Regierungswechsel und Hoffnung auf Corona-Impfstoff – eine neue Welt?

Carsten Mumm, Donner & Reuschel Privatbank
Carsten Mumm / Bild: Donner & Reuschel Privatbank
Der Wahlsieg Joe Bidens bei den US-Präsidentschaftswahlen hat für eine Erleichterungs-Rallye an den internationalen Aktienmärkten gesorgt. Beflügelt wurde das Kursfeuerwerk von der Nachricht, dass ein gemeinsam von Biontech und Pfizer entwickelter Corona-Impfstoff noch im November zugelassen werden könnte. Tatsächlich können diese beiden Ereignisse wesentliche Veränderungen für die kommenden Monate und sogar Jahre mit sich bringen. Einerseits besteht die Aussicht auf ein zeitnahes Konjunkturpaket in den USA, vor allem aber auf eine Wiederannäherung der USA an Europa. Das Damoklesschwert eines drohenden weiteren Handelskonflikts, unter dem beispielsweise die deutsche Autoindustrie und andere stark exportabhängige Branchen enorm gelitten hätten, scheint zunächst verschwunden – zumindest ist dies die landläufige Erwartungshaltung, die allerdings von Joe Biden bisher noch nicht konkret bestätigt wurde.

Es kommt auf Georgia an

Hinzu kommt die Hoffnung auf Aufträge für europäische Unternehmen im Zuge der in den USA vorgesehenen Investitionen in Infrastruktur, Gesundheitswesen und regenerative Energien. Welche Investitionsvolumina tatsächlich umgesetzt werden, hängt jedoch noch entscheidend von einer am 5. Januar anstehenden Stichwahl im US-Bundesstaat Georgia ab. Sollten beide zur Wahl stehenden Senatssitze an die Demokraten gehen, stünden die Chancen für die Durchsetzung der demokratischen Vorhaben deutlich besser. Die Corona-Pandemie hingegen wird uns trotz der jüngsten Erfolgsmeldung noch lange beschäftigen. Vorausgesetzt die Zulassung erfolgt, stellen Pfizer und Biontech die Produktion von bis zu einer Mrd. Dosen bis Ende 2021 in Aussicht. Für flächendeckende Impfungen braucht es also noch weiterer geeigneter Impfstoffe, die allerdings auch zeitnah zu erwarten sind. Tatsächlich haben sich somit bei zwei der zentralen Belastungsfaktoren entscheidende Fortschritte ergeben. Dadurch könnte die zuletzt stockende wirtschaftliche Erholung in Europa ab dem ersten Quartal wieder einen deutlichen Anschub erhalten, vor allem, wenn bei den Brexit-Verhandlungen kurzfristig auch noch eine positive Überraschung gelingen könnte.
Carsten Mumm ist Chefvolkswirt der Privatbank DONNER & REUSCHEL. Er ist verantwortlich für die Erstellung der Konjunktur- und Kapitalmarktprognosen sowie der kapitalmarktrelevanten Publikationen. Zuvor verantwortete er die Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden, das Management von Spezial- und Publikumsfonds sowie die hauseigenen Research-Tätigkeiten. Der gelernte Bankkaufmann und studierte Diplom-Volkswirt ist seit 1998 im Bereich Kapitalanlage beschäftigt. 2006 qualifizierte er sich zum Chartered Financial Analyst.

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