Volkskrankheit Diabetes – Pharmakonzerne profitieren

Adrian Roestel, Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung
Bild: Unsplash, Matt Chesin
Diabetes ist eine Volkskrankheit, die rasant wächst und oft dramatisch endet: In Deutschland gibt es aktuell mehr als sieben Millionen Menschen, die an Diabetes erkrankt sind. Mindestens zwei Millionen davon wissen noch nichts von ihrer Erkrankung. Jede Stunde sterben hierzulande drei Menschen an Diabetes.  Laut der International Diabetes Federation (IDF) wurden 2019 weltweit rund 463 Millionen Diabetiker gezählt. In 25 Jahren soll Schätzungen zufolge dieser Zahl auf annähernd 700 Millionen steigen.
Schlecht oder gar unbehandelt hat Diabetes oft dramatische Folgen: Das Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall ist zwei- bis dreifach erhöht. Pro Jahr werden als Folge der Insulinresistenz 40000 Beine, Füße oder Zehen amputiert, rund 2000 Menschen erblinden. Die Krankheit ist die häufigste Ursache dafür, dass Menschen regelmäßig zur Dialyse müssen. Nicht nur der Krankheitsverlauf, sondern auch die Zuwachsraten sind dramatisch. In Deutschland kommen pro Jahr mehr als 500.000 Neuerkrankungen hinzu. Das entspricht etwa 1500 pro Tag. Weltweit hat sich die Zahl der Erkrankten seit 1980 vervierfacht. Die größten Zuwächse werden dabei in China und Indien vermutet.
 

Was passiert im Körper bei Diabetes?

Bei der weltumspannenden Zuckerkrankheit handelt sich um eine chronische Stoffwechselstörung, bei der der Blutzuckerspiegel zu hoch ist.  Bei gesunden Menschen wird Glukose (Traubenzucker) über die Nahrung aufgenommen und gilt als Energielieferant. Damit Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gepumpt werden kann, benötigt der menschliche Organismus Insulin. Für die Produktion dieses Hormons ist die Bauchspeicheldrüse zuständig.
Aus verschiedenen Gründen kann sich jedoch zu wenig Insulin im Körper befinden. Je nach Ursache für diesen Mangel werden zwei Diabetes-Typen unterschieden.

Zwei verschiedene Diabetes-Typen

Diabetes Typ I ist die seltene Form (etwa 5% der Krankheitsfälle) und tritt häufig schon bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Hier bildet der Körper Abwehrstoffe, die sich gegen die körpereigenen Zellen der Bauchspeicheldrüse und das Hormon Insulin richten. Dadurch kann das Organ nicht ausreichend Insulin produzieren und der Körper leidet unter Insulinmangel.
Diabetes Typ II kommt weitaus am häufigsten vor (über 90 %) und betrifft in der Regel ältere Menschen. Familiäre Veranlagung und ein ungesunder Lebensstil sind die wichtigsten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes. Durch Übergewicht, zu wenig Bewegung und eine fettreiche, nicht ausgewogene Ernährung ist der Glukosespiegel im Blut dauerhaft erhöht. Um diesen zu senken, produziert der Körper Insulin. Mit der Zeit werden die Zellen jedoch resistent gegenüber dem Hormon und die Glukose kann nicht mehr wirkungsvoll abgebaut werden. Daraufhin produziert der Körper immer mehr Insulin, doch auf die Dauer wird das Organ wird immer erschöpfter. Die Produktion sinkt, bis sie zum Erliegen kommt.
Betroffene müssen regelmäßig ihren Blutzucker messen. Zusätzlich sind Insulinspritzen notwendig. Die Behandlung ist in der Regel bis zum Lebensende notwendig. Für viele ist das eine beklemmende Nachricht, für die Pharmakonzerne bedeutet dieser Trend dagegen ein großes Geschäft.

Milliardenmarkt attraktiv für Investoren  

Der weltweite Diabetes-Markt ist riesig. Schätzungen zufolge dürfte allein der Umsatz mit Diabetes-Arzneien dieses Jahr bei 100 Milliarden US-Dollar liegen. Experten erwarten, dass der Markt in den kommenden Jahren um mehr als sechs Prozent p.a.  wächst. Doch nicht nur die Erkrankten, sondern die gesamte Gesellschaft hat ein großes Interesse daran, die Volkskrankheit möglichst kostengünstig lindern zu können. Denn die Belastungen für die öffentlichen Gesundheitssystem sind enorm. Sie sollen weltweit bei 727 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegen.
Kein Wunder also, dass sich Unternehmen rund um den Globus dem Kampf gegen Diabetes verschrieben haben. Pharmafirmen bieten entsprechende Arzneien an und forschen an noch effektiveren Mitteln, andere konzentrieren sich auf den ebenfalls sehr wichtigen Selbstdiagnostikmarkt. So gilt die Blutzuckerselbstkontrolle als zentraler Bestandteil der Therapie und als wichtige Voraussetzung, die volkswirtschaftlichen Kosten zu senken.
Für langfristig denkende Vermögensverwalter sind Aktien von Unternehmen, die im Diabetesmarkt gut positioniert sind, attraktiv. Ihr Geschäftsmodell funktioniert unabhängig von Krisen jeglicher Art und sie bewegen sich in einem Markt, der strukturell wächst.

 



Von Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement bei Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung