Aufwärtstrend bei europäischen Pharma- und Biotechnikwerten?

Von Beate Sander
Bild: Fotolia/Jan37
Nach einem wechselvollen Jahr 2016 im Gesundheitssektor erwarten führende Analysten einen Aufwärtstrend bei amerikanischen und europäischen Pharma- und Biotechkonzernen. Das Börsenjahr 2016 verlief trotz heftiger Kursausschläge im Januar und Februar sowie als Folge des unerwarteten Brexits in Großbritannien letztendlich versöhnlich. Ein erfolgreiches fünftes Jahr in Folge. Dazu trug die späte Rallye zum Jahresende bei. Der DAX schaffte immerhin ein Jahreshoch mit einem Plus von 7 Prozent. Der MDAX und SDAX erfreuten sogar mit Allzeit-Höchstständen von über 22.100 bzw. mehr als 9.500 Punkten. Dies verbunden mit einem Kursanstieg um 6 Prozent bzw. 5 Prozent. Extrem gut lief es in den USA. Dow Jones (+12 Prozent), S&P 500 (+9 Prozent) und Nasdaq 100 (+5 Prozent) schafften neue Allzeithochs. Heile Welt? Nicht unbedingt. Amerikanische Aktien sind im historischen Vergleich großteils ambitioniert bewertet, mag auch Premium einen Preisaufschlag verdienen.

Kurskapriolen im Gesundheitswesen

Für den Gesundheitssektor lief es im vergangenen Jahr weniger gut – begleitet von Kurskapriolen infolge hoher Volatilität. Zahlreiche Pharma- und Biotechaktien notierten gegenüber 2015 im Minus. Einige Experten gehen jedoch davon aus, dass die Gesundheitsbranche von der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten profitiert. Dies zeigte bereits der Kursanstieg bekannter Titel in den letzten Wochen. Die Ausgaben für Medikamente dürften weiter zulegen. Das amerikanische Marktforschungsinstitut IMS Health erwartet bis 2020 ein jährliches Wachstum von rund 7 Prozent, sodass das weltweite Marktvolumen vermutlich auf die Riesensumme von 1,4 Billionen US-Dollar hochschnellen wird.

Trump kann für Überraschungen sorgen

In Amerika ist die Preisgestaltung für Arzneimittel und medizinische Leistungen freizügiger als wir das bei uns gewohnt sind. Statt staatlicher Regulierung verhandeln die Pharma- und Biotechkonzerne direkt mit den Versicherungen. Ob dies unter dem neuen US-Präsidenten so weitergeht, weiß niemand. Die Unberechenbarkeit von Donald Trump dürfte in die eine oder andere Richtung für Überraschungen sorgen.

Einladung zum Einstieg

Grundsätzlich laden großteils niedrigere Kurse auch bei den Weltmarktführern zum Einstieg und Zukauf ein. Der weltweit gefragte Index S&P Global BMI Health Care sank im vergangenen Jahr 2015 um 7,7 Prozent. Stock Picking ist angesagt, wobei auch Übernahmeangebote eine wichtige Rolle spielen. Siehe als Beispiel Actelion aus der Schweiz, Kursplus 65 Prozent in 52 Wochen.

Ein Blick auf die Pharma-Favoriten der Analysen

  • Der amerikanische Biotechriese Amgen verlor zwar 2016 um ein Fünftel, was aber schon Anfang Januar 2017 weitgehend aufgeholt wurde. Das Kursziel für das neue Jahr liegt bei rund 180 US-Dollar. Die Dividende wird um 15 Prozent von 1,00 US-Dollar auf 1,15 US-Dollar angehoben. Und dies geschieht, wie in den USA üblich, immerhin viermal jährlich!
  • Die Schweizer Biotechaktie Actelion steht auf der Favoritenliste zahlreicher Analysten. Selbst wenn die Übernahme vom Marktführer Johnson & Johnson, Dow Jones, scheitern sollte, gibt es genug andere Übernahme-Interessenten. Actelion hat sich auf Kleinmolekühl-Medikamente gegen Herz-Lungen-Krankheiten spezialisiert.
  • Der Pharmakonzern AstraZeneca führte 2015 unangefochten die Rangliste in Großbritanniens Leitindex an, um 2016 fast 14 Prozent rückläufig zu sein. Wichtiger Kurstreiber 2017 dürften die Daten zur Lungenkrebsstudie sein. Das Gewinnwachstum ist im Branchenvergleich überdurchschnittlich hoch. So sieht dies die Großbank Credit Suisse.
  • Die Analystin Alethia Young der Schweizer Bank Credit Suisse hält große Stücke von Celgene und macht den forschungsstarken Nasdaq-Konzern zum „besten Haus unter den Biotechfirmen“ mit einem Kursanstieg um ein Viertel auf 145 Euro. Kernkompetenz sind Stammzellen- und Immun-Therapien sowie Arzneimittel gegen Krebs.
  • Die DZ Bank traut dem seit Jahrzehnten verlässlich ausschüttenden Gesundheitskonzern Fresenius mit seiner ebenfalls dem DAX angehörenden Tochter Fresenius Medical Care FMC eine erfreuliche Entwicklung zu. Bei den Top-Empfehlungen für 2017 liegen die Kursziele zwischen 86 und 99 Euro. Ab dem 2. Quartal 2017 sollte es in dieser Branche kräftig aufwärts gehen. Fresenius dürfte Nutznießer von sinkenden Unternehmenssteuern in Amerika sein.
  • Die Aktie des Darmstädter Chemie- und Pharma-Konzerns Merck KGaA durchbrach bereits zum Jahresbeginn 2017 die Widerstandsmarke von 100 Euro. Aber auch fundamental sieht es gut aus. Die Deutsche Bank stellt die DAX-Aktie auf „Buy“ und zählt sie zu den „Top Picks“ unter den mittelgroßen Pharmafirmen nach internationalem Maßstab.
  • Obgleich die Aktie des Schweizer Pharmariesen Novartis 2016 mit einem Verlust von 12 Prozent der viertschlechteste Wert im Schweizer Leitindex SMI war, dürfte es für den Stoxx 50-Konzern 2017 wieder aufwärts gehen. Es befinden sich mehrere vielversprechende Arzneimittel im Endstadium ihrer Entwicklung in der klinischen Phase III.
  • Der weltweit größte Pharmakonzern Pfizer wurde berühmt durch seinen Erektionsanreger VIAGRA („alte Scheunen brennen lichterloh“). Pfizer macht mit millionenschweren Forschungsausgaben im Kampf gegen Alzheimer, Krebs und HIV/Aids von sich reden. Die Dividende wird angehoben, sodass die Ausschüttung bei rund 4 Prozent liegt.
  • Regeneron mit vierstelligem Kursgewinn im Zehn-Jahres-Vergleich, aber einem deutlichen Minus 2016, hat mit einem neuen Ekzem-Vernichter einen künftigen Blockbuster im Portfolio. Alethia Young von der Credit Suisse hält nach dem Absturz von 520 US-Dollar auf 380 US-Dollar eine Kurserholung 2017 auf 485 US-Dollar durchaus für realistisch.
  • Bei Roche gibt es neben der Aktie auch einen Genussschein, sodass es oft zu Verwechslungen kommt. Der dividendenstarke Schweizer Forschungskonzern im Kampf gegen Krebs und Alzheimer will erneut seine ohnehin üppige Ausschüttung erhöhen. Nach der enttäuschenden Kursentwicklung von 2016 stehen die Signale auf Grün.
Im Juni 2014 ist in der Münchner Verlagsgruppe, FinanzBuch Verlag, ein Buch zum Thema erschienen:
 
 
Jüngst erschien von Beate Sander: Mit Nebenwerten zum Börsenolymp. Mit Aktien aus MDAX, TecDAX und SDAX den DAX schlagen, ebenfalls im FinanzBuch Verlag München

 

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

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