Zwischen Angst und Hoffnung

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche uneinheitlich tendiert. Getrieben von relativ starken Konjunkturdaten und auch einigen erfreulichen Unternehmensnachrichten kletterten die Kurse dabei vor allem zu Wochenanfang deutlich, gaben dann aber aufgrund von Gewinnmitnahmen und belastenden Faktoren, wie z. B. den steigenden Corona-Zahlen, einen Teil ihrer Zuwächse wieder ab. Händler verwiesen zudem darauf, dass der Deutsche Aktienindex (Dax) seit seinem Corona-bedingten Jahrestief rund 55 Prozent gut gemacht hat – und die Luft angesichts der realen Wirtschaftszahlen nun zunehmend dünner werde.

Automobilwerte gefragt

So kletterte der Dax am vergangenen Dienstag zwar erstmals seit seinem Zwischenhoch am 22. Juli wieder über die Marke von 13.000 Punkten, konnte diese letztlich aber nicht halten. Er beendete die Handelswoche stattdessen bei 12.901,34 Punkten. Damit hat er im Wochenvergleich immer noch um 2,0 Prozent zugelegt. Der MDax blieb deutlich hinter dieser Entwicklung zurück. Der schloss am Freitag bei 27.249 Zählern. Dies bedeutet ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorwochen-Schlussstand. Der TecDax kam um 1,0 Prozent voran und ging mit 3.074,75 Punkten aus dem Handel. Und der m:access All-Share machte aufgrund der sprunghaften Entwicklung einiger Indexwerte 8,4 Prozent auf 2.841,41 Zähler gut.
 
Zu den großen Wochengewinnern im Dax zählten unter anderem Automobilwerte. Sie profitierten vor allem von einer gestiegenen Nachfrage in China. So legten beispielsweise BMW Stämme um 5,5 Prozent auf 58,10 Euro zu. Deutsche Telekom wiederum profitierten mit einem Plus von 2,8 Prozent auf 15,30 Euro weiter von guten Geschäftszahlen. Seit Anfang August haben sie über 9 Prozent gut gemacht. Unter den Werten der zweiten Reihe lieferten zwar sowohl Zalando als auch HelloFresh die erwarteten guten Zahlen ab. Während dies bei Zalando noch mit einem leichten Kursgewinn (+1,0 Prozent auf 67,40 Euro) honoriert wurde, kamen die Papiere von HelloFresh deutlich unter die Räder. Sie verloren rund 16 Prozent auf 41,08 Euro. Hier machten die Anleger nach den extrem hohen Kursgewinnen der Vormonate Kasse. Mitte März hatten die Papiere noch bei 17,80 Euro notiert. Zudem bestätigte die DZ Bank am Freitag ihre Verkaufsempfehlung für die Aktien und gab ein Kursziel von 36 Euro aus.

Anleihekurse sinken

An den Anleihemärkten gaben die Kurse in der vergangenen Woche deutlich nach. Dadurch kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe ebenfalls deutlich. Sie lag im späten Freitags-Geschäft bei -0,42 Prozent. Damit hatte Sie innerhalb einer Woche um 9 Basispunkte zugelegt. Die Umlaufrendite bewegte sich noch stärker nach oben. Sie wurde am Freitag mit -0,43 Prozent ermittelt, nach -0,55 Prozent eine Woche zuvor.

US-Aktien weiter aufwärts

Die US-Aktienmärkte machten in der vergangenen Woche überwiegend Boden gut. Trotz Gewinnmitnahmen am Freitag kam der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich auf ein Plus von 1,8 Prozent und schloss bei 27 931,02 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,6 Prozent und beendete den Handel am Freitag bei 3.372,85 Zählern. Der technologielastige Nasdaq-100-Index gewann 0,2 Prozent auf 11.164,45 Punkte.

Ausblick: Vorsicht ist angesagt

Auch wenn sich die Aktienmärkte in den vergangenen Wochen schrittweise immer weiter nach oben gehangelt haben, geben sich die Marktbeobachter weiter vorsichtig. Die Luft sei aktuell raus, konstatieren sie. Sie verweisen in diesem Zusammenhang insbesondere auf die weiter steigenden Corona-Fallzahlen, die neuen Reisewarnungen und die daraus resultierende Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Auf der Liste der negativen Aspekte ganz oben steht zudem der sich weiter aufschaukelnde Konflikt zwischen den USA und China. So ließen zuletzt Meldungen aufhorchen, US-Präsident Donald Trump denke auch über ein Verbot von Alibaba in den USA nach. Derweil haben die USA ihr aktuell größtes innenpolitisches Problem immer noch nicht gelöst: den Streit über weitere Corona-Hilfen. Analysten verweisen in diesem Zusammenhang unter anderem darauf, dass ohne eine Einigung eine neue Immobilienkrise droht. Denn 30 bis 40 Millionen Mieter könnte nach Expertenschätzungen wegen nicht geleisteter Mietzahlungen die Zwangsräumung drohen.

Konjunkturhoffnungen

Diesen negativen Aspekten stehen nach wie vor Konjunkturhoffnungen gegenüber. Sollten sich diese bestätigen, erwarten die meisten Analysten trotz der belastenden Faktoren auch keinen eindeutigen Trend an der Börse, sondern eher eine Seitwärtsbewegung. Dabei ist der Terminkalender für diese Woche allerdings relativ mager. So richtig los mit marktrelevanten Konjunkturdaten in Europa und den USA geht es erst am Mittwoch. Dann wird sowohl der Verbraucherpreisindex für die Eurozone veröffentlicht als auch das jüngste Protokoll zur Sitzung der Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed. Am Donnerstag folgen dann unter anderem die neuesten Zahlen der GfK zum Verbrauchervertrauen in Deutschland sowie die neuesten US-Arbeitsmarktzahlen. Und am Freitag dürften die Märkte insbesondere auf die neuen Markit PMI-Indizes schauen.

Wenig Neues von Unternehmensseite

Nachdem die Quartalsberichtssaison weitgehend abgeschlossen ist, sind von Unternehmensseite für diese Woche kaum kursrelevante Nachrichten zu erwarten. Dies gilt zumindest für die deutschen Firmen. In den USA veröffentlichen dagegen noch einige Handels-Schwergewichte ihre neuesten Zahlen, allen voran am morgigen Dienstag Walmart.

Im Blick dürfte derweil der mögliche Corona-Impfstoffherstellers Curevac stehen. Das Tübinger Unternehmen war am Freitag an die Nasdaq gegangen. Die Börse München wiederum hat die Notierung der Papiere an diesem Montag aufgenommen. Die Aktien, deren Emissionspreis bei 16 US-Dollar gelegen hatte, schossen in den USA direkt nach dem Start in die Höhe. An der Börse München wurde ihr erster Kurs am Montag im vorbörslichen Handel mit 69,65 Euro errechnet.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag. 17.08.: Treffen der Eurogruppe; Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal 2020 in Japan.
Dienstag, 18.08.:
Entwicklung der Baugenehmigungen und der Baubeginne in den USA.
Mittwoch, 19.08.: V
erbraucherpreisindex in der Eurozone; Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Sitzung der Federal Open Market Commitees durch die Fed.
Donnerstag, 20.08.:
Erzeugerpreisindex in Deutschland; GfK: Entwicklung des Verbrauchervertrauens in Deutschland; Veröffentlichung der Zusammenfassung der jüngsten geldpolitischen Sitzung des Rats der EZB; Entwicklung der Erst- und der Folgeaufträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA.
Freitag, 21.08.:
Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen in Deutschland und in der Eurozone; Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und in der Eurozone; Markit PMI Gesamtindex für Deutschland und die Eurozone;  Markit PMI Gesamtindex für die USA; Markit PMI Index für den Produktionssektor und den Dienstleistungssektor in den USA; Entwicklung der Verkäufe bestehender Häuser in den USA.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

BMW 83,99 -1,73%
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Populäre Aktien

Deutsche Telekom 17,786 -0,29%
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Populäre Aktien

DB TecDAX 3.626,25 -0,50%
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Populäre Aktien

DB MDAX 34.884,00 -0,58%
DB DAX 15.491,00 -0,82%
HelloFresh I 84,14 0,43%
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Populäre Aktien

m:access All-Share Index GTR 3.224,81 -1,34%
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Tops und Flops

Zalando 99,64 -1,40%
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Populäre Aktien

Alibaba Grp Rg 19,788 -4,41%
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Populäre Aktien

CureVac 45,205 -0,40%
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Populäre Aktien

DB Dow Jones 34.972,00 -0,48%
DB S&P 500 4.405,25 -0,38%
Walmart Rg 120,60 0,20%
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