In der Eurozone ist ein Kompromiss zu erwarten

Mark Dowding, BlueBay
Marc Dowding / Bild: BlueBay
In Norwegen, Dänemark und Österreich werden Pläne zur Lockerung der Restriktionen angekündigt, in China kehrt das Leben zur Normalität zurück. In Japan, Indien und Indonesien sowie in den südlichen Bundesstaaten der USA steigen die Infektionszahlen jedoch an. Ein Wendepunkt in der Pandemie dürfte noch nicht erreicht sein. Dennoch gibt es Grund zur Annahme, dass viele Märkte ihre Tiefstände überwunden haben – solange die politischen Entscheidungsträger in den kommenden Wochen weiterhin das Richtige tun.

Streit um Corona-Bonds

Besorgniserregend ist, dass die Eurozone auf große Schwierigkeiten stößt, eine gemeinsame Linie bei der Bekämpfung der Corona-Folgen zu finden. Es geht den nordeuropäischen Mitgliedsstaaten gegen den Strich, ein gemeinsames Unterstützungspaket zu unterschreiben, das Corona-Bonds den Weg ebnet, ohne dass in den hoch verschuldeten Südländern Reformen angegangen werden. Im Mittelpunkt steht ein nach wie vor bestehendes Misstrauen in Bezug auf die wahrgenommene fiskalische Disziplinlosigkeit in Italien. Dennoch: Ein Versäumnis großzügiger Solidarität birgt die Gefahr, dass die Kreditkosten in der Eurozone-Peripherie steigen, die finanziellen Bedingungen verschärft und das wirtschaftliche Umfeld noch schwieriger wird. Außerdem besteht die Gefahr einer Entfremdung der Wähler in einer Reihe von Ländern sowie einer längerfristigen Spaltung und einer Rückkehr zum Euroskeptizismus, was die Zukunft der Gemeinschaftswährung gefährden könnte. Glücklicherweise scheint es so, als ob diese Lektionen in der Eurokrise 2012 gelernt wurden. In der Eurozone ist daher ein Kompromiss zu erwarten.

Sicherheiten gelockert

Inwieweit Brüssel beweglicher wird, zeigt ein Teilaspekt des Corona-Hilfsprogramms für die Eurozone: Die Vorschriften für Sicherheiten, die Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) im Gegenzug für Kredite hinterlegen müssen, werden deutlich gelockert: Zukünftig können auch griechische Staatsanleihen bei der EZB als Sicherheiten für Kreditgeschäfte hinterlegt werden – sogar wenn sie von Ratingagenturen eine schlechtere Bonität als „Investment Grade“ erhalten und damit als Ramschanleihen gelten. Griechische Banken, die viele solcher Papiere in ihren Büchern haben, sollen damit leichter an EZB-Kredite kommen.

Mehr Engagement bei Unternehmensanleihen

Vermögenswerte, die am unmittelbarsten von der politischen Unterstützung profitieren, dürften bei Anlegern am meisten gefragt sein, sobald sich die Risikobereitschaft verbessert. Im Windschatten einer Rallye bei Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating hat BlueBay AM Neuemissionen in den vergangenen Wochen genutzt, um das Engagement in Unternehmensanleihen zu erhöhen und dabei von der Ausweitung der Spreads zu profitieren.
Mark Dowding ist Partner und Chief Investment Officer von BlueBay. Er verfügt über mehr als 24 Jahre Erfahrung als Anleger im makroökonomischen Fixed-Income-Umfeld und ist seit 2010 Senior Portfolio Manager bei BlueBay. Vor seiner Tätigkeit bei BlueBay war Mark Leiter Fixed Income in Europa bei der Deutschen Asset Management (jetzt DWS), eine Position, die er zuvor auch bei Invesco innehatte. Mark begann seine Karriere 1993 als Portfoliomanager für festverzinsliche Wertpapiere bei Morgan Grenfell. Er besitzt einen Bachelor of Science (Hons) in Wirtschaftswissenschaften von der University of Warwick.