Kauflaune lässt Kurse steigen, es bleibt volatil

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Anhaltende Rally: Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche ihren Erholungskurs fortgesetzt und erneut spürbar zugelegt. Die Kauflaune der Anleger speiste sich dabei vor allem aus Hoffnungen: Die schrittweise Rücknahme der Anti-Corona-Maßnahmen trieben diese ebenso an wie Berichte über medizinische Fortschritte bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Virus oder die politischen und geldpolitischen Maßnahmen, um die Folgen der Pandemie auf die Wirtschaft zu reduzieren. Marktbeobachter kommentierten wie bereits in der Vorwoche, dass sowohl die Risiken in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie als auch in Bezug auf eine Verschärfung des Konflikts zwischen den USA und China an den Märkten ausgeblendet würden. Zu Ende der Handelswoche nahmen die Anleger dann allerdings Gewinne mit, was auch mit einer wachsenden Nervosität vor dem verlängerten Wochenende begründet wurde.

DAX legt weiter zu

Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg im Wochenvergleich um 4,6 Prozent auf 11.586,85 Punkte. Für gesteigerte Aufmerksamkeit sorgte der Indexwert Lufthansa. Die Entwicklungen rund um das staatliche Hilfspaket führten zu erheblichen Kursschwankungen, letztlich stand aber ein deutliches Wochenplus zu Buche. Der MDax legte im Wochenvergleich um 3,3 Prozent auf 25.396,00 Zähler zu. Der TecDax rückte um 3,2 Prozent auf 3.185,72 Punkte vor. Der m:access All-Share verbesserte sich um 2,8 Prozent auf 2.524,43 Zähler.

Anleihen: Im Rückwärtsgang

An den deutschen Anleihemärkten haben die Kurse in der vergangenen Woche weiter nachgegeben. Der fortgesetzte Optimismus an den Börsen und die damit einhergehende Risikofreude ließ die Anleger erneut zu Aktien anstelle der als sicher geltenden Bundespapiere greifen. Belastend wirkte sich auch der Vorschlag der EU-Kommission für einen Corona-Wiederaufbaufonds aus. Im Wochenvergleich stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von -0,49 auf -0,45 Prozent. Die Umlaufrendite erhöhte sich von -0,48 auf -0,41 Prozent.

US-Märkte laufen weiter nach oben

An den US-Aktienbörsen ist es in der vergangenen Woche aufwärts gegangen, wobei sich auch hier zu Ende der Handelswoche die Stimmung der Anleger etwas eingetrübt hat. Schwache Wirtschafsdaten und Sorgen in Bezug auf die Spannungen mit China belasteten. Der Dow-Jones-Index zog im Wochenvergleich um 3,8 Prozent auf 25.383,11 Punkte an. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte um 3,0 Prozent auf 3.044 Zähler zu. Der technologielastige Nasdaq-100-Index verbesserte sich um 1,5 Prozent auf 9.555,52 Punkte. Am Pfingstmontag, an dem in den USA gehandelt wurde, zogen die Kurse weiter an, die Zurückhaltung vom Freitag war weitgehend verflogen.

Warnung vor Rückschlägen

Je deutlicher die Gewinne im Zuge der Erholungsrally ausfallen, desto zahlreicher werden die Stimmen, die in Hinblick auf die deutschen Aktienmärkte vor Rückschlägen warnen, auch in Bezug auf die aktuelle, verkürzte Handelswoche. Etliche Experten sind der Meinung, dass viele Anleger die Risiken, die sich aus der aktuellen Situation ergeben, weitgehend negieren. Dies betreffe die Folgen der Corona-Pandemie ebenso wie die der politischen Spannungen zwischen China und den USA. Bei beiden Themen könnten insofern entsprechende Nachrichten die Stimmung an den Märkten kippen lassen.
Auf der anderen Seite sorgen die lockere Geldpolitik und die umfangreichen staatlichen Maßnahmen gegen die Folgen der Corona-Krise weiterhin für Schub an den Aktienbörsen. Hinsichtlich des ersten Punktes könnte der Schwung in den kommenden Tagen sogar noch zunehmen, wenn die Europäische Zentralbank das Ergebnis ihrer Ratssitzung präsentiert. Beobachter gehen dabei davon aus, dass hier eine Ausweitung der Anleihekäufe beschlossen werden wird. Und auch von Seiten der amerikanischen Notenbank Fed dürften sich etliche Anleger weitere Unterstützungsmaßnahmen erhoffen, nachdem sich zuletzt Fed-Chef Jerome Powell besorgt über eine zweite Corona-Infektionswelle gezeigt hatte.

Mit Spannung erwartet: Arbeitsmarkt-Daten

IWie stark die Pandemie die Wirtschaft bereits belastet hat, dürften anstehende Konjunkturdaten zeigen. Hier stehen vor allem die US-Arbeitsmarktdaten im Fokus. Daneben dürften die Marktteilnehmer aber auch mit Spannung auf die europäischen Arbeitsmarktzahlen, die Werkaufträge in Deutschland sowie auf der Agenda stehende Einkaufsmanagerindizes blicken.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Dienstag, 2.6.: Gesamte Fahrzeugverkäufe in den USA
Mittwoch, 3.6.:
Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Arbeitslosenzahlen für die Eurozone; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA); ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe in den USA; Markit PMI Gesamtindex (USA); Ergebnis der Ratssitzung der Bank of CanadaHerstellungsindex (USA); Verkäufe neuer Häuser in den USA; S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex (USA)
Donnerstag, 4.6.:
Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank; Handelsbilanz der USA
Freitag, 5.6.
Werkaufträge in Deutschland; US-Arbeitsmarktbericht; Verbraucherkredite in den USA 

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

DB TecDAX 3.239,75 -0,21%
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Deutsche Lufthansa 10,805 5,72%
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DB MDAX 27.077,00 1,18%
DB DAX 12.794,50 2,93%
m:access All-Share Index GTR 2.755,96 0,96%
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Tops und Flops