Die Kapitalmärkte honorieren enge Kommunikation

Kai Jordan, mwb Wertpapierhandelsbank
Kai Jordan / Bild: mwb Wertpapierhandelsbank
An der Börse verhält es sich wie im echten Leben: Wer eine gute Beziehung zu seinem Partner aufbauen will, muss viel mit ihm reden. Das allein genügt freilich noch nicht. Es kommt auch darauf an, was gesagt wird. Doch um Vertrauen aufzubauen, muss man im Gespräch bleiben. Die Teilnehmer an den Kapitalmärkten honorieren es, wenn ein Emittent regelmäßig mit ihnen kommuniziert. Dies gilt selbst für institutionelle Investoren. Bei professionellen Anlegern dreht sich zwar vieles um Zahlen, Kennziffern und Finanzmathematik, aber eben nicht alles. Wir bei der mwb Wertpapierhandelsbank haben die Erfahrung gemacht, wie wichtig es ist, bei den Investoren wie auch in der breiten Öffentlichkeit eine Transparenz herzustellen, die über die regulatorischen Vorgaben hinausgeht.

Vertrauen schaffen

Eine gute Gelegenheit, um mit den Investoren ins Gespräch zu kommen und ihnen Einblick in die Strategie des Emittenten zu geben, sind neue Emissionen. Unternehmen, die sich zum ersten Mal an den Kapitalmarkt wenden, sei es mit einer Aktienemission oder mit einer Anleihe, müssen sich das Vertrauen der Marktteilnehmer erst erwerben. Haben sie während dieser ersten Emission offen kommuniziert, ihre Versprechen gehalten oder schlüssig erklärt, warum es zu Abweichungen in Bezug auf frühere Aussagen gekommen ist, dann wirkt sich das erworbene Vertrauen bei folgenden Emissionen positiv aus.
 
Ein guter Ruf an den Märkten macht es dem Emittenten leichter, Termine bei Investoren zu bekommen, Roadshows werden besser besucht, und häufig verbessern sich auch die Konditionen für den Emittenten, weil unternehmensbezogene Risikoaufschläge reduziert werden können. Man kennt sich und vertraut sich.

Anleihe-Emission mit guter Kommunikation

Diese Erfahrung haben wir zum Beispiel mit Euroboden gemacht. Das Immobilienunternehmen hat vor kurzem seine dritte Anleihe-Emission abgeschlossen. Bei dieser Finanzierungsrunde haben wir Euroboden wie auch schon in der zweiten Runde begleitet. Die Nachfrage nach der dritten Emission war so groß, dass die Platzierung erst von 30 auf 40 Millionen Euro aufgestockt und diese dann wegen Überzeichnung vorzeitig beendet wurde. Das erhöhte Emissionsvolumen wurde schon nach drei Tagen erreicht. Dabei war der Kupon der dritten Emission niedriger als bei der zweiten Emission von 2017. Der Rückgang lässt sich zum kleinen Teil durch das Marktumfeld erklären, zu einem größeren jedoch dadurch, dass sich Euroboden durch regelmäßige Emissionen und eine gute Kommunikation mit den Investoren das Vertrauen der Kapitalmärkte erworben hat.

Zu hoher Transparenz verpflichtet

Dazu beigetragen hat neben einer reibungslosen Bedienung der beiden ersten Anleihen, dass sich Euroboden freiwillig zu einer hohen Transparenz verpflichtet hat. So sagt Euroboden zu, regelmäßig den Konzernabschluss und den Konzernlagebericht herauszugeben wie auch den verkürzten Konzernabschluss und Zwischenlageberichte für den Konzern, einen Unternehmenskalender zu aktualisieren und zu veröffentlichen sowie Veranstaltungen für Analysten und Investoren auszurichten. Das sind keine Lippenbekenntnisse. Sollte sich Euroboden an diese Zusagen nicht halten, hat das Unternehmen zugesagt, die Schuldverschreibungen in der folgenden halbjährlichen Zinsperiode um einen halben Prozentpunkt höher zu verzinsen. Das ist ein empfindlich hoher Strafzins, zu dem sich der Emittent freiwillig verpflichtet hat.

Der Mittelstand braucht den Kapitalmarkt

Die Finanzierung über die Kapitalmärkte wird für den Mittelstand in den kommenden Jahren immer wichtiger. Aufgrund einer weiteren Verschärfung der Bankenregulierung und strengeren Regeln für die Kreditvergabe sollten sich gerade kleine und mittlere Unternehmen die Möglichkeit eröffnen, sich auch über die Kapitalmärkte zu finanzieren. Das kann immer noch der klassische Gang an den Aktienmarkt sein. Viele Unternehmen wählen mittlerweile auch die Mittelstandsanleihe. Nach ersten Verwerfungen in den Anfangsjahren dieses Marktsegments wurden zum Glück die richtigen Lehren gezogen, sodass sich Mittelstandsanleihen heute zu einem festen Bestandteil der Kapitalmärkte mit vielen Emissionen guter Qualität und einem festen Stamm an institutionellen und privaten Investoren entwickelt haben. In den vergangenen Jahren sind weitere Finanzinstrumente hinzugekommen, sodass dem Mittelstand heute eine breite Palette an Finanzierungsmöglichkeiten an den Märkten zur Verfügung steht.
Kai Jordan ist Bereichsvorstand Corporates & Markets bei der mwb Wertpapierhandelsbank

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