2019 - wir lassen die Finanzkrise endgültig hinter uns

Tine Choi, Danske Invest
Tine Choi / Bild: Danske Invest
Die Finanzmärkte verhalten sich so, als ob eine Rezession kurz bevorsteht. Doch wir teilen die weit verbreitete Skepsis nicht und sehen 2019 interessante Perspektiven für den Aktienmarkt. Asien und Qualitätsaktien stehen bei uns besonders im Fokus.
Wann kommt die nächste Rezession? Diese Frage wurde 2018 am häufigsten gestellt. Bei der Betrachtung der Entwicklung der Finanzmärkte seit Anfang Oktober stellt man fest, dass viele Anleger bereits damit begonnen haben, sich auf eine anstehende Rezession einzurichten.
 
Seit Jahresbeginn haben die Aktienmärkte die schlechteste Rendite seit Ende der Finanzkrise erzielt - und mit Blick auf die verschiedenen Anleihegattungen sieht es nicht viel besser aus.
 
Es gibt viele gute Erklärungen, warum globale Aktien aktuell für 2018 mit 2-3 Prozent im Minus liegen: die neue Regierung in Italien und ihre Haushaltsstreitigkeiten mit der EU, die Unsicherheit rund um den Brexit, die US-amerikanischen Zwischenwahlen, der Handelskrieg zwischen den USA und China sowie nicht zuletzt die steigenden globalen Zinsen, die aus einer Normalisierung der US-Geldpolitik resultieren.

2018 war gar nicht so "unnormal"

Letztere sind vermutlich auch der Grund, warum wir 2018 ganze zwei Aktienmarktkorrekturen mit Rückgängen in einer Größenordnung von 10 Prozent erlebt haben, was sicherlich nicht normal ist. Bisher hat solch eine Korrektur nur einmal im Jahr stattgefunden. Zudem entsprechen Korrekturen um die 5 Prozent eher der Normalität. Davon erleben wir üblicherweise drei im Jahr.
 
Ich möchte jedoch betonen, dass 2018 vielleicht doch nicht so unnormal war, wie es jetzt klingen mag. Vor der Korrektur im Februar hatten wir nämlich ganze 572 Tage ohne eine einzige Aktienmarktkorrektur in Höhe von 3 Prozent - und das ist wirklich nicht normal, da der Aktienmarkt die besondere Eigenschaft besitzt, die man „Rückkehr zum Mittelwert“ nennt. Das bedeutet, dass der Aktienmarkt stets danach strebt, auf seine historische Durchschnittsrendite zurückzukehren.
 
In Anbetracht dieser Tatsache waren die zwei Korrekturen in Höhe von 10 Prozent nach einem so langen Aufschwung am Aktienmarkt durchaus zu erwarten.

Übergewichtung in Aktien, Untergewichtung in Anleihen

Die wichtigste Schlussfolgerung, die man aus den Aktienmärkten aktuell ziehen kann, ist unterdessen, dass ihre Jahresrendite auf einen rezessionsähnlichen Zustand hinweist in einer Zeit, die nichts mit einer Rezession zu tun hat. Deshalb halten wir an unserer positiven Beurteilung von Aktien fest und empfehlen eine Übergewichtung von Aktien im Verhältnis zu Anleihen.
 
Unsere Renditeerwartungen haben wir jedoch auf 7-9 Prozent in Lokalwährung über die kommenden zwölf Monate zurückgeschraubt. Das basiert unter anderem auf unserer Annahme, dass die Marktschwankungen im Takt mit der schrittweisen Straffung der globalen Geldpolitik zunehmen werden. Daher erwarten wir, dass 2019 ein normaleres Jahr wird als 2018. Das historische große geldpolitische Experiment, bei dem die Zentralbanken für enorme Summen Anleihen aufkauften, wird derzeit abgewickelt. Die US-Notenbank Fed hat bereits mit der Normalisierung begonnen.
 
Wir erwarten, dass die Leitzinsen im Juni 2019 neutral sein werden, d.h. 3 Prozent erreichen - ein Niveau, auf dem sie weder stimulieren noch kontraproduktiv sind. Je mehr wir uns diesem Zeitpunkt nähern, desto größer wird die Unsicherheit über die künftige Geldpolitik der Fed, und das erhöht an sich das Risiko für Schwankungen an den Finanzmärkten.
 
In Europa gehen wir davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) diesem Beispiel folgen wird. Zuerst mit einer Drosselung der Anleihenkäufe zum Jahreswechsel und danach im 4. Quartal 2019 mit der ersten Zinserhöhung seit 2011.

Hartes Jahr für Anleihen erwartet

Wenn sich das geldpolitische Regime ändert, ist es sehr wahrscheinlich, dass das an den Finanzmärkten seine Spuren hinterlassen wird. Deshalb müssen Anleger in der neuen Wirklichkeit erst einmal Halt finden. Große Veränderungen der fundamentalen Wirtschaftsverhältnisse laufen nie im Stillen ab und das, was dieses Jahr geschehen ist, war unserer Ansicht nach sehr einschneidend.
 
Nach knapp einem Jahrzehnt mit Nachwehen der Finanzkrise ist die Weltwirtschaft auf dem Weg zur Normalisierung und diese Realität wird uns langsam bewusst. Die einzige Richtung, die wir 2019 für die Zinsen sehen können, ist aufwärts. Das begrenzt das Renditepotenzial von Staatsanleihen, bei denen wir in den kommenden zwölf Monaten nicht mit einer positiven Rendite rechnen.
 
Konkret erwarten wir, dass die Rendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen im Laufe von 2019 auf 3,5 Prozent steigen wird. Die deutschen Zinsen werden erwartungsgemäß mit einem Anstieg auf 0,9 Prozent folgen, was auch die nordischen Zinsen mit nach oben ziehen wird. Insgesamt gehen wir davon aus, dass nordische und europäische Staatsanleihen in den kommenden zwölf Monaten eine Rendite zwischen -2 und 0 Prozent abwerfen werden. Selbst mit unseren etwas niedrigeren Erwartungen in Bezug auf die Aktienrendite als früher sind Aktien somit unseres Erachtens weiterhin attraktiver als Anleihen.
 

2019: Zwei Schritte vor und einer zurück

Unsere positive Beurteilung von Aktien basiert auf unserer Erwartung, dass sich der globale Konjunkturaufschwung 2019 fortsetzen wird. Deshalb können wir uns nicht der Rezessionsstimmung anschließen, die die Aktienmärkte aktuell zu prägen scheint. Wir geben zu, dass es viele gute Gründe für die Marktschwäche in diesem Jahr gibt, doch unserer Ansicht nach werden die Märkte weiterhin nach oben tendieren und zumindest ihre Verluste aufholen.
 
Das Ganze wird allerdings im gleichen Stil wie dieses Jahr ablaufen: zwei Schritte vor und einer zurück. Egal, wie wir es drehen und wenden: Die fundamentalen Wirtschaftsbedingungen sind weiterhin solide und unterstützend. Es gibt einerseits Wachstum mit einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote in den USA und immer noch Spielraum für Fortschritte in Europa. Andererseits eine weiterhin moderate Inflation, die zwar steigt, aber nicht in einem Tempo, das negative Überraschungen verspricht. Zudem besteht die Aussicht auf weiterhin solide Wachstumsraten bei den Unternehmensgewinnen und den Umsätzen.
 
Darüber hinaus sind die Bewertungen in letzter Zeit zurückgegangen, was dazu geführt hat, dass insbesondere US-Aktien nun fair bewertet sind. Doch all dies können die anderen Marktteilnehmer ebenfalls sehen. Das sind keine geheimen Informationen. Es ist die Interpretation dieser Informationen, die uns von den anderen unterscheidet: Wir können die aktuelle Entwicklung einfach nicht dahingehend interpretieren, dass uns 2019 die nächste Rezession treffen wird. Tritt im kommenden Jahr eine Rezession ein, wäre sie unerwartet und unvorhersehbar (wie es bei diesen Ereignissen üblich ist).

Nein zur Sahnetorte

Die Erfahrungen im Rahmen der Finanzkrise scheinen bei vielen Anlegern jedoch weiterhin tief zu sitzen und haben sie vorsichtiger werden lassen. Deshalb konzentrieren sie sich eher auf den Kapitalerhalt als auf die Rendite. Das ist absolut verständlich und erinnert ein bisschen an eine leckere Sahnetorte.
 
Wir wissen, dass sie gut schmeckt, aber auch, dass sie ungesund ist. Und während wir in den 2000er Jahren nicht die Finger von ihr lassen konnten, befinden wir uns nun in einer Situation, in der wir aufgrund der möglichen Folgewirkungen kein Risiko eingehen wollen.
 
Wir Anleger fürchten Verluste nämlich mehr als wir uns über Gewinne freuen. Wenn man das rational betrachtet, ist diese Zurückhaltung trotzdem etwas unverständlich. Aus historischer Sicht gibt es aktuell nur sehr wenige typische Alarmsignale, die auf eine Rezession hinweisen.
 
Wenn das Wirtschaftswachstum seinen Höhepunkt und die Zinsen ihre Talsohle erreicht haben, dürfen Anleger durchaus die Bewertungen von Aktien hinterfragen, was die jüngste Korrektur zum Ausdruck bringt. Es ist zudem sehr menschlich überzureagieren, und mit der jüngsten Korrektur sind die globalen Aktienmärkte unserer Ansicht nach besser gerüstet als vorher, um eine neue Etappe im bald zehn Jahre dauernden Bullenmarkt einzuläuten.

Fokus auf Asien und Qualitätsaktien

Bei Danske Bank basiert die Übergewichtung in Aktien weiterhin auf einer Übergewichtung von asiatischen Aktien, die 2018 stark eingebrochen und jetzt günstig bewertet sind, insbesondere im Verhältnis zu den Gewinnerwartungen für 2019. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist die offensichtliche Erklärung für den großen Kurseinbruch, doch glücklicherweise scheint sich der Konflikt abzuschwächen, da die Regierungen ihren Dialog wieder aufgenommen haben.
 
Wir halten es für überwiegend wahrscheinlich, dass China und die USA 2019 zu irgendeiner Art von Einigung kommen werden, auch wenn man bedenken sollte, dass Verhandlungen Zeit brauchen. Man darf aber nicht vernachlässigen, was Donald Trump antreibt. Er sorgt sich um das Wirtschaftswachstum und die Aktienkurse, und hier hat sich sein Handelskrieg bislang negativ ausgewirkt, unter anderem, weil er zu einer Abschwächung der chinesischen Kennzahlen geführt hat. Deshalb könnte er bald eine größere Verhandlungsbereitschaft zeigen. Ein Waffenstillstand im Handelsbereich könnte ausreichen, damit die asiatischen Märkte ihre Verluste wettmachen.
 

Fokus auf Qualitätsaktien

Wir konzentrieren uns insbesondere auf die asiatischen Verbraucher. Die globale Mittelklasse wird in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich um über eine Milliarde Menschen wachsen und knapp 90 Prozent davon wird sich Schätzungen zufolge in Asien abspielen. Dieser Megatrend wird die Gewinnchancen von Unternehmen aus den Bereichen Konsum, Freizeit, Versicherungen und neue Technologien unterstützen, und angesichts der Bewertungsrückgänge in diesem Jahr empfehlen wir Anlegern, diese Gelegenheit zu nutzen und eine langfristige Ausrichtung auf Asien aufzubauen.
 
Mit Blick auf die steigende Volatilität raten wir gleichzeitig zu einer vorsichtigeren Positionierung in europäischen Aktien mit Fokus au Qualitätsaktien, wo wir aktuell eine breitere Ausrichtung im europäischen Aktienbereich haben. Qualitätsaktien sind unter anderem Unternehmen mit einem stabilen Gewinnwachstum, einer vernünftigen Schuldenstruktur und steigenden Dividendenausschüttungen. Eine solche Ausrichtung lässt sich gut erzielen, ohne bei allen Wachstumselementen am Aktienmarkt Zugeständnisse zu machen.
Tine Cho ist Chefstrategin bei Danske Invest