Schwellenländer außerhalb Asiens: Eine Mischung aus Stärke und Anfälligkeit

Nikko AM Multi-Asset-Team
Türkischer Markt: BBAG/ MG
Man ist nicht überrascht, dass die Währungen der Schwellenländer außerhalb Asiens vom Ausbruch des Coronavirus hart getroffen wurden. Besonders schlecht schneidet der südafrikanische Rand ab, da die Rohstoffnachfrage aus China strauchelt und die Regierung einen schwierigen fiskalischen Kurs fährt. Eine Herabstufung Südafrikas durch Moody scheint unmittelbar bevorzustehen.
 
Die türkische Lira war in den letzten Wochen vergleichsweise stabil. Im 4. Quartal 2019 aber war sie die schwächste Regionalwährung, da die türkische Zentralbank die Zinsen aggressiv weiter senkte. Türkische Aktien sind billig, was einige interessante Chancen eröffnet. Innerhalb der EMEA-Schwellenländer sind aber nach wie vor russische Aktien und Anleihen am attraktivsten. Dort erholt sich die Konjunktur, aber vor allem schützen Russlands starke Haushalts- und Leistungsbilanzüberschüsse das Land besser gegen die zunehmend wackeligen äußeren Bedingungen.

Türkei – Anleihen wirken verwundbar

Die türkische Zentralbank hat die Zinsen von 24 Prozent im Juni 2019 auf 11,25 Prozent im Januar 2020 radikal gesenkt. Die Anleihenmärkte reagierten mit beeindruckenden Gewinnen. Auch die türkische Lira entwickelte sich zunächst positiv. Anfang August kehrte dann jedoch die Anleiheschwäche zurück und der Markt verlor bis Ende Januar über 8 Prozent. Der reale Renditepuffer der Türkei verschwand, während sich der Verbraucherpreisindex des Landes beschleunigte. Die Inflation stieg im Dezember auf 11,8 Prozent und dürfte noch einige Zeit auf diesem Niveau verharren. Unterdessen verschlechterte sich das Haushaltsdefizit von 2,0 Prozent des BIP im Jahr 2018 auf 2,8 Prozent im Jahr 2019. Rechnet man einmalige Einnahmen heraus, liegt das Defizit gar bei 5,0 Prozent, was die katastrophale Haushaltslage des Landes unterstreicht.
 
Türkische Vermögenswerte wurden entsprechend herabgestuft, aber wir sehen ausgewählte Value-Chancen, insbesondere bei hochwertigen Unternehmen, die einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage weniger ausgesetzt sind, wie z. B. im Bereich der grundlegenden Konsumgüter.

Russland – Widerstandskraft dank Außenbilanz

Marktschocks sind nie gut für die Vermögenswerte in Schwellenländern. Stehen diese Länder länger unter Druck, so ist es die Außenbilanz, an der sich Gewinner längerfristig von den Verlierern unterscheiden. Russland weist nach umfangreichen Strukturreformen erhebliche Handels- und Haushaltsüberschüsse auf. Der Schuldenstand im Ausland ist so stark gesunken, dass Russland seine Schulden aus seinen Devisenreserven begleichen könnte. Mit anderen Worten: Russland ist von externen Geldgebern unabhängig.
 
Der fallende Ölpreis hat die Volatilität russischer Vermögenswerte zwar kurzfristig erhöht, die positive Außenbilanz dient aber als natürlicher langfristiger Stabilisator für die russische Währung und die Wirtschaft insgesamt. Und obwohl sie im vergangenen Jahr zu den besten Performern gehörten, wirken russische Aktien immer noch günstig: Ihre Dividendenrenditen sind mit fast 8 Prozent die interessantesten der Welt.

Lateinamerika: Schwaches Wachstum macht abhängig von globaler Nachfrage

Lateinamerika erlitt 2019 mehrere Schocks, darunter schwere Unruhen in Chile und leichtere in Kolumbien. In den Volkswirtschaften der Region wurden marktfreundliche Reformen stetig vorangebracht, aber die wachsende Unzufriedenheit hat diese Bemühungen letztlich zunichte gemacht. Die Ausnahme bildete Brasilien, wo die Gesetzgeber Reformen immer noch als die beste Hoffnung betrachten, das Wachstum wieder anzukurbeln und letztlich ihre politischen Ämter zu behalten.
 
Seit 2011 dürften die lateinamerikanischen Schwellenländer am meisten gelitten haben. Sie mussten sich auf die schwächere Auslandsnachfrage – insbesondere aus China – und deutlich niedrigere Rohstoffpreise einstellen. Der Coronavirus-Schreck war sicherlich nicht hilfreich; der Handel litt und die Rohstoffpreise brachen weiter ein.
Außerhalb Mexikos und Perus schwächelten die Währungen im Laufe des vergangenen Jahres. Der brasilianische Real zum Beispiel schwächte sich trotz umfassender Reformen ab. Brasilien scheint aber letztlich doch von den Reformen zu profitieren – es gibt Hinweise auf eine Konjunkturerholung. Lateinamerika als Ganzes ist jedoch besonders anfällig für externe Schocks, da das Wachstum in der gesamten Region aufgrund der immer noch wackeligen Politik gedämpft bleibt.
 
Im vierten Quartal 2019 kehrte die Zuversicht an die globalen Märkte zurück, ausgelöst durch Phase Eins des US-China-Handelsabkommens, konjunkturelle Erholungsanzeichen und reichlich Zentralbankliquidität. Der Ausverkauf lateinamerikanischer Währungen setzte sich jedoch fort, was teilweise auf die eskalierenden politischen Risiken in Chile zurückzuführen war. Überraschenderweise folgte dem Niedergang des chilenischen Peso der brasilianische Real. Dieser fiel, obwohl Brasilien es gelang, seine Reformagenda voranzutreiben.
 
Sowohl die chilenische als auch die brasilianische Zentralbank intervenierten Ende November, um ihre Währungen zu stützen. Diese Interventionen schienen zumindest bis Anfang 2020 zu funktionieren; danach kam der Ausverkauf wieder in Gang. Chile und Brasilien haben immer noch die Feuerkraft, um sich gegen diesen Markttrend zu stemmen, aber die Aussichten für ihre Währungen bleiben schwierig. Das Coronavirus stellt einen Schock für die globale Nachfrage dar; weitere externe Schwächen könnten die sozialen Unruhen im eigenen Land verschlimmern.
Mit einem verwalteten Vermögen von 230,9 Milliarden US-Dollar ist Nikko Asset Management (Nikko AM) einer der größten Vermögensverwalter in Asien. Das Unternehmen bietet hochwertiges aktives Fondsmanagement für eine Vielzahl von Aktien-, Renten-, Multi-Asset- und alternativen Strategien. Im passiven Segment deckt Nikko AM mehr als 20 Indizes ab und umfasst einige der größten börsennotierten Fonds (ETFs) in Asien.