Weshalb Strategien für hohe Dividenden bei äußerst niedrigen Zinsen attraktiv sind

Martijn Rozemuller
Martijn Rozemuller / Bild: Van Eck
Im aktuellen Niedrigzinsumfeld wenden sich die Anleger zunehmend Aktien als alternativer Ertragsquelle zu. An den heutigen Märkten erscheinen Strategien für hohe Dividenden aus vielen Gründen attraktiv.

Portfolios mit hohen Dividenden haben bei niedrigeren Risiken höhere Renditen erzielt

John D. Rockefeller, der weltweit erste Milliardär und renommierte Philanthrop, erwähnte, welche Freude ihm die Dividenden von Standard Oil bereiten. Damit sprach er sich indirekt auch für Unternehmen mit hohen Dividendenzahlungen aus. Diese Aktien belohnen ihre Anleger nicht nur durch attraktive Erträge. Auch ihre sonstigen Qualitäten können zu überdurchschnittlichen Gesamtrenditen führen. In der Vergangenheit wiesen Aktien mit höheren Dividenden sowohl bessere Renditen als auch niedrigere Risiken auf (siehe folgende Abbildung 1).

Dividenden steuern im Zeitablauf den Großteil der Aktienmarktrenditen bei

Ein Grund für die besseren Risiko-Rendite-Eigenschaften von Aktien mit hohen Dividenden ist dieTatsache, dass eine hohe Dividendenausschüttung das Management diszipliniert. Falls Unternehmenein zu hoher freier Cashflow zur Verfügung steht, könnten Manager verleitet sein, wertzerstörende Projekte zu beginnen oder übertriebene Gehälter sowie Vergünstigungen zu zahlen. Ebenfalls sollte berücksichtigt werden, dass Dividenden langfristig die treibende Kraft für Aktienrenditen sind. In Abbildung 2 ist die Performance des S&P 500 Index der USA jeweils mit und ohne Dividenden dargestellt. Die Performance mit Dividenden übertrifft diejenige ohne Dividenden im Laufe der Zeit deutlich. Nur wenige Unternehmen waren in der Lage, ausschließlich durch Kurssteigerungen eine überdurchschnittliche langfristige Rendite zu erzielen.

Dividenden waren in der Vergangenheit ein guter Inflationsschutz

Dividenden erwiesen sich auch als guter Inflationsschutz. Abbildung 3 zeigt, dass Dividenden-ausschüttungen in der Vergangenheit mit der Inflation mithielten. Dafür gibt es eine intuitiv einleuchtende Erklärung: In Inflationsphasen können die meisten Unternehmen die Preise ihrer Waren oder Dienstleistungen anheben und damit auch ihre nominalen Gewinne steigern. Dies führt dann zu höheren Dividenden.
Über die langfristigen Argumente hinaus scheinen Strategien für hohe Dividenden aber besonders im gegenwärtigen makroökonomischen Umfeld geeignet zu sein.
 
Eine auf hohe Dividenden ausgerichtete Aktienstrategie kann heutzutage durch Anlagen in Blue Chips wie AT&T, HSBC, GlaxoSmithKline und IBM eine Rendite von 4 Prozent bis 5 Prozent erzielen. Um vergleichbare Renditen mit festverzinslichen Euro-Papieren zu erreichen, wären große Abstriche bei Kreditqualität und Duration notwendig.
 
Auch die Fundamentaldaten von Strategien für hohe Erträge scheinen günstig zu sein. Dividendenstarke Aktien sind gegenwärtig attraktiv bewertet, sowohl im Vergleich mit anderen Aktien als auch gegenüber vergangenen Kursen.

Aktien mit hohen Dividenden wurden zuletzt günstiger

Zusätzlich ermuntert werden die Anleger durch die aktuellen Barmittelbestände in den Unternehmensbilanzen, die im historischen Vergleich hoch sind (Abbildung 5). Dadurch weisen Unternehmen ausreichend Spielraum auf, um selbst bei rückläufigen Gewinnen ihre Dividendenausschüttungen beizubehalten. Trotz dieser hohen Barmittel liegen die gegenwärtigen Ausschüttungen aber unter dem historischen Durchschnitt. Das bietet einen zusätzlichen Spielraum für künftig höhere Dividendenausschüttungen (siehe Abbildung 6).
John D. Rockefeller hat die Vorzüge von hohen Dividenden vor mehr als 110 Jahren gepriesen, doch seine Einschätzung hat sich auch langfristig als korrekt erwiesen. Wegen des heutzutage außerordentlichen Wirtschaftsumfelds mit niedrigen oder sogar negativen Zinsen haben hohe Dividenden nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.
Martijn Rozemuller ist der Europachef von VanEck. Seit der Gründung im Jahr 1955 wird VanEck von Innovationen angetrieben und steht für intelligente, vorausschauende Investmentstrategien. Der Asset Manager verwaltet aktuell rund 55 Milliarden US-Dollar weltweit, darunter ETFs, aktive Fonds und institutionelle Accounts.

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

HSBC Hldg Rg 4,6615 -9,11%
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GlaxoSmithKline Rg 16,782 -1,56%
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AT&T Rg 26,175 -2,40%
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IBM Rg 98,54 -3,91%
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DB S&P 500 2.470,75 -4,28%
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