Die Märkte werden nun weniger politisch und wieder mehr fundamental getrieben

Dr. Bernd Meyer, Berenberg
Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg
 
Eine bisher starke US-Berichtssaison, weiterhin robuste Konjunkturdaten und keine Eskalation der Handelsspannungen haben Risikoanlagen zuletzt unterstützt. Die Märkte scheinen nun weniger politisch und wieder mehr fundamental getrieben zu sein. Folglich konnten vor allem europäische Aktien zulegen. Ein nicht weiter auf wertender Euro half dabei. Europas Aktien schnitten in den letzten Wochen deutlich besser als die höher bewerteten US-Aktien ab, die auch unter wieder steigenden US-Renditen zu leiden hatten. 10-jährige US-Renditen stehen nun nahe 3 Prozent, während Bund-Renditen bei 0,6 Prozent verharren. Droht nun die typische Saisonalität mit eher schwächeren Sommermonaten für den Aktienmarkt? Es gibt gute Gründe, die dagegen sprechen. Neben einem möglichen Abflauen der Handelsstreitsorgen zeigt ein Blick in die Statistik, dass gerade ein negativer Jahresstart tendenziell dazu geführt hat, dass sich der Dax in den Sommermonaten besser als nach einem positiven Jahresstart entwickelt hat. Dagegen hätten wir nichts einzuwenden.

Kurzfristiger Ausblick: Fundamentale Daten rücken wieder in den Fokus der Investoren

Schwelende Konflikte, wie ein möglicher Handelskrieg, sind zunächst in den Hintergrund getreten und die Unternehmensberichtssaison ist in den Anlegerfokus gerückt. Die ersten US-Unternehmensergebnisse sind vielversprechend – der erwartete Gewinnanstieg im Vorjahresvergleich ist bereits von rund 18 Prozent auf 20 Prozent angestiegen. Die europäischen Unternehmen sind mit einem Gewinnzuwachs im niedrigen einstelligen Prozentbereich weit abgeschlagen, insbesondere aufgrund der Euro Aufwertung. In den kommenden zwei Wochen stehen neben dem Hochpunkt der amerikanischen Berichtssaison etliche Konjunkturdaten an. Am 24. April steht in Deutschland der Ifo-Index im Fokus – am 4. Mai die US-Arbeitsmarktdaten. Die Q1-BIP-Daten für Frankreich, Spanien, Großbritannien und die USA am 27. April zeigen, ob sich die eingetrübten Frühindikatoren in schwächerem Wachstum niederschlagen. Von der EZB-Sitzung am 26. April und der FOMC-Entscheidung am 2. Mai erwarten wir keine wesentlichen Impulse für die Märkte.
Gesamtrendite („Total Return“) für ausgewählte Anlageklassen, in Euro und in Prozent, sortiert nach 4-Wochen Performance.
 
  • Der DAX ist mit -6,4 Prozent im ersten Quartal (Q1) enttäuschend ins Jahr gestartet.
  • Allerdings geht ein negativer Jahresstarttendenziell nicht mit einer schwachen Sommersaisonalität („Sell in May and go away“) einher. Im Gegenteil.
  • Seit 1960 verzeichneten deutsche Aktien 18 Mal einen Q1-Verlust. Wenn dies der Fall war, erzielten sie eine mittlere Rendite von +1 Prozent von Mai bis September.
  • In den Jahren mit positivem Q1 (40 Mal der Fall) fiel der DAX hingegen im Mittel um 1,2 Prozent von Mai bis September.
Gesamtrendite (inklusive reinvestierter Dividenden) für ausgewählte Aktienindizes, in Euro und in Prozent, sortiert nach 4-Wochen-Performance.
  • Europäische Aktien führen weiterhin die Gewinnerliste der letzten vier Wochen an. Insbesondere britische Aktien entwickelten sich positiv, begünstigt auch durch einen starken Ölsektor.
  • In Europa kletterten zudem defensive Aktien um 6,1 Prozent, während zyklische Aktien „nur“ 4,6 Prozent stiegen.
  • Am schlechtesten schnitten osteuropäische Aktien ab, vor allem Russland litt unter den neuen US-Sanktionen.
Dr. Bernd Meyer ist Chefanlagestratege bei Berenberg.
                      

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