ifo trübt ein, aber der Konjunkturausblick bleibt stabil

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Das ifo Geschäftsklima, dessen Umfrage vor der Bundestagswahl stattfand, hat sich nach dem Rekordniveau im Juli im September erneut eingetrübt. Von Marktbeobachtern wurde hingegen trotz des bereits sehr hohen Niveaus eine minimale Aufhellung erwartet. Der Index fiel um 0,7 Zähler auf 115,2 Punkte. Verantwortlich für den zweiten Rückgang in Folge waren beide Teil-Komponenten: Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die der Geschäftsperspektiven konnten ihre guten Umfrageergebnisse des Vormonats nicht halten. Dabei war insbesondere die weniger gute Lagebeurteilung für die Konsensmeinung überraschend. Der Teil-Index fiel relativ deutlich um 1,1 Zähler auf 123,6 Punkte. Marktbeobachter gingen dagegen von einer leichten Verbesserung aus. Auch die Geschäftsperspektiven wurden nicht mehr so optimistisch beurteilt. Der Teil-Indes sank um 0,4 Zähler auf 107,4 Punkte.

Bringt der Wahlausgang neue Unsicherheit für Unternehmen?

Eine zentrale Frage, die sich aktuell stellt: Erhöht sich die Unsicherheit der Unternehmen infolge des Wahlausgangs? Sollte sich eine Regierungsbildung hinziehen, mag dies durchaus der Fall sein. Eine mitregierende FDP könnte immerhin den wirtschaftlichen Reformen, die Deutschland unter der Kanzlerschaft Schröders durchführte, neues Leben einhauchen. 

Die Rahmenbedingungen wurden nicht schlechter

Aus europäischer Sicht mögen hingegen die Ansichten der FDP weniger gut ankommen – vor allem, weil sie nicht den Visionen des französischen Präsidenten Macron entsprechen. Dennoch hat sich das Potenzial für zunehmende Unsicherheiten und Risiken infolge des Wahlausgangs um Einiges verringert. Auch wenn die Zustimmung zu der einen oder anderen Partei für Überraschungen gesorgt hat.
 
Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für die deutschen Unternehmen haben sich nicht zum Schlechteren gewendet. So sollte sich auch das ifo Geschäftsklima in den kommenden Monaten nicht bedeutend eintrüben. Das hohe Niveau des Indikators mag zwar grundsätzlich weiterhin für einen Rückgang anfällig sein. Hierfür wären aber andere Faktoren wie eine anhalten Aufwertung des Euros oder die Eskalation geopolitischer Risiken entscheidender. Dabei sollte die Bedeutung der anstehenden Ankündigungen einer US-Steuerreform allerdings nicht überbetont werden, da die Sorge vor Protektionismus bereits im Vorfeld durch die Ablehnung solcher Maßnahmen durch den US-Senat adressiert wurde.

Konjunkturausblick bleibt positiv

Das ifo Geschäftsklima ist von allen Frühindikatoren der mit der höchsten Aussagekraft für den zukünftigen Konjunkturverlauf in Deutschland. Allerdings ist nicht das Niveau, sondern die Veränderung des Index entscheidend. Auch ist die Relevanz eher kurzfristig und beschränkt sich auf das BIP-Wachstum des Folgequartals. Mit dem ifo Wert für September steht somit der Durchschnitt-Index für das dritte Quartal fest, und er erlaubt eine Einschätzung für das BIP-Wachstum des vierten Quartals 2017. Die Abbildung 3 zeigt die Wachstumsspanne des deutschen BIP, die sich vom ifo Index ableiten lässt. Das Bild ist grundsätzlich unverändert im Vergleich zu den letzten Monaten, da die IKB bereits im Juli und August von einer moderaten Eintrübung des ifo Geschäftsklima ausging. 

Fazit: Deutsche Konjunktur kurzfristig eher unbeeindruckt vom ifo-Geschäftsklima

Die leichte Eintrübung des ifo Geschäftsklima im September war aufgrund des sehr hohen Niveaus des Indikators in den Vormonaten nicht überraschend. Auch weiterhin ist mit einem moderaten Rückgang zu rechnen. Dies mag weniger mit der Bundestagswahl und den anstehenden Koalitionsverhandlungen zu tun haben, als vielmehr mit wirtschaftlichen Entwicklungen wie der anhaltenden Euro-Aufwertung. Die deutsche Konjunktur sollte sich davon kurzfristig weitgehend unbeeindruckt zeigen. Die IKB erwartet ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent in 2017 und 2,0 Prozent in 2018, wobei das Prognoserisiko für 2018 nicht unerheblich ist.
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.