Welche Branchen profitieren von den Steuerplänen Trumps?

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Bank
Dr. Klaus Bauknecht / Bild: IKB Bank
Auch wenn sich die Stimmung der US-Unternehmen und -Konsumenten infolge der Trump-Wahl aktuell stark aufgehellt hat, so ist der Ausblick für die US-Wirtschaft mit Fragezeichen versehen. Diese beziehen sich auf die Unberechenbarkeit des Präsidenten und daraus resultierende wirtschaftliche Implikationen. Wird sich das Wachstum nachhaltig beschleunigen? Wird die Schuldenquote aufgrund der expansiven Fiskalpolitik deutlich ansteigen oder werden erhöhte Steuereinnahmen die Quote sogar senken? Wird der US-Dollar in Folge protektionistischer Maßnahmen und des Fokus auf Kapitalrückführung in die USA nachhaltig aufwerten? Eine Einschätzung ist schwierig, weil wichtige Parameter der Reformprogramme noch nicht zu Ende gedacht sind, und weil Trump aktuell an vielen Schrauben dreht, deren Wechselwirkungen nur schwer greifbar sind.

Die wesentlichen Elemente der Steuerreform

Aus makroökonomischer Sicht konzentrieren sich die Fragen vor allem auf Trumps protektionistische Vorstellungen. Hier verfolgt der 45. US-Präsident eine breit angelegte Reformpolitik. Mögliche Nachteile für Unternehmen ergeben sich unter anderem daraus, dass sie zukünftig wahrscheinlich höhere Importkosten schultern müssen. Noch sind die finalen Parameter von Trumps Wirtschaftspolitik nicht ausformuliert. Dennoch lässt sich bereits jetzt abschätzen, wer von Trumps Reformpaket grundsätzlich profitieren, und wer das Nachsehen haben wird. Es scheint, dass die Steuerreform und Trumps protektionistische Ziele eng miteinander verbunden sind.
 
Folgende drei Elemente werden aktuell als wahrscheinlich angesehen: 
  1. Die Unternehmenssteuer liegt aktuell bei 35 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich ein hoher Wert. Aktuell wird auf eine Senkung auf bis zu 20 Prozent spekuliert.
  2. Importe dürften nicht mehr als Kosten steuerlich berücksichtigt werden. Dies wäre eine effektive Steuer auf Einfuhren in Höhe der Unternehmenssteuer.
  3. Außerdem sollten Gewinne aus Exporten steuerfrei werden, was einer Subvention der Exporte in Höhe der Unternehmenssteuer gleichkommt.

Parameter für Profiteure unter den Unternehmen

Ein solches Reformpaket schafft Anreize für die Substitution von Importgütern und für eine stärkere Konzentration auf Exporte. Gleichzeitig würden alle Unternehmensgewinne aufgrund der Steuersenkung weniger belastet. Da die USA ein Handelsbilanzdefizit vorweisen, würden die Elemente 2 und 3 ohne Berücksichtigung von Zweitrundeneffekten zu höheren Steuereinnahmen führen. Ein aufwertender US-Dollar würde hingegen die Anreize zu Importsubstitution und Exportstärkung verwässern. So bleibt ein relativ stabiler bzw. tendenziell schwächerer US-Dollar wichtiger Bestandteil für Reformen, wenn diese erfolgreich sein sollen. Auch wenn die finale Ausgestaltung der drei Reformelemente noch offen ist, kann dennoch eine erste Einschätzung abgegeben werden, welche Unternehmen bzw. Industriezweige grundsätzlich profitierten sollten und welche nicht.
 
So ergeben sich aus den skizzierten, angedachten Reformen Vorteile für Unternehmen
  • mit niedriger Importquote,
  • mit hohen, in den USA erwirtschafteten Gewinnen,
  • mit hoher Exportquote
  • und solche, die in der Lage sind, Kosten weiterzureichen

Positive Impulse sind möglich

Während der letzte Aspekt Zweitrundeneffekte beinhaltet und sich erst mittel- bis langfristig auswirkt, lassen sich die ersten drei Aspekte direkt aus dem Reformpaket ableiten. Es ist durchaus möglich, dass sich trotz einer hohen Importquote aufgrund eines hohen Wertschöpfungsanteils der USA bzw. einer hohen Exportquote insgesamt positive Impulse ergeben. Ein niedriger Wertschöpfungsanteil der USA und eine hohe Importquote würden hingegen die wirtschaftliche Entwicklung von Unternehmen belasten. Dies gilt vor allem dann, wenn die Importe primär für den finalen US-Konsum und nicht für den Export bestimmt sind.

Die meisten Industrien dürften von der Reform profitieren

Wenig überraschend ist der Importanteil an der Wertschöpfung der US-Industrien relativ hoch. Tabelle 1 zeigt die für den Produktionsprozess notwendigen Importe in Relation zur Wertschöpfung einer Industrie (Spalte 1). Diese Zahl beinhaltet nicht die Importe, die direkt für den finalen US-Konsum bestimmt sind, sondern nur die Vorleistungsgüter bzw. Inputkosten für die USProduktion bzw. -Wertschöpfung. Je höher der Anteil der für den Produktionsprozess notwendigen Importe ist, desto mehr werden die Gewinne von einer Besteuerung der Importe belastet. Nicht überraschend hat die Automobilindustrie die höchste Quote, gefolgt von der Metallbearbeitung.
 
Die US-Autoindustrie ist wie die deutsche global vernetzt und in ihrer Wertschöpfung von Zulieferern aus dem Ausland abhängig. Allerdings ist ihre Wertschöpfung auch mit einer hohen Exportquote verbunden (Spalte 2), sodass die Netto-Handelsbilanz der US-Automobilproduktion sogar leicht positiv ist. Es wird mehr von der US-Automobilproduktion exportiert als sie für ihre Produktion insgesamt importiert. Die US-Produktion der Chemieindustrie hat hingegen eine relativ niedrige Importquote bei ihrer Wertschöpfung, weist aber mit 44 Prozent eine respektable Exportquote auf, sodass sie einen deutlichen Handelsüberschuss zeigt. Selbst die Textilindustrie scheint eine positive Bilanz aufzuweisen, da ein Großteil der Textilimporte für den finalen Konsum bestimmt ist und nicht in die US-Wertschöpfung einfließt. Auch der US-Maschinenbau profitiert von einer relativ niedrigen Importquote, bei einer besonders hohen Exportquote. Tabelle 1 zeigt, dass die meisten Industrien, was ihre Produktion angeht, von den Reformen profitieren sollten (Spalte 3).

Nur der finale Konsum sorgt für negative Handelsbilanzen

Unternehmen importieren Güter für die eigene Wertschöpfung bzw. Produktion oder zur direkten Weiterleitung an die Endnachfrage: Konsum oder Investitionen. So ist ein eingeführtes Auto aus Mexiko kein Vorleistungsgut für die US-Produktion, sondern ein Importprodukt für den finalen US-Konsum. Die US-Textilindustrie exportiert mehr von ihrer Produktion, als sie für ihre Wertschöpfung importieren muss. Allerdings ist ein Großteil der Textilimporte als Endprodukte für den US-Konsum bestimmt. Spalte 4 zeigt die gesamten Importe einer Industrie – also Importe für die eigene Produktion und für die finale Nachfrage. Das Netto-Saldo hat sich für viele Industrien deutlich verschlechtert. Hierzu gehören EDV- und Elektro- sowie Textilindustrie, die hohe Importquoten von finalen Gütern insbesondere aus Asien verzeichnen. Auch die Handelsbilanz der Automobilindustrie hat sich aufgrund der hohen Anzahl fertig importierter Autos deutlich verschlechtert. Vorleistungsindustrien wie Chemie oder Metallerzeugnisse hingegen weisen eine deutlich positivere Entwicklung auf. Auch der US-Maschinenbau ist mit einem Defizit von unter 20 Prozent der US-Wertschöpfung ein relativer Gewinner. Die Spalten 3 und 5 zeigen, dass bis auf Holzindustrie und Metallerzeugung alle US-Industrieproduktionen eine positive Handelsbilanz aufweisen. Kritisch wird es erst, wenn der durch Importe abgedeckte finale Konsum in die Handelsbilanzen einbezogen wird. Wegen des hohen Imports an finalen Konsumgütern verschlechtert sich die Bilanz vor allem für die Textil-, Automobil-, Elektro- sowie Metallbearbeitungsindustrie.

US-Produktionsstandorte der deutsche Autobauer im Vorteil

Die deutsche Automobilindustrie, über die im Kontext des erwarteten US-Protektionismus bereits viel geschrieben wurde, ist ein Beispiel dafür, dass Pauschalaussagen über den Einfluss von Trumps Wirtschaftspolitik nicht angebracht sind. Wie Spalte 5 zeigt, verschlechtert sich die Handelsbilanz der US-Automobilindustrie unter Berücksichtigung der für den Konsum bestimmten finalen Produkte deutlich. Dies gilt auch für die deutschen Automobilhersteller in den USA. Laut VDA wurden im Jahr 2016 rund 850.000 Autos von deutschen Herstellern in den USA produziert und über 500.0000 Einheiten davon wieder exportiert. Allerdings haben deutsche Hersteller in 2016 mit insgesamt 545.000 Einheiten immer noch mehr Autos in die USA importiert, als sie von dort ausgeführt haben. Lokale US-Produzenten profitieren in ihrer Wertschöpfung von den Vorteilen, die sich aus der zu erwartenden Senkung der Unternehmenssteuer sowie den Import- und Exportanreizen (in Abhängigkeit von Spalte 3) ergeben sollten. Zulieferer, z. B. aus Mexiko, haben diesen Vorteil in Abhängigkeit vom Firmensitz nicht unbedingt.
 
Am Ende ist es eine Verteilungsfrage zwischen Zulieferern, Automobilherstellern und finalen Konsumenten. Da jedoch die Exportquote der deutschen Hersteller in den USA (rund 60 Prozent aller produzierten Einheiten) über der Exportquote der gesamten US-Produktion liegt (rund 35 Prozent aller produzierten Einheiten), sollten gerade die deutschen Produktionsstandorte in den USA in ihrer Profitabilität weniger stark von Trumps geplanter Wirtschaftspolitik betroffen sein als der Rest der Industrie, der mehr für den lokalen US-Markt produziert und somit von den Vorteilen einer hohen Exportquote weniger stark profitiert. Dies gilt allerdings nur für die US-Produktionsstandorte deutscher Unternehmen und nicht für deutsche Automobilproduzenten insgesamt, da die Importquote von fertigen Fahrzeugen deutscher Hersteller in die USA ebenfalls über dem US-Durchschnitt liegt (rund 65 Prozent im Vergleich zu ca. 44 Prozent)

Fazit

Trump hat ein Paket von Steuerreformen in Aussicht gestellt, das nicht nur die Unternehmenssteuer senken soll, sondern auch den Export stärken bzw. die Substitution von Importen anregen dürfte. Auch wenn die finale Ausgestaltung von Trumps Steuerpolitik noch offen ist, aktuell ist abzusehen, dass solche Unternehmen bzw. Industrien von dem Reformpaket Trumps profitieren werden, die niedrige Importquoten, hohe, in den USA erwirtschaftete Gewinne und hohe Exportquoten aufweisen. Gewinner der Reformen wären demzufolge die US-Chemie- und -Pharmaindustrie, aber auch Maschinenbau und Metallbearbeitung, während US-Automobil-, Elektro- und vor allem Textilindustrie relative Verlierer darstellen könnten, zumindest was die Erstrundeneffekte angeht.
 
Grundsätzlich muss jedoch unterschieden werden zwischen steuerpolitischen Einflüssen auf die US Produktionsstandorte eines Unternehmens und den Einflüssen auf das gesamte Unternehmen. Beispiel: Die US-Produktionsstandorte deutscher Automobilhersteller können eine höhere Exportquote vorweisen als die US-Automobilproduktion insgesamt. Hieraus ergibt sich ein relativer Vorteil für die deutschen Hersteller, wenn Trump seine Steuerpläne umsetzt. Allerdings liegt die Importquote fertiger Fahrzeuge deutscher Hersteller in die USA über der der gesamten US-Automobilindustrie, was wiederum steuerliche Nachteile mit sich bringen würde.
Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Zudem lehrt der promovierte Volkswirtschaftler an der Nelson Mandela University in Südafrika. Zuvor arbeitete er in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen.