Die Presseschau am Freitag - ein Gespenst geht um

Ulrich Kirstein
Ulrich Kirstein / Bild: BBAG/Killius
Für den Medientrommelwirbel der Woche sorgte Siemens-CEO Joe Kaeser. Nicht einmal das Angebot eines Aufsichtsratspostens konnte die Verärgerung der Fridays for Future-Bewegung über ein Zulieferergeschäft für eine geplante Kohlemine in Australien eindämmen. Kaeser fand sich zwischen „Pacta sunt servanda“ – so Frank-B Werner in Börsen-Online - und dem fehlendem Willen, das Ende der fossilen Ära überhaupt einzuläuten – so Joachim Müller-Jung im Feuilleton (!) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 15. Januar – wider. Zwischen zwei Stühlen zu sitzen ist alles andere als bequem.

Ein untotes Gespenst

„Ein Gespenst geht um in Europa“ hieß es im Handelsblatt vom Donnerstag. Unsere erste Frage dazu wäre: eines? Aber die beiden Autoren Klaus Adam und Jörg Rocholl, Präsident und Professor angesehener Wirtschaftshochschulen, meinten damit die Finanzmarkttransaktionssteuer als „klassische Untote“. Sie wird immer mal wieder hervorgezerrt und die baldige Umsetzung versprochen oder besser angedroht, um dann wieder von der Bühne der Öffentlichkeit zu verschwinden, so die Autoren. Sie unterstreichen auch, dass wissenschaftliche Studien zu Frankreich und Italien, wo es eine solche bereits gibt, zeigen, dass die Marktliquidität deutlich leidet und die Schwankungen noch zunehmen. Überdies sei ein Ausweichen der Profis auf Nicht-EU-Länder – Großbritannien bietet sich nach dem Brexit geradezu an – vorhersehbar. Die Autoren setzen deshalb auf die Einsicht der Politik, die Untote endlich ruhen zu lassen und lieber die Aktienkultur zu stärken. Dem widerspricht allerdings in der gleichen Ausgabe des Handelsblatts der Artikel „Scholz macht bei der Börsensteuer Ernst“. Hier heißt es gar, dass sie notfalls auch nur national kommen soll. Warum? Ganz einfach, die Einnahmen sind im Haushalt bereits eingeplant!

Die Sache mit den Fonds

Einmal mehr untersuchte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Fonds auf ihre Überrendite gegenüber reinen Indexfonds. Was also bringt der Fondsmanager – in seltenen Ausnahmen auch eine Fondsmanagerin – den Anlegern an Mehrwert? Für die FAS hat das Analysehaus Morningstar deshalb die in Deutschland zugelassenen Fonds überprüft und das Ergebnis war nicht sehr befriedigend: in den vergangenen zehn Jahren haben von den 4.731 untersuchten Aktienfonds gerade einmal 19 den Markt geschlagen. Bei den Mischfonds waren es neun aus 1.420. Beim ebenfalls untersuchten 15-Jahres-Zeitraum wird es auch nicht besser. Aber, es gibt sie, die Fonds die permanent ihre Benchmarks schlagen, möglich ist also alles und die FAS stellt sie auch vor, allerdings nur hinter der Bezahlschranke, weshalb wir sie hier auch nicht erwähnen wollen.

Anlegen wie ein Profi

Und zum Schluss hatte uns beim Durchblättern von Börse Online besonders interessiert, wie ein ehemaliger Weltklassetorhüter und künftiger FC Bayern Chef sein Geld anlegt. Nicht jedem Fußballer ist ja die Gabe gegeben, seine Gagen gewinnbringend anzulegen und da ist bei so manchem gar der Weg ins Dschungelcamp nicht weit. Oliver Kahn ist da selbstverständlich aus anderem Holz geschnitzt (auch wenn wir uns ihn ihm Dschungel gut vorstellen könnten), sein Statement war jedenfalls, dass er wenigstens selbst verantwortlich sein möchte, wenn er schon Geld verliere. Aber wie er nun wirklich anlegt? Wissen wir nicht, denn das Zitat zitiert in der aktuellen Ausgabe die Ausgabe von 2011! Schade.

Computer denken schneller

„Die Neugeburt des Computers“ feiert die WirtschaftsWoche auf ihrem Titel und machte uns neugierig. Gemeint war die Entwicklung des Quantencomputers. Die Daten werden dann nicht mehr in der Cloud verwaltet und gespeichert, sondern (wieder) direkt vor Ort, jetzt aber als Edge Computing bezeichnet. Klar, Floppy-Laufwerke bestaunen Kids heute im Museum oder in ihren IT-Schulbüchern. Die Folge der Quantencomputer wird aber sein, dass sie sehr viel schneller reagieren können – und dass der Stromverbrauch (wieder) sinkt. Man darf gespannt sein. Tröstlich allerdings, ans menschliche Gehirn kommt noch immer kein Computer heran: Das kann nämlich fast 90 Milliarden Neuronen verarbeiten, die leistungsfähigsten Computer sind bei etwa 500 Millionen. Der Unterschied ist vielleicht, dass Computer ihre Neuronen tatsächlich verarbeiten, viele Menschen aber ihre Ressourcen eher nicht voll ausschöpfen...