Der Marktausblick

Robert Ertl mit dem Marktkommentar zur Woche
Dr. Robert Ertl / Bild: BBAG/Freund
Anhaltender Optimismus: In der vergangenen Woche haben die deutschen Aktienbörsen weiter zugelegt, auf Tagessicht zwar jeweils überschaubar, dafür stetig. Dafür, dass die gute Stimmung der Anleger anhielt, waren vor allem zwei Faktoren verantwortlich. Einerseits sorgte das sich im Wochenverlauf anbahnende und dann tatsächlich verabschiedete britische Gesetz gegen einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU ohne Austrittsvereinbarung, das sogenannte Anti-No-Deal-Brexit-Gesetz, für Beruhigung an den Märkten. Zum anderen wurde die Ankündigung neuer Gesprächen zwischen den USA und China im Handelsstreit positiv aufgenommen. Die schwächer als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten aus den USA zu Ende der Handelswoche konnten die Stimmung nicht verderben, lieferten sie doch unter anderem Argumente für eine lockerere Geldpolitik der US-Notenbank.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) stieg wieder über die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten und legte im Wochenvergleich um 2,1 Prozent auf 12.191,73 Zähler zu. Zu den großen Wochengewinnern zählten Automobilwerte wie Daimler, die sowohl von der insgesamt besseren Stimmung als auch von guten US-Absatzzahlen profitierten. Der MDax verbesserte sich auf Wochensicht um 1,1 Prozent auf 26.010,47 Zähler. Der Tec-Dax gewann 2,8 Prozent auf 2.861,90 Punkte. Der HAFIX-Deutschland rückte bis Donnerstag um 0,7 Prozent auf 3.487,01 Zähler vor, der HAFIX-Europa kam auf ein Plus von 1,3 Prozent auf 2.932,82 Punkte.

Am deutschen Anleihemarkt haben die Kurse in der vergangenen Woche bei wechselhaftem Verlauf nachgegeben. Nachdem sie zu Beginn der Handelswoche noch von der Unsicherheit unter anderem in Hinblick auf die Situation in Großbritannien profitiert hatten, ging es in der Folge überwiegend abwärts. Zurückzuführen war dies auf die bessere Stimmung an den Finanzmärkten, die unter anderem von der gesunkenen Wahrscheinlichkeit eines ungeregelten Brexits herrührte. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe, die am Dienstag noch mit -0,74 Prozent ein neues Rekordtief erreicht hatte, stieg bis Freitag auf -0,63 Prozent, nach -0,70 Prozent zu Ende der Vorwoche. Die Umlaufrendite legte von -0,69 auf -0,60 Prozent zu.

An den US-amerikanischen Aktienbörsen ging es in der vergangenen Woche wie auch bei den deutschen Pendants nach oben. Der Dow-Jones-Index gewann im Wochenvergleich 1,5 Prozent auf 26.797,46 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 1,8 Prozent auf 2.978,71 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index legte um 2,1 Prozent auf 7.852,54 Punkte zu.

Ausblick

In der aktuellen Woche dürften die Anleger an den deutschen Aktienbörsen vor allem auf die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) blicken. Allgemein wird dabei eine weitere Lockerung der Geldpolitik erwartet, viele Marktteilnehmer gehen sogar von einem umfangreicheren Maßnahmenpaket aus. Sollte es so kommen, so könnte dies den Aktienkursen weiteren Auftrieb verleihen. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings das Enttäuschungspotenzial, sollte die EZB geringere Schritte ankündigen als vom Gros der Marktteilnehmer erhofft.

Von Seiten der zuletzt beherrschenden politischen Themen, dem Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie dem näher rückenden Brexit, dürften nach Ansicht der meisten Beobachter in den kommenden Tagen keine großen (Negativ-)Impulse kommen. Ein Austritt Großbritanniens ohne Abkommen zu Ende Oktober scheint seit vergangener Woche praktisch gesetzlich ausgeschlossen, auch Neuwahlen, so sie doch kommen sollten, dürften an der grundsätzlichen juristischen Lage nichts ändern. In Sachen Handelskonflikt gilt es aktuell, die für Oktober geplanten Gespräche abzuwarten. Sofern hier von US-Präsident Donald Trump keine Überraschungen kommen, dürfte der Einfluss dieses Themas erst einmal geringer werden.

Hinsichtlich der Konjunkturdaten ist der Veröffentlichungskalender sehr übersichtlich bestückt, zu den wichtigsten zählen das Verbrauchervertrauen und Einzelhandelsumsätze in den USA sowie Inflationszahlen aus den USA und China.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 09.09.:  Handelsbilanz Deutschlands; Verbraucherkredite in den USA
Dienstag, 10.09.:
Verbraucherpreise in China
Mittwoch, 11.09.:
Erzeugerpreise in den USA; US-Hypothekenanträge
Donnerstag, 12.09.:
Verbraucherpreise in Deutschland; Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank; Industrieproduktion in der Eurozone; Verbraucherpreise in den USA
Freitag, 13.09.:
Handelsbilanz der Eurozone; Einzelhandelsumsatz in den USA; US-Verbrauchervertrauen der Universität Michigan; Import- und Exportpreise in den USA

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Daimler 48,47 1,71%
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