Gefahr zunehmender Selbstgefälligkeit steigt

Dr. Bernd Meyer, Berenberg Privatbankiers
Dr. Bernd Meyer / Bild: Berenberg Privatbankiers
Der S&P 500 mit einem neuen Allzeithoch, der VIX Index unter 13 sowie der DAX mit einer Jahresentwicklung von fast 17% stimmen Anleger zunehmend positiv. Die Gefahr zunehmender Selbstgefälligkeit steigt. Diese ist zwar noch nicht ausgeprägt, aber eine Reihe von Indikatoren senden erste Warnsignale. So setzen Marktteilnehmer verstärkt auf riskantere Positionen (z.B. Short-Positionierungen im VIX), sogar europäische Aktien-ETFs verzeichnen zuletzt Nettozuflüsse und alternative Risikomaße wie z.B. die Put-Call-Ratio für den Euro Stoxx 50 reflektieren weniger Nachfrage nach Absicherungsinstrumenten. Chinesische Aktien sind zudem letzte Woche so stark gefallen wie seit Oktober 2018 nicht mehr. Die Aktienmärkte benötigen nun zunehmend positive Impulse von den Konjunkturdaten in der Eurozone und den USA, einen Trade-Deal zwischen China und den USA und/oder eine Brexit-Klärung. Ansonsten wird die Luft dünn und Anleger müssen sich auf Rücksetzer in den nächsten Monaten einstellen.

Kurzfristiger Ausblick

Die Berichtsaison in den USA und Europa nimmt weiter Fahrt auf. In Europa berichten alleine diese Woche 62 Unternehmen ihre Q1-Ergebnisse. Und in den USA dreht sich alles um die Frage, ob eine Gewinnrezession in Q1 vermieden werden kann - die bisherigen Ergebnisse lassen vermuten, dass trotz negativer Gewinnwachstumserwartungen der Analysten für Q1 am Ende die Gewinne gegenüber dem Vorjahr wachsen werden. In den nächsten Tagen werden eine Menge wichtiger Konjunkturdaten veröffentlicht, beispielsweise am Dienstag das Q1-BIP der Eurozone sowie am Donnerstag die Kernteuerungsrate der Eurozone. Zudem steht diese Woche der ISMEinkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA an. Die bisher veröffentlichten regionalen Indikatoren für die Industrie sind im April tendenziell gesunken und lassen einen niedrigeren ISM-Wert als im Vormonat vermuten. Von der Fed-Sitzung am 1. Mai werden keine neuen Impulse erwartet.

Aktien

  • Mit  der  Verbesserung  der  chinesischen Konjunkturdaten gewannen insbesondere  zyklische  Aktiensegmente,  auch  der DAX, deutlich an Wert hinzu.
  • Zykliker  schnitten  über  die  letzten  vier Wochen  ca.  8  Prozent  besser  ab  als  defensive Werte in Europa. 
  • Zu  den  Underperformerndieses  Jahr gehört  auch  Japan,  das  allen  anderen großen  Aktienregionen  deutlich  hinterherhinkt.
Auszug aus dem zweiwöchentlich erscheinenden Berenberg-Monitor. Er gibt mit Hilfe wiederkehrender Abbildungen und Daten einen strukturierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten und beleuchtet jeweils eine wichtige Entwicklung näher.
Dr. Bernd Meyer ist Chefanlagestratege bei Berenberg.