Handelskonflikt und Facebook-Affäre: Aktienmärkte vorerst im Rückwärtsgang

Christian Nemeth, Zürcher Kantonalbank Österreich AG
Christian Nemeth /Bild: Zürcher Kantonalbank Österreich AG
Obwohl die globalen Konjunkturdaten weiterhin in Ordnung sind und die US-Notenbank Fed ihren Ausblick kürzlich sogar anhob, drücken politische Unsicherheiten aktuell die Stimmung an den Finanzmärkten. Anhaltende Handelsstreitigkeiten, personelle Rochaden im Weißen Haus sowie die Datenaffäre bei Facebook bewirkten vor allem bei den Aktienkursen Einbußen. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist aber weiterhin erfreulich. Wie wir von der Zürcher Kantonalbank Österreich AG in unserem aktuellen Marktausblick ausführen, handelt es sich bei der momentanen Nervosität keineswegs um eine Trendwende, sondern lediglich um eine Korrektur. Denn das Ende des Bullenmarktes bei Aktien scheint noch nicht erreicht.

Sichere Emittenten waren gefragt

Ein kurzer Rückblick auf das bisherige Geschehen zeigt: Das Jahr 2018 hat an den Finanzmärkten zwar gut begonnen, mittlerweile stehen aber die potenziellen Risiken im Fokus. Kurzfristig bestimmt also die Politik die Kursentwicklung an den Börsen. Gerade der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die Affäre um den Zugang zu Personendaten bei Facebook hinterließen Spuren. Praktisch alle bedeutenden Aktienmärkte legten den Rückwärtsgang ein. Selbst der für lange Zeit unverwundbare US-Technologiesektor musste erstmals Einbußen hinnehmen. So ist es auch zu erklären, dass Staatsanleihen zumindest kurzfristig eine Renaissance erlebten – sichere Emittenten waren gefragt.

Globaler Konjunkturausblick noch positiv

Trotz aller politischen Hürden ist es um die globale Konjunktur weiterhin gut bestellt, auch wenn sich die Wachstumsaussichten zuletzt etwas abgeschwächt haben. Die Einkaufsmanagerindizes als wichtige Vorlaufindikatoren liegen zwar immer noch auf sehr erfreulichen Niveaus, konnten aber insbesondere in Europa an die Rekordstände rund um den Jahreswechsel nicht mehr anknüpfen. In den USA hat die Notenbank Fed ihren geldpolitischen Straffungskurs fortgesetzt und den Leitzins zuletzt auf eine Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent angehoben. Zudem fiel auch der Konjunkturausblick der US-Notenbank besser aus als in ihrer Dezember-Sitzung. Für 2018 ist unverändert mit drei Zinsschritten zu rechnen. Angesichts der Handelsstreitigkeiten und der personellen Rochaden im Weißen Haus erwarten wir jedoch eine anhaltende politische Verunsicherung, welche die Fed von einer rascheren geldpolitischen Gangart abhalten dürfte.

Leitzinserhöhung der EZB wohl nicht vor Mitte 2019

In der Eurozone mehren sich die Anzeichen dafür, dass der konjunkturelle Höhepunkt bereits überschritten wurde. Die Indikatoren deuten aber immer noch auf ein sehr robustes Wirtschaftswachstum hin. Nach dem Tiefstwert von 1,1 Prozent im Februar ist in den nächsten Monaten mit anziehenden Inflationsraten zu rechnen. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) offenbar nicht daran denkt, die Wertpapierkäufe bei Bedarf wieder zu erhöhen, ist ein weiterer kleiner Schritt in Richtung geldpolitischer Normalisierung in der Eurozone. Von der ersten Zinserhöhung ist die EZB aber immer noch weit entfernt. Wir rechnen erst Mitte 2019 mit höheren Zinsen. Die Konjunkturentwicklung in den Schwellenländern verläuft weiterhin erfreulich, US-Zölle auf chinesische Importgüter würden aufgrund der Wertschöpfungsketten aber auch andere asiatische Schwellenländer betreffen.

Geldanlage: Aktueller Trend zu mehr Sicherheit

Nach einer Korrektur in den vergangenen beiden Monaten liegt die Bewertung des Weltaktienindex MSCI World auf einem Niveau, das mit jenem von vor drei Jahren zu vergleichen ist. Gleichzeitig unterstützt das positive globale Konjunkturumfeld die erfreuliche Gewinnentwicklung bei den Unternehmen – aktuell ist von einer durchschnittlichen Gewinnsteigerung von zwölf Prozent auszugehen. Was die Anlagepolitik betrifft, so spricht das konjunkturelle Umfeld weiterhin für Aktien, wenngleich die politischen Unsicherheiten ganz generell die Stimmung drücken. Vor diesem Hintergrund stellen wir die Portfolios etwas defensiver auf und halten eine neutrale Aktiengewichtung derzeit für angemessen. Die Kurse der Staatsanleihen sind nach längerer Zeit wieder gestiegen, was den aktuellen Trend nach mehr Sicherheit widerspiegelt. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG geht hier aber nur von einer kurzzeitigen Entwicklung aus und bleibt im Anleihen-Segment bei Unternehmensanleihen und Bonds aus Emerging Markets übergewichtet. Insgesamt wurden die Risikopositionen im vergangenen Quartal sukzessive reduziert. Wir schätzen die aktuelle Nervosität aber nicht als Trendwende, sondern als Korrektur ein. Das Ende des Bullenmarktes bei den Aktien scheint noch nicht erreicht.  
 
Christian Nemeth ist Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer der Zürcher Kantonalbank Österreich AG und war zuvor viele Jahre als Leiter des Asset Managements des Hauses tätig. Für das Management des Dachfonds Portfolio Wachstum (Euro) Alternativ ZKB OE erhielt Nemeth mit seinem Team bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG kürzlich in Wien den auch international beachteten Lipper-Fund-Award. Der Investment-Ansatz erzielte eine Wertsteigerung von 79,28 Prozent (seit Start am 27.07.2011 entspricht dies einer jährlichen Rendite von 10,82 Prozent). Vor seinem Engagement bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG war Christian Nemeth unter anderem als Chief Investment Officer bei der Deutsche Bank Österreich und der Bank Sal. Oppenheim (Österreich) tätig. Weitere Stationen der Karriere des studierten Betriebswirts waren die Creditanstalt, Capital Invest und Oppenheim Asset Management.
 

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