Grün ist gut

Olivier de Berranger und Clément Inbona, La Financière de l’Échiquier
Olivier de Berranger /Bild: La Financière de l’Échiquier
In der Wintersaison 2020 liegt die Farbe Grün voll im Trend. Ob Unternehmen, Anleger, Politiker oder Bürger: Alle geben sich einen grünen Anstrich, während beim Wetter ein Wärmerekord nach dem anderen erreicht wird. Die neuen Finanzhaie à la Gordon Gekko verkünden: Grün ist gut!
Ein kaum zu glaubendes Beispiel von vielen: Die Ölgesellschaft BP, die den Golf von Mexiko auf Jahre hinaus verschmutzt hat, kündigte kürzlich an, bis 2050 CO2-neutral sein zu wollen und dies nicht nur bei der Förderung, sondern auch beim Verbrauch ihrer Energieprodukte! Hierfür muss BP sich völlig neu erfinden. Der Total-Konzern hat keinen derart aufsehenerregenden Plan, gibt sich jedoch wie der Champion der sauberen Energie von morgen.

Amazon und der Schutz des Planeten

Oder Jeff Bezos, einer der reichsten Menschen der Welt, der kürzlich den Bezos Earth Fund auflegte, welcher mit 10 Milliarden Dollar ausgestattet und zum Schutz des Planeten gedacht ist. Eine persönliche, aus seinen eigenen Mitteln finanzierte Initiative. Gleichzeitig ist sein Unternehmen Amazon aufgrund seines Versandgeschäfts und seiner Cloud-Sparte ein großer Treibhausgasemittent, auch wenn es sich unter dem Druck seiner Mitarbeiter zur CO2-Neutralität bis 2040 verpflichtet hat.

Kohle oder Umwelt

Zuletzt äußerte mit JP Morgan die größte amerikanische Bank ihre Besorgnis darüber, dass der „Klimawandel das Wirtschaftswachstum, die Aktienmärkte, die Gesundheit und die Lebenserwartung der Menschen beeinträchtigen könnte“. Die Bank fordert die Einführung einer weltweiten CO2-Steuer, um Emittenten zur CO2-Sparsamkeit zu veranlassen und Netto-Kohlenstoffemissionen bis 2050 auf null zu reduzieren. Auch Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt, bekannte sich zu Umweltaspekten – ohne allerdings die Kohleindustrie aus seinen Portfolios zu verbannen.

Niemand will der Ketzerei bezichtigt werden

Das plötzliche Bewusstsein für das Klimarisiko bei einigen der größten CO2-Emittenten der Welt basiert sicherlich nicht auf Selbstlosigkeit. Mittlerweile kommt fehlender Ehrgeiz in Klimafragen der Ketzerei gleich. Ungeachtet der Echtheit des plötzlichen Sinneswandels zählen jedoch Taten mehr als Worte. Falls diese Initiativen auch nur teilweise zu einer tatsächlichen Verringerung der CO₂-Emissionen führen, dann umso besser. Denn Grün ist nicht mehr nur eine Mode, sondern ein langfristiger Trend. Das neue Motto lautet: „Alles muss sich ändern, damit sich nichts ändert.“
Olivier de Berranger ist Chief Investment Officer, Alexis Bienvenu Fondsmanager von La Financière de L‘Echiquier, Enguerrand Artaz Fondsmanager

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