Kurskorrektur war überfällig

Der wöchentliche Marktausblick der Börse München
Bild: Bayerische Börse

Aktien - Wochenrückblick

Die deutschen Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche ein gutes Stück von ihren vorangegangenen Kurseinbrüchen erholt. Dabei trotzten die Anleger auch stärker als erwartet gestiegenen Verbraucherpreisen aus den USA. Dies ist vor allem deshalb beachtlich, da es in erster Linie die Furcht vor steigenden Zinsen gewesen war, die die Aktienkurse in der Woche zuvor hatte abstürzen lassen. Höhere Inflationszahlen aber verstärken den Druck auf die US-Notenbank, den Zinssatz anzuheben. Die positiven Impulse für die deutschen Aktienmärkte kamen einerseits von gut aufgenommenen Unternehmenszahlen, in erster Linie aber von ihren US-Pendants, die sich ebenfalls auf Erholungskurs befanden.
 
Auf Wochensicht verbesserte sich der Deutsche Aktienindex (Dax) um 2,8 Prozent auf 12.451,96 Punkte. Der MDax stieg sogar um 4,6 Prozent auf 26.189,51 Zähler. Noch stärker fiel der Kursgewinn auf Wochensicht beim Indexwert Airbus aus. Getrieben von starken Jahreszahlen und einer überraschend hohen Dividende legten die Titel des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns um über 12 Prozent zu und markierten am Freitag ein neues Rekordhoch. Der Tech-Dax kletterte auf Wochensicht um 5,6 Prozent auf 2.578,09 Punkten. Beim HAFIX-Deutschland ging es um 3,2 Prozent nach oben auf 4.368,49 Zähler, der HAFIX-Europa machte 3,6 Prozent gut auf 2.745,75 Punkte.

In den USA gewann der Dow-Jones-Index auf Wochensicht 4,3 Prozent auf 25.219,38 Punkte. Dies war das höchste Wochenplus seit dem Wahlsieg von Donald Trump im November 2016. Der S&P-500-Index kam um 4,2 Prozent voran auf 2.732,22 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index stieg um 5,6 Prozent auf 6.770,66 Punkte.

Aktien - Wochenausblick

Trotz der jüngsten Erholung rechnen einige Experten damit, dass die Korrektur an den deutschen Aktienmärkten noch nicht zu Ende sei. Dabei argumentieren sie einerseits mit Inflations- und Zinserhöhungssorgen, auch wenn diese in der vergangenen Woche etwas in den Hintergrund gerückt waren, andererseits mit Überhitzungstendenzen an den Märkten. Ob es allerdings bereits in den kommenden Tagen erneut abwärts gehen wird, darauf legen sich auch die pessimistischeren Beobachter nicht fest. Auf der anderen Seite sehen einige Marktteilnehmer die Stimmung für erneute Kursgewinne und verweisen dabei auf die weiter anziehende Konjunktur. Einigkeit besteht bei beiden Gruppen dahingehend, dass es erneut zu stärkeren Schwankungen kommen könnte.

Entscheidende Impulse, in welche Richtung sich die Indizes in dieser Woche bewegen werden, dürften von Seiten der US-Notenbank Fed kommen. Dabei legt diese zum einen das Protokoll ihrer jüngsten Ratssitzung vor. Zum anderen hat am Freitag der neuen Fed-Chef Jerome Powell vor dem US-Kongress seinen ersten großen Auftritt. Von beiden Terminen erhoffen sich die Marktteilnehmer Hinweise auf das weitere Vorgehen der Fed. Aktuell wird am Markt von vier Zinsanhebungen in diesem Jahr ausgegangen. Daneben liefern auch die anstehenden Konjunkturdaten potenziell marktbewegende Impulse. Aus Deutschland und Europa stehen dabei vor allem die ZEW-Konjunkturerwartungen, das Ifo-Geschäftsklima und die Einkaufsmanagerindizes im Fokus.

Beim Blick auf die Unternehmen wiederum dürfte vor allem der Fortgang der Berichtssaison interessieren. In den kommenden Tagen legen etliche Unternehmen ihre Zahlen vor. So veröffentlichen aus der ersten Reihe unter anderem die Deutsche Telekom, HeidelbergCement, Henkel und ProSieben.Sat1 Ergebnisse. Zudem dürften die Anleger auf Daimler blicken. Berichten zufolge warnt der Autokonzern vor Milliardenbelastungen durch die Dieselaffäre.

Fondsnachrichten

Mehr als 5 Billionen US-Dollar in ETFs und ETPs investiert
Ende Januar dieses Jahres übersprang der Markt für Exchange Traded Funds (ETFs) und Rohstoffpapiere (Exchange Traded Products (ETPs)) eine beeindruckende Marke: Laut Analysehaus ETFGI überstieg das in diese beiden Anlageproduktarten investierte Vermögen erstmals die Grenze von fünf Billionen US-Dollar. Auch die Anzahl der angebotenen Produkte erreichte mit 7.269 ein neues Rekordhoch. Insgesamt konstatiert ETFGI, dass das in ETFs und ETPs investierte Volumen in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 18,9 Prozent jährlich zugenommen habe. Zu dem jüngsten Hoch hatte auch der Januar 2018 beigetragen, als Anleger weltweit so viel in die börsengehandelten Indexfolger investierten wie nie zuvor, nämlich 106 Milliarden US-Dollar.

Vermögen offene Immobilien-Publikumsfonds nähert sich Vorkrisenniveau
Wie in der Vorwoche berichtet war 2017 ein Rekordjahr für die deutsche Fondsbranche. Dies galt auch für offene Immobilien-Publikumsfonds, die laut Branchenverband BVI ihre Nettomittelzuflüsse gegenüber 2016 um rund 30 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro steigern konnten. Die Experten von IntReal weisen nun darauf hin, dass diese Fondsgattung damit zu Ende 2017 auf ein Nettofondsvermögen von rund 88 Milliarden Euro komme, und sich dieses wieder dem bisherigen Höchststand annähere. Dieser war im April 2010 mit 91 Milliarden Euro erreicht worden. Infolge der dann einsetzenden Krise, die auch offene Immobilienfonds stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, sank das Fondsvermögen bis Januar 2015 auf 77,9 Milliarden Euro. Seitdem ist eine deutliche Erholung zu verzeichnen, wie die 2017er Zahlen eindrucksvoll belegen.

Allianz Asset Management mit größten jährlichem Mittelzufluss
Zufriedene Gesichter beim Asset Management der Allianz: Im vergangenen Jahr verzeichneten Allianz Global Investors und Pimco mit 150 Milliarden Euro an Neugeldern von Dritten einen neuen Rekord hinsichtlich der jährlichen Mittelzuflüsse. Bei Allianz GI flossen die Neumittel nach Unternehmensangaben dabei schwerpunktmäßig in Anleihe- und Multi-Asset-Strategien. Insgesamt stieg das vom Allianz Asset Management verwaltete Vermögen in 2017 um 87 Milliarden Euro auf insgesamt 1,45 Billionen Euro.

Fidelity holt Aktienchef von Amundi
Romain Boscher ist zum neuen globalen Anlagechef für Aktien bei Fidelity International ernannt worden. In den vergangenen sieben Jahren war Boscher, der über 25 Jahre Branchenerfahrung vorweisen kann, bei Amundi Asset Management als Leiter Aktien tätig gewesen, zuvor elf Jahre lang in verschiedenen Führungspositionen bei Groupama. Boscher soll seine Tätigkeit im April 2018 aufnehmen und Dominic Rossi ersetzen, der sich bei Fidelity stärker auf den Bereich „Public Policy" konzentrieren will.

 

Anleihen - Wochenrückblick

Die deutschen Anleihemärkte haben sich in der vergangenen Woche erneut schwankend präsentiert, dabei zu Ende der Handelswoche aber Kursgewinne aufgewiesen. Stärker als erwartet gestiegene Inflationszahlen aus den USA blieben zu Wochenmitte ohne die zuvor prognostizierten größeren Folgen auf die Kurse der Bundespapiere. Nach Meinung von Marktteilnehmern trat die Furcht vor Zinsanhebungen in den USA etwas in den Hintergrund und in der Eurozone stünden Zinserhöhungen auf absehbare Zeit nicht an. Auf Wochensicht ging die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe von 0,74 auf 0,70 Prozent zurück. Dagegen lag die Umlaufrendite am Freitag gegenüber ihrem Vorwochenschlussstand unverändert bei 0,52 Prozent.

Anleihen - Wochenausblick

Behalten die Experten recht, so könnte sich die zuletzt zu beobachtende Entspannung an den deutschen Anleihemärkten in der aktuellen Woche fortsetzen. Nachdem noch vor Kurzem Sorgen um stärkere Zinsanhebungen in den USA die Kurse hatten sinken und die Renditen steigen lassen, habe sich bereits in der vergangenen Woche eine größere Gelassenheit der Anleger gezeigt. Diese könnte fürs Erste anhalten, zumal an den Märkten zwar aktuell von vier Zinserhöhungen in den USA in diesem Jahr ausgegangen wird, das Zinsniveau in der Eurozone aber unverändert bleiben dürfte. Das Ende des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank sei zwar absehbar, dürfte dann aber nicht überraschend kommen, heißt es. Mittelfristig dürften die Kurse der Bundespapiere zwar wieder unter Druck geraten, für die kommenden Tage sei dies aber nicht zu erwarten. Für Impulse dürften in dieser Woche einerseits Nachrichten von der US-Notenbank Fed sorgen. Hier stehen die Veröffentlichung des Protokolls der vergangenen Ratssitzung sowie der erste Auftritt des neuen Fed-Chefs Jerome Powell vor dem US-Kongress auf der Agenda. Daneben kommen einige hochkarätige Konjunkturdaten aus dem Euroraum, darunter das Ifo-Geschäftsklima und die Einkaufsmanagerindizes.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

Montag, 19.02.: US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen
Dienstag, 20.02.:
ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland); Erzeugerpreise in Deutschland; Verbrauchervertrauen in der Eurozone
Mittwoch, 21.02.:
Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland und der Eurozone; Dienstleistungsindizes für Deutschland und die Eurozone; Protokoll der jüngsten Ratssitzung der US-Notenbank; Markit PMI Gesamtindex (USA); Verkäufe bestehender Häuser in den USA; US-Hypothekenanträge
Donnerstag, 22.02.:
Ifo-Geschäftsklimaindex (Deutschland); Protokoll der jüngsten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank
Freitag, 23.02.:
Bruttoinlandsprodukt für Deutschland; Verbraucherpreise in der