100 Prozent für die Börse, 110 Prozent für die Umwelt

Carsten Stern, Nebenwerte-Journal
m:access der Börse München / Bild: BBAG/unibrand
Dass sich auch mit klassischem Bankgeschäft gutes Geld mit gutem Gewissen verdienen lässt, stellt die Nürnberger Umweltbank Jahr für Jahr unter Beweis. Doch obwohl Anleger mit regelmäßigen Dividenden bedacht werden, fristet die Aktie an der Börse eher ein Schattendasein – zu Unrecht wie wir meinen.

Umweltschutz in der Satzung verankert

Seit der Gründung im Jahr 1997 wurden schon mehr als 22.700 Umweltprojekte gefördert. Der Schwerpunkt liegt auf dem Solarbereich, Wind- und Wasserkraft und dem ökologischen Bauen. Der Umweltschutz ist sogar in der Satzung verankert und die Umweltbank garantiert, dass jeder angelegte Euro von Privatpersonen nur in Umweltprojekte fließt. Kontrolliert wird dies vom Umweltrat, der als unabhängiges ökologisches Gremium eingerichtet ist. Vorstand Jürgen Koppmann bezeichnete dieses Prinzip im Rahmen der m:access-Fachkonferenz Finanzen am 16.10.2018 als Umweltgarantiedeckungsgrad, den die Bank mit 110 Prozent angibt. Einige wenige stammten von institutionellen Anlegern, so dass rein rechnerisch der Anteil der Privatanleger größer als 100 Prozent ausfällt. Es gilt das altbekannte Bankiersprinzip: Die Kundeneinlagen werden in Form von Krediten an Bauherren und Öko-Unternehmer ausgereicht. Die Umweltbank betreibt somit klassisches Bankgeschäft.

Geschäftsvolumen wächst kontinuierlich

Mit dieser konsequenten Ausrichtung ist „Deutschlands Nummer eins für grünes Geld“ seit vielen Jahren erfolgreich unterwegs. Im ersten Halbjahr 2018 erhöhte sich das Geschäftsvolumen um weitere 8.2 Prozent auf 4.08 (3.77) Mrd. Euro und die Bilanzsumme wuchs um 4.5 Prozent auf 3.64 (3.49) Mrd. Euro. Das Hauptaugenmerk legt der Vorstand indes auf die Stärkung der Eigenmittel, was zur Unterlegung des weiteren Wachstums erforderlich ist. Die Kernkapitalquote stieg auf 9.1 (8.9) Prozent. Das aufsichtsrechtliche Eigenkapital erhöhte sich auf 288 (282) Mio. Euro bzw. 10.20 (9.99) Euro je Aktie. Die EK-Quote kletterte leicht auf 12.5 (12.2) Prozent.

Hohe Profitabilität

Zur Stärkung der Eigenmittel setzt die Umweltbank auch auf eine speziellen Anleihe mit Nachrangabrede im Volumen von bis zu 40 Mio. Euro, die die Umwelt als Green Bond junior vertreibt. Das Papier bietet einen Kupon von 2 Prozent - Dieser Zinssatz bleibt bis 30.06.2024 bestehen. Die Anschlussverzinsung wird in einem Fünf-Jahres-Intervall festgelegt. Als Anleihe mit unbefristeter Laufzeit sind sie zwar bilanziell Fremdkapital, werden jedoch aufsichtsrechtlich als eigenkapitalnah gewertet. Beeindruckend ist die Eigenkapitalrendite vor Steuern. Mit mehr als 20 Prozent lag sie im ersten Halbjahr 2018 zum wiederholten Male in der Nähe von 25 Prozent, die die Deutsche Bank einst als Ziel ausgegeben, jedoch nie erreicht hat. Daran sieht der Vorstand klar aufgezeigt, dass Ökonomie und Ökologie kein Widerspruch sind, sondern sich bedingen.

Im Branchenvergleich niedrige Kostenquote

Von dem schwierigen Marktumfeld und den steigenden Regulierungskosten bleiben jedoch auch die Nürnberger nicht verschont. Das Cost-Income-Ratio erhöhte sich im ersten Halbjahr 2018 auf 33.5 (29.1) Prozent. Damit ist die Quote im Branchenvergleich immer noch ausgezeichnet. Die Zinsmarge verharrt bei etwa 1.5 Prozent - im Branchenvergleich ist das angesichts der harten Konkurrenzsituation im Kreditgewerbe kein schlechter Wert. Das Neukreditvolumen von 311 (154) Mio. Euro verdoppelte sich. Insgesamt hat die Umweltbank Kredite inklusive offener Zusagen im Volumen von 2.88 (2.71) Mrd. Euro ausstehen. Die Wertberichtigungen halten sich mit 0.29 Prozent seit vielen Jahren auf einem konstant niedrigen Niveau. In Summe zog das EBT leicht um 1 Prozent auf 18.4 (18.3) Mio. Euro an, das Periodenergebnis gab hingegen leicht um 1.2 Prozent auf 12.4 (12.6) Mio. Euro bzw. 0.44 (0.45) Euro je Aktie nach. Als Basis dienen 28.223 Mio. Aktien, nachdem die Aktie im Verhältnis von 1:5 gesplittet wurde.

Demnächst auch ein Girokonto im Angebot

Wie Koppmann im Gespräch mit dem Nebenwerte-Journal betonte, soll die Umweltbank bis 20920 zu einer kompletten ökologischen Finanzplattform ausgebaut werden. So soll das Angebot ab 2019 um Verbraucherkredite (Volumen bis 50.000 Euro) erweitert werden, die z. B. bei einer Haussanierung für eine neue Heizung oder eine Solaranlage eingesetzt werden können. Auf der Agenda stehen für 2019 auch die Emission projektbezogener Anleihen sowie eine eigene Crowdfunding-Plattform. Um auch ein jüngeres Publikum, etwa Studenten, zu erreichen, soll bis 2020 ein Girokonto das Angebot abrunden. Insgesamt scheint uns die Umweltbank auf gutem Weg zu sein, die nunmehr gut 20-jährige Erfolgsstory noch ein bisschen fortzuschreiben. Langfristig- und dividendenorientierte Anleger sollten und können daran teilhaben.
 
Carsten Stern ist Chefredakteur des Nebenwerte-Journals. Der Artikel erschien dort zuerst in der Ausgabe 11/2018

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Deutsche Bank 6,28 -0,13 %
close

Populäre Aktien

UmweltBank I 11,80 -0,42 %
close

Populäre Aktien