Sorgen über den wachsenden Einfluss des öffentlichen Sektors auf die Wirtschaft

Agnès Belaisch, Barings Investment Institute
Agnès Belaisch / Bild: Barings Investment Institute
Es gibt viel Optimismus für eine Erholung der Aktivitäten, aber auch das Niveau spielt eine Rolle. Nach den Lockdowns sollten alle Einkaufsmanagerindikatoren (PMIs) über 50 liegen, was ein Anzeichen dafür wäre, dass die Wirtschaftstätigkeit expandiert. Doch nur der französische Dienstleistungssektor und der französische sowie britische Fertigungssektor konnten im Juni eine weitere Schrumpfung vermeiden. In Deutschland, der Eurozone insgesamt, dem überaus wichtigen britischen Dienstleistungssektor und in den Vereinigten Staaten erholten sich die PMIs spektakulär von den Tiefständen, schrumpften dann aber wieder.
 
Die Finanzmärkte konzentrierten sich auf den Aufschwung und erholten sich. Ein Armageddon konnte vermieden werden, und die Wirtschaft klettert aus einem Loch. Die anhaltende Schrumpfung der Geschäftsaktivitäten im Juni zeigt jedoch, dass drei Faktoren die Wirtschaft weiterhin bremsen: Die allgemeine Unsicherheit darüber, was die Zukunft für unseren Lifestyle nach dem Ende der Epidemie bereithält, der Schaden, der einem Unternehmenssektor entstanden ist, dem mehrere Monate lang die Basis entzogen wurde, und das Zögern bei Neueinstellungen, das die Zahl der Beschäftigten niedrig hält. Die eine Gewissheit ist, dass die Politiker die Wirtschaft mit aller Macht bremsen.

Depressionsökonomie wiederbeleben

Es ist ein wenig beunruhigend zu beobachten, wie der öffentliche Sektor seinen Einfluss auf die Wirtschaft in erheblichem Maße ausbaut. Neueste Statistiken zeigen, dass die Zentralbanken des Euroraums jetzt 20 Prozent des Marktes für Staatsanleihen in der Region besitzen. Dies senkt die Finanzierungskosten der Regierungen um 150 Basispunkte, so die jüngste Analyse der EZB. Die Wiederbelebung des Bereichs der Depressionsökonomie, nach der die Höhe der Staatsverschuldung keine Rolle spielt, erfordert eine subtile, aber stetige Erhöhung des öffentlichen Eigentums an Privatvermögen und die gleichzeitige Infragestellung des Wertes, den die Märkte dem beimessen. Es ist sicherlich zu früh, um über einen Ausstieg aus der politischen Unterstützung zu sprechen, aber es ist nicht zu früh, um über Wiederaufbau und nachhaltige politische Paradigmen nachzudenken.
Agnès Belaisch ist seit 2019 für Barings tätig und arbeitet an einer Vielzahl von Themen, die von der makroökonomischen Analyse bis hin zu verantwortungsbewussten Finanzen reichen. Sie ist seit 1996 in der Branche tätig und verbrachte insbesondere 10 Jahre beim IWF in Washington, DC, wo sie eine Vielzahl von Regierungen in Lateinamerika, Europa und Asien beriet. Zudem arbeitete sie als Managerin für festverzinsliche Schwellenländerfonds in London. Agnès Belaisch hat einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften von der New York University