Gute US-Einzelhandelsdaten sorgen für Kursplus an den Börsen

Martin Huber, Deutsche Bank
Martin Huber / Bild: Deutsche Bank
Langsam aber Beständig schreitet die Lockerung der Maßnahmen im Kampf gegen Covid 19 innerhalb der EU voran. Seit Beginn der Woche empfiehlt die EU-Kommission, die Grenzen zwischen den einzelnen Mitgliedern wieder zu öffnen. Doch einzelne Länder können von der Empfehlung abweichen. Beispielsweise öffnet Spanien die Grenze für alle erst am 21. Juni und Dänemark bleibt vorerst wählerisch, wer von wo einreisen darf. Reisende aus Ländern außerhalb der EU müssen sich jedenfalls bis mindestens 1. Juli gedulden. Die Stimmung innerhalb der deutschen Wirtschaft hellte sich zuletzt abermals auf. Der ZEW-Index zur Konjunkturerwartung in Deutschland kletterte im Juni um 12,4 auf 63,4 Punkte. Rund dreiviertel der Befragten rechnen nun mit einer konjunkturellen Erholung in den kommenden sechs Monaten. Analysten bewerten das ZEW-Resultat als weiteres Signal, dass die Talsohle der Konjunktur erreicht sein könnte.

Aktien: Verhalten optimistisch

Die Aktienmärkte zeigten sich diese Woche verhalten optimistisch. Die Rally der vergangenen Wochen ließ erneute Kurszuwächse jedoch nur noch in begrenztem Ausmaß zu. Meldungen über neue Covid 19-Fälle in China zum Wochenauftakt sorgten zunächst für einen Stimmungsdämpfer. Dieser konnte mit über-raschend starken US-Daten zum Einzelhandel aber schnell überwunden werden. Im Mai stiegen dort die Umsätze unerwartet stark an und nährten die Hoffnung einer schnelleren Erholung der US-Wirtschaft. Relativiert wurde diese Hoffnung am Donnerstag ein wenig durch die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe in den USA, die nur leicht von 1,566 auf 1,508 Millionen zurückgingen. Für den europäischen Bankensektor droht in den Augen mancher Ratingagentur kein schlechteres Rating in naher Zukunft. Zwar stiegen die Belastungen der Banken aufgrund von höheren Aufwendungen in der Risikovorsorgen. Dies wird aber durch die regulatorischen Erleichterungen bei der Mindesteigenkapitalquote kompensiert. Viele Banken verfügen über eine deutlich höhere Quote.

Die Märkte im Überblick

Renten: Geldregen seitens der EZB

Die EZB stellte im Zuge ihres langfristigen Finanzierungsprogramms im Juni den Banken 1,3 Billionen Euro zur Verfügung. Grund für das hohe Volumen war die rege Nachfrage, denn die Konditionen haben sich verbessert. Die Laufzeit wurde verlängert, und der Zinssatz sinkt unter bestimmten Voraussetzungen um 0,5 Prozentpunkte unterhalb des Einlagezinses. Mit der günstigen Finanzierung seitens der EZB soll die Kreditvergabe an die Wirtschaft angekurbelt werden. Doch auch Staatsanleihen profitieren von dem Mittelzufluss, legen doch einige Banken das Geld in diesen Papieren an.

Währungen: Pfund notiert schwächer

Die britische Inflation ist im Mai erneut von 0,8 auf 0,5 Prozent gesunken. Schwache Nachfrage und fallende Ölpreise sorgen für nachlassenden Preisdruck, den die Bank of England für Konjunkturmaßnahmen nutzt. Zwar ließen sie den Leitzins unverändert bei -0,1 Prozent, doch erhöhte sie ihr Anleihe-Ankaufprogramm um 100 auf 745 Milliarden GBP. Das Pfund notierte daraufhin schwächer gegenüber dem Euro. Analysten rechnen mit weiteren Belastungen, sollten bald keine weiteren Fortschritte beim Thema Brexit erzielt werden.

Das Pfund im Lauf der Zeit

Martin Huber ist Sprecher der Regionalen Geschäftsleitung Süd der Deutschen Bank.