrochen. Dies ist aber kein Grund, das Reich der Mitte vorzeitig abzuschreiben.

Handelskrieg belastet beide: USA und China

Für die USA und China ist ein anhaltender Handelskrieg die schlechteste aller Optionen: Die USA würden eine Rezession riskieren, was Trumps Hoffnung auf eine zweite Amtszeit schmälern dürfte. Für China bestünde die Gefahr, beim heiklen Balanceakt rund um den Schuldenabbau die Kontrolle zu verlieren.

Der jüngste Abwärtstrend chinesischer Aktien spiegelt weniger die Angst vor einem Handelskrieg wider als vielmehr die Nachwirkungen des akuten Schuldenabbaus, einschließlich steigender Zahlungsausfälle und eines verlangsamten Wirtschaftswachstums.

In China wieder neues Wachstumsmomentum

Chinas Wachstum gab vor allem aufgrund des straffen regulatorischen Drucks auf das Schattenbankensystem Anlass zur Sorge, aber die jüngste Wende hin zu einer Lockerung dürfte in den nächsten Quartalen zu einem positiven Wachstumsmomentum beitragen. Angefangen bei Liquiditätsspritzen zur Erhöhung der Kreditvergabe, neuen Zusagen zur Ankurbelung der Infrastrukturausgaben bis hin zu bevorstehenden Steuersenkungen gibt es genügend Spielraum, um die chinesische Nachfrage anzukurbeln.

Weitere Abwertung des Renminbi eher unwahrscheinlich

Der rapid eingeschlagene Lockerungskurs hat die chinesische Währung geschwächt und die Sorge geschürt, China könne als Reaktion auf den Handelskrieg weiter abwerten und eine erneute Kapitalflucht wie im Sommer 2015 erleben. Aus drei Gründen erachten wir ein solches Szenario als unwahrscheinlich: 
  • Der Renminbi war überbewertet, besonders im Verhältnis zu wichtigen Handelspartnern wie Europa und Japan. Mittlerweile nähert er sich jedoch einem angemessenen Wert. 
  • Die Geschwindigkeit des Kursverfalls könnte zum Teil eine Reaktion auf die schnelle Eskalation im Zollstreit gewesen sein, aber letztendlich ist China immer noch hochmotiviert, seine Währung stabil zu halten.
  • Die Kapitalverkehrsbilanz des Landes ist viel geschlossener und das Wachstum deutlich gesünder als im Jahr 2015, was sowohl die Möglichkeiten als auch die Anreize für Kapitalabflüsse einschränken dürfte.
 
James Alexander ist Global Leiter Multi Asset bei Nikko Asset Management