Investmentausblick 2019: Interessante Kaufgelegenheiten trotz Handelskrieges

Naoki Kamiyama, Nikko AM
Naoki Kamiyama / Bild: Nikko AM
Die US-Kongresswahlen dürften an den internationalen Aktienmärkten noch einmal für Unruhe sorgen. Doch was passiert danach? Was hält das Börsenjahr 2019 für Investoren bereit? Unser Autor erwartet besonders im Land der aufgehenden Sonne vielversprechende Kaufgelegenheiten:
Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende. Wie sieht die Prognose für 2019 aus?
Wir sind für die Weltwirtschaft und die Aktienmärkte optimistisch. Unsere Prognose für den Nikkei bis September 2019 liegt bei 25.000 Yen, mit stabilen Währungs- und Anleiherenditen sowohl aus den USA als auch aus Japan.

Handelsspannungen, aber kein Krieg

Bleibt der Handelskrieg zwischen den USA und China ein Risikofaktor oder hat der Markt ihn bereits völlig eingepreist?
Es handelt sich um Handelsspannungen, keinen Krieg. Und diese dürften in den nächsten fünf bis zehn Jahren anhalten. Denn die Steine des Anstoßes – etwa unzureichender Schutz geistigen Eigentums und subventionierte Staatsunternehmen – kann China auf kurze Sicht nicht so einfach aus dem Weg räumen. Der Markt hat diese Zyklizität eingepreist: 2019 werden Verhandlungen mit den USA beginnen und die Fokussierung auf das Thema dürfte abnehmen. Die Spannungen werden sich aber nicht vollends beseitigen lassen und im Präsidentschaftswahljahr 2020 dürfte neues Öl ins Feuer gegossen werden. Der Markt hat keinen Handelskrieg eingepreist, der starke negative Folgen für den Konsum und das BIP in den USA haben würde.
Bieten die Handelsspannungen gute Kaufgelegenheiten, insbesondere wenn man sich die hohen Bewertungen in den ersten Monaten des Jahres anschaut?
Ja, der Stimmungszyklus im Zuge der Handelsspannungen bietet gute Kaufgelegenheiten. Die hohen Bewertungen in den USA stammten jedoch nicht von Exportunternehmen, sondern von Technologieriesen wie Facebook, Amazon, Netflix und Alphabet/Google, die von den Spannungen nicht betroffen waren. Der Rückgang der Bewertungen in diesem Sektor ist eine weitere Chance für Anleger, da wir an die Zukunft dieser Branche glauben – trotz des Drucks durch zunehmende Regulierung und potenzieller Probleme bei der Datenkontrolle.
Die Gewinne in den USA waren in diesem Jahr sehr stark. Werden sie wieder in den Mittelpunkt rücken, wenn die Midterm-Wahlen vorbei sind und sich die Angst vor einem Handelskrieg gelegt hat?

Die Aktienkurse stützen sich größtenteils auf starke Gewinne

Ja, die Aktienkurse stützen sich größtenteils auf die starken Gewinne. Ängste wegen Wahlergebnissen oder politischen Maßnahmen haben in der Regel kurze Beine, für langfristige Strategien sind sie oft irrelevant.
Was sind andere Risiken, die den Märkten gefährlich werden könnten?
In einem späten Konjunkturzyklus werden die Märkte stark von Stimmungen getrieben. Obwohl wir noch keine Anzeichen für eine Überhitzung sehen, führt allein die Angst davor zu höheren Zinssätzen.

Japanische Unternehmen bekämpfen die Überalterung

Welche Werte sollten Investoren aktuell kaufen?
Wir präferieren japanische Aktien, da hier keine Internetkonzerne dominieren, sondern Hardware-Firmen. Dies stellt deshalb eine gute Kaufgelegenheit dar, weil Japans Problem einer überalterten Gesellschaft auf lange Sicht durch High-Tech-Roboter gelöst werden könnte. Autonomes Fahren und Mobilität als Dienstleistung (Mobility as a Service, „MaaS“) sind aus unserer Sicht zwei weitere Kernthemen für 2019.
Naoki Kamiyama ist Chefstratege beim japanischen Vermögensverwalter Nikko Asset Management
     

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