Was Kurse in Pharma-, Bio- und Medtec-Branche bewegt (Teil 2)

Beate Sander
Filtration im biopharmazeutischen Prozess bei Sartorius /Bild: Sartorius AG
In der ersten Folge dieser zweiteiligen Gesundheitskolumne kommentierte ich die wichtigsten Entwicklungen der weltweit marktführenden ausländischen Biotechkonzerne Amgen, Biogen, BB Biotech, Johnson & Johnson sowie MorphoSys aus dem TecDAX und MDAX. Aber es gibt noch eine Reihe weiterer mittelgroßer und großer Gesundheits-Unternehmen, die Aufmerksamkeit verdienen und sich für den Einstieg und Zukauf anbieten. Alle im 1. Teil und 2. Teil besprochenen Aktien zählen zu meinem Bestand. Ich empfehle nichts, was ich nicht selbst kaufe. Es geht auch um Glaubwürdigkeit. Wie oft erlebte ich, dass Gurus die Titel, die sie großspurig anpriesen, selbst gar nicht besaßen.

Positive Nachrichten als Einstiegssignale deuten

In Verbindung mit Jahresprognosen und den Neun-Monats-Geschäftszahlen gibt es im Pharma-, Biotech- und Medtechsektor eine Fülle interessanter Nachrichten. Soweit diese positiv sind und es sich um bekannte, wachstumsstarke Unternehmen rund um den Globus handelt, treffe ich eine Auswahl für Einstieg und Zukauf.

Evotec - Überlebender aus dem Neuen Markt

Der Hamburger Biotechkonzern Evotec, im TecDAX und MDAX notiert, schafft als einer der 12 Überlebenden vom Neuen Markt den Kursgewinnrekord von 1.550 Prozent im 10-Jahresvergleich.
Um die Jahrtausendwende kostete die Aktie bis zu 90 Euro. Ich stieg nach einem Kurseinbruch zu 20 Euro ein, heute ein Minus von knapp 10 Prozent. Die Aktie bewegt sich in der Mitte zwischen dem 52 Wochen-Hoch/Tief bei gut 18 Euro. Imposant ist das Drei-Jahres-Plus von 360 Prozent und erst recht die 10-Jahres-Entwicklung mit einem Kursgewinn von deutlich über 1.500 Prozent. Gerade im Biotechbereich kommt es auf einen preisgünstigen Einstieg an. Dies gilt vor allem für das schnelle Rein/Raus, ist dagegen beim langen Anlagehorizont nicht ganz so entscheidend. Das extrem hohe KGV von 75 und der ständige Verzicht auf Dividenden scheint die Anlegergemeinde weniger zu stören.
Das global führende Wirkstoff-Forschungsunternehmen verdient Geld mit hochwertigen Lösungen und Dienstleistungen in den Bereichen Schmerz, Stoffwechselstörungen, Entzündungen und Krebs. Evotec unterhält u. a. langjährige Allianzen mit Bayer, Boehringer Ingelheim, AstraZeneca und Sanofi. Diese Partnerschaften sichern das Überleben und sorgen für die notwendigen finanziellen Mittel, um kostspielige Forschungen weiterzuführen. Die Jahresprognose 2018 mit einem Umsatzwachstum von über 30 Prozent wird bestätigt. Wer mutig ist und Geld übrig hat, sollte bei Kursschwäche mit einem prozentual kleinen Einsatz zugreifen.

Sartorius - ein globaler Spitzentitel

Sartorius, der Göttinger Medizintechnikkonzern aus dem TecDAX und MDAX zählt zu den weltweit besten Unternehmen. Vor einem Jahrzehnt kostete die Aktie gerade mal vier Euro. Ich kaufte die Vorzüge von Sartorius im Januar 2006 für 5,40 Euro, pflege und behüte den Titel im steuerfreien Altbestand wie einen Schatz. Laut jährlich erstelltem Rating von Boston Consulting Group gehört Sartorius seit fünf Jahren ununterbrochen zu den globalen Spitzentiteln, aktuell Platz 2, im Vorjahr Rang 1. Nur vier deutsche Aktien zählen zu den weltweit renditestärksten Papieren. Warburg Research stellt Sartorius auf „Buy“ ein mit dem Kursziel von 145 Euro.
Die Aktie schaffte in 3 Jahren ein Plus von knapp 160 Prozent, in 5 Jahren mehr als 570 Prozent, in 10 Jahren unglaubliche 7.000 Prozent. Da stören das KGV von 50 und die niedrige Dividendenrendite von 0,5 Prozent kaum. Der Kurs läuft seit Jahren der Ausschüttung davon.
Sartorius zählt zu den global führenden Labor- und Prozesstechnologie-Anbietern für die Biotech-, Pharma-, Chemie- und Nahrungsmittelindustrie. Zum umfassenden Qualitätsportfolio mit komplexen Produkten gehören auch Laborinstrumente und Verbrauchsmaterial.

Illumina entschlüsselt das menschliche Genom

Der Nasdaq-Konzern Illumina liefert die Werkzeuge zur Entschüsselung des menschlichen Genoms und ist in dem wachstumsstarken Geschäft Weltmarktführer bei der Gen-Sequenzierungs-Technologie. Das Gen-Forschungsunternehmen Illumina entwickelt, produziert und vermarktet Geräte und Systeme für die Analyse genetischer Variationen und Funktionen. Die Lösungen und Produkte werden in Pharma- und Biotechfirmen, Regierungs- und Bildungsbehörden stark nachgefragt. Wichtige Ziele sind die Erforschung von Krankheiten, Medikamenten und molekularen klinischen Tests.
 
Illumina überzeugt mit guten Ergebnissen. Das 2017 eingeführte Nova Gen-Sequenzierungssystem startete erfolgreich. Das Wachstumspotenzial ist riesig; denn der Markt für Gen-Analysen ist viel größer als zunächst angenommen und macht günstige Preise möglich. Die Schätzungen bewegen sich um 20 Milliarden Dollar. Vor allem für Langzeitanleger dürfte die Aktie interessant sein. Die Spanne liegt bei 280 bis 300 Euro. Das Kursplus in einem Jahr beträgt 50 Prozent, in 3 Jahren 120 Prozent, in 5 Jahren 225 Prozent und in einem Jahrzehnt 925 Prozent. Das KGV mit über 50 ist hoch, doch Premium verdient einen Aufschlag. Eine Dividende gibt es nicht.

Vertex Pharmaceuticals

Vertex Pharmaceuticals, sesshaft in Boston, überzeugt bei Umsatz, Ergebnis, Jahresüberschuss und Eigenkapitalausstattung. Der Nasdaq-Biotechkonzern erfüllt die Erwartungen
Das weltweit aktive Biopharma-Unternehmen konzentriert sich auf die Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung kleinmolekularer Arzneimittel, um schwere Krankheiten erfolgreich behandeln zu können.
 
Die umfangreiche Produktpipeline ist hauptsächlich auf Virus-Infektionen, entzündliche Prozesse, Autoimmunstörungen und Krebsbekämpfung ausgerichtet. Gemeinsam mit dem englischen Großkonzern GlaxoSmithKline (GMK) vermarktet Vertex den HIV-Hemmer Lexiva. 
 
Die Growth-Aktie Vertex kostet zwischen 150 und 160 Euro. Die Kursentwicklung verzeichnet in einem Jahr 25 Prozent, in 3 Jahren 35 Prozent, in 5 Jahren 200 Prozent und in einem Jahrzehnt stolze 650 Prozent. Das KGV liegt bei 44. Auf eine Dividende hoffen die Aktionäre bislang vergebens. Alles ist auf Wachstum eingestellt.
 

Im Juni 2014 ist in der Münchner Verlagsgruppe, FinanzBuch Verlag, ein Buch zum Thema erschienen:
 
 
Jüngst erschien von Beate Sander: Mit Nebenwerten zum Börsenolymp. Mit Aktien aus MDAX, TecDAX und SDAX den DAX schlagen, ebenfalls im FinanzBuch Verlag München
Und manche Autoren schreiben schneller Bücher als andere zum Rezensieren kommen, deshalb gibt es ganz neu und wie gehabt im FinanzBuch Verlag Beate Sander: Wie finde ich die besten Investmentfonds - leider ohne Angabe, wo die gefundenen Fonds dann gekauft werden sollen - natürlich über die Börse München
                

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

BB Biotech N 54,85 0,46 %
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Populäre Aktien

Evotec I 19,71 2,66 %
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Populäre Aktien

Morphosys I 99,60 1,43 %
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Sartorius I 107,50 -0,46 %
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Populäre Aktien

Sartorius Vz I 121,60 -1,86 %
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Populäre Aktien

DB TecDAX 2.556,00 -0,60 %
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DB MDAX 23.564,00 -0,82 %
Bayer 62,00 -2,82 %
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Sanofi 79,24 0,62 %
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Populäre Aktien

GlaxoSmithKline Rg 17,75 -1,24 %
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AstraZeneca Rg 71,64 -2,93 %
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Amgen Rg 168,67 0,97 %
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Biogen Rg 282,07 1,53 %
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Populäre Aktien

Illumina Rg 280,56 2,74 %
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Populäre Aktien

Johnson & Johnson 127,51 0,46 %
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Populäre Aktien

Vertex Pharmaceu Rg 145,88 0,00 %
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