Drei Trends für Anleger in Unternehmensanleihen

Holger Mertens, Nikko AM
Holger Mertens / Bild: Nikko AM
Unternehmensanleihen haben gute Chancen auf ein weiteres erfreuliches Jahr. Die Renditen von Staatsanleihen sind niedrig, Liquidität ist reichlich vorhanden und die Kreditqualität verbessert sich. Die Aussichten auf Outperformance sind umso höher, je besser Anleger drei kurz- und langfristige Trends im Auge behalten.

1. Rating A reduzieren!

In den vergangenen Monaten ging der Trend bei den Unternehmenssteuern weltweit nach oben, angeführt von US-Präsident Joe Biden. Dies kann dabei helfen, die leeren Staatskassen zu füllen, und schafft einen Anreiz für Unternehmen, ihre Verschuldung zu erhöhen oder zumindest nicht abzubauen. Einerseits schaffen höhere Schulden und Zinszahlungen eine Möglichkeit, die Steuerlast zu senken. Andererseits verringern höhere Steuersätze den freien Cashflow, der für den Schuldenabbau zur Verfügung steht. Insbesondere A-geratete Unternehmen aus dem Technologie- und Gesundheitssektor könnten daher weniger geneigt sein, ihre gute Kreditwürdigkeit zu verteidigen. Die starke Rating-Migration von A auf BBB, die in den vergangenen Monaten zu beobachten war, dürfte sich daher fortsetzen.

2. Vorsicht vor Ölfirmen!

Neben der Qualitätsverschlechterung in bestimmten Ratingklassen erwarten wir in einigen Sektoren schnellere Herabstufungen. Zum Beispiel im Energiesektor, der durch den globalen Fokus auf erneuerbare Energien unter Druck steht. Bei mehreren großen Ölkonzernen gab es bereits massive Abschreibungen, da die Investitionen der Vergangenheit in die Exploration wahrscheinlich nicht die erwarteten Renditen bringen werden. Obwohl der jüngste Anstieg der Ölpreise der erwarteten langfristigen Verschlechterung der Kreditqualität teilweise entgegenwirkt, dürften wir Unternehmen wie Exxon oder Aramco in ein paar Jahren nicht in der AA-Kategorie sehen.
 
Die Sektorallokation war bei Unternehmensanleihen schon immer ein starker Performancetreiber. Im Jahr 2002 war es entscheidend, um Ausfälle und Herabstufungen im Tech-, Medien- und Telekommunikationssektor einen Bogen zu machen. Im Jahr 2008 galt dasselbe im Bankensektor. Derzeit widmen wir den Entwicklungen im Energiesektor besondere Aufmerksamkeit.

3. Fokus auf nachhaltige Anleihen!

Lange Zeit waren grüne Anleihen die einzige Wahl für nachhaltige Bond-Anleger. Heute bietet der Markt ein wachsendes Spektrum an Anleihenstrukturen – zum Beispiel Sustainability-Linked Bonds (SLBs), die bei Emittenten und Investoren immer beliebter werden. SLBs enthalten Key Performance Indicators (KPI) in der Anleihendokumentation und die Emittenten sind zunehmend bereit, Strafen in Form von Kuponsteigerungen zu akzeptieren, wenn diese KPIs nicht erfüllt werden. Im Vergleich zu grünen Anleihen sind SLBs weniger vage in Bezug auf ihren Nachhaltigkeitsfokus und bieten große Transparenz.
Holger Mertens ist Head Portfolio Manager bei Nikko Asset Management

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