Wer Aktien treu bleibt, hat 2020 nichts zu befürchten

Jahresempfang der Zürcher Kantonalbank Österreich AG
Christian Nemeth (CIO/Mitglied des Vorstandes), Christoph Schenk (CFA/CIO), Herbert Lindner (Direktor Private Banking), Horst Dick (Direktor Private Banking ), Hermann Wonnebauer (Vorsitzender des Vorstandes) (v.l.n.r.) / Bild: Zürcher Kantonalbank Österreich AG

Christian Nemeth: Auch 2020 gilt TINA

2019 war ein erfreuliches Jahr für Anleger, die nach der zuvor durchlebten Kurs-Talfahrt in der Spur geblieben sind. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG ist optimistisch, dass sich dieser Trend fortsetzt, wie sich beim Jahresausblick 2020 am 16. Jänner in München herauskristallisierte. Die wirtschaftlichen Stimmungsindikatoren geben ein positives Bild ab. Die globale Wirtschaft wächst weiter, eine Rezession steht nicht unmittelbar bevor. Wer langfristig auf Aktien und nicht auf falsche Pferde setzt, sitzt 2020 fest im Sattel.
Das vergangene Jahr war von einer Erholung vom sehr herausfordernden Jahr 2018 gekennzeichnet. Wiesen damals mehr als 80 Prozent der Anlagen einen negativen Jahresertrag auf, fiel die Zahl 2019 auf unter 10 Prozent. Wer ein gut diversifiziertes Aktienportfolio besitzt und diesem treu blieb, konnte sich über hohe Erträge freuen. Man sollte die beiden Jahre 2018 und 2019 aber nicht ausschließlich isoliert betrachten. Zusammengenommen ergibt sich ein positives, aber nicht außergewöhnliches Bild. Daher stehen die Chancen gut, dass am Aktienmarkt das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Wir erwarten für das Jahr 2020 eine weitere Stabilisierung. In den meisten Ländern, ausgenommen Staaten mit hausgemachten politischen Problemen wie Venezuela oder Argentinien, wächst die Wirtschaft weiter. Eine unmittelbar bevorstehende globale Rezession sehen wir nicht. Unter besonders günstigen Umständen könnte sich das Wachstum sogar leicht beschleunigen“, so die Einschätzung Nemeths. Die vorauslaufenden Indikatoren haben sich zuletzt leicht verbessert und untermauern unser Szenario. Die Konsumenten sind weiterhin zuversichtlich und bei den Anlegern hat der vor allem über den Sommer stark vorherrschende Pessimismus nachgelassen. Die Talsohle in der zuletzt angeschlagenen verarbeitenden Industrie scheint erreicht zu sein.

Wirtschaftsaufschwung ohne Euphorie

Der anhaltende Wirtschaftsaufschwung in den USA ist der längste, aber zugleich der schwächste seit dem zweiten Weltkrieg. Die fehlende Dynamik führt dazu, dass die aktuelle Stimmung weit weniger euphorisch ist wie im Jahre 1961, das den Start des stärksten Aufschwungs markiert. Waren die Sechzigerjahre auch durch den Erfolg des damals gestarteten Apollo-Programms von Optimismus, Pioniergeist und innovationsfördernden Staatsausgaben geprägt, wird die derzeitige Entwicklung von Skepsis, staatlichen Hilfsaktionen und Investitionshemmung begleitet. Ein weiterer Unterschied ist die Produktivität in den G7-Staaten, die in den letzten Jahrzehnten sukzessive abgenommen hat. Das hängt insbesondere mit der demografischen Entwicklung durch eine älter werdende Bevölkerung zusammen. Zum anderen ist auch die gegenwärtige Notenbankpolitik für diese Entwicklung mitverantwortlich. Die niedrigen Zinsen erlauben auch schwachen und unproduktiven Unternehmen, länger am Leben zu bleiben, die Spreu wird nur ungenügend vom Weizen getrennt. Die Zentralbanken werden noch lange expansiv bleiben. Sie können nicht zulassen, dass sich die Vermögenswerte in Luft auflösen. Sonst wären alle Schritte seit Beginn der Finanzkrise umsonst gewesen. Sie pumpen laufend Geld in die Wirtschaft und das Finanzsystem, Zinsanhebungen sind daher weiterhin auch auf längere Sicht kein Thema.

US-Wahljahr schützt vor geopolitischen Ereignissen

Hinsichtlich geopolitischer Einflüsse ist nicht zu erwarten, dass es in den großen Gefahrenherden zu einer Eskalation kommt. Im Handelskonflikt zwischen China und den USA ist es durch die Unterschrift des Phase-1-Abkommens zu einem Waffenstillstand gekommen. Diesen Erfolg will Präsident Trump nun erstmals medial ausschlachten und für den bevorstehenden Wahlkampf nützen. Die Präsidentenwahl im November 2020 nimmt darüber hinaus Einfluss auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Donald Trump will mit Sicherheit im Wahljahr eine militärische Ausein¬andersetzung vermeiden und der Iran steht wirtschaftlich stark unter Druck. Vor diesem Hintergrund stehen die Chancen gut, dass es in der Geopolitik zu einer gewissen Beruhigung kommen wird. Auch ein Wechsel des US-Staatsoberhaupts als Veränderung mit globaler Bedeutung ist unwahrscheinlich: Man kann Trump viel vorwerfen, doch sein ökonomischer Track Record überzeugt. Gleichzeitig mangelt es an charismatischen Herausforderern seitens der Demokraten, die ihm ernsthaft gefährlich werden können.

TINA-Prinzip besitzt auch 2020 Gültigkeit

„There is no alternative“ zu Aktien bleibt auch 2020 das Motto für Anleger. Investoren sollten ihre Aktienengagements weiterhin behalten, wenn es sich um internationale, breit aufgestellte und somit gut diversifizierte Portfolios handelt. Wer hingegen im großen Stil auf Staatsanleihen setzt, verliert Geld. In unserer aktuellen Anlagepolitik bevorzugen wir auf der Aktienseite vor allem Nordamerika und die Emerging Markets, während wir Japan untergewichten. Im Anleihebereich agieren wir vorsichtig, da die niedrigen bzw. negativen Renditen bei Staatsanleihen kaum eine Rendite versprechen. Etwas besser sieht die Situation noch im High Yield Bereich bzw. bei Emerging Marktes Anleihen aus, das Risiko ist hier aber auch deutlich größer.
Christian Nemeth ist Chief Investment Officer und Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. Vor seinem Engagement bei der Zürcher Kantonalbank Österreich AG war Christian Nemeth unter anderem als Chief Investment Officer bei der Deutsche Bank Österreich und der Bank Sal. Oppenheim (Österreich) tätig. Weitere Stationen der Karriere des studierten Betriebswirts waren die Creditanstalt, Capital Invest und Oppenheim Asset Management.