Die potenziellen Aristokraten von morgen

Werner W. Rehmet, MyDividends
Werner W. Rehmet / Bild: MyDividends
Unter den Dividendenaristokraten dieser Welt finden sich vor allem Firmen aus traditionellen Wirtschaftszweigen wie Industriekonzerne oder Konsumgüterunternehmen. Doch die „New Economy“ ist auf dem Vormarsch und hat auch bei der Dividende einiges zu bieten.

Die Riege der Dividendenaristokraten

Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren in Folge ihre Dividende jedes Jahr angehoben haben, nennt man auch Dividendenaristokraten. Traditionell finden sich die meisten dieser Firmen in den USA. Insbesondere für dortige institutionelle Investoren ist eine kontinuierliche Dividendenpolitik schon seit vielen Jahrzehnten ein wichtiges Thema. Der S&P 500 Dividend Aristocrats-Index beinhaltet aktuell 53 dieser Firmen, die mindestens 25 Jahre oder länger ihre Ausschüttung jedes Jahr erhöht haben. 

Auch in Europa werden Investoren auf der Suche nach Aristokraten fündig, wenn auch die Liste nicht ganz so üppig ausfällt. Hierzu gehören Firmen wie L’Oréal, Roche, Sanofi oder auch Nestlé. Mit dem DAX-Konzern Fresenius haben wir seit diesem Jahr auch in Deutschland das erste Unternehmen mit einer Historie von 25 Jahren ununterbrochener Dividendenanhebungen.

Old Economy versus New Economy

Im S&P Europe 350 Dividend Aristocrats-Index sind 350 Unternehmen vertreten, die seit mindestens zehn Jahren in Folge ihre Dividende angehoben haben. Interessant ist hierbei die Sektorenaufteilung. Unter den 350 „Aristokraten“ in Europa finden sich überwiegend Unternehmen aus dem Konsumgütersektor oder Industriekonzerne. Auch Pharmawerte sowie Finanzfirmen sind stark vertreten. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA unter den „echten“ Aristokraten (mindestens 25 Jahre Dividende erhöht). Auch bei den Unternehmen mit der längsten Dividendenhistorie sind hauptsächlich Firmen aus diesen traditionellen Wirtschaftszweigen zu finden. 

Technologiewerte finden sich so gut wie keine unter den Aristokraten oder den Dividenden-Dinos, die seit über 100 Jahren eine Dividende ausschütten. Eine Ausnahme bildet der IT-Konzern IBM, der bereits seit dem Jahr 1916 Dividenden ausschüttet. Doch dies wird sich in der Zukunft ändern. Durch die Verbreitung der Computertechnik in den 1960er und 1970er Jahren begann der Siegeszug vieler Unternehmen der Hochtechnologie, vor allem aus dem Silicon Valley. Zu nennen sind hier Firmen wie Intel, Texas Instruments, Oracle oder auch Cisco und Microsoft.

Auch "relativ junge" Wachstumsbranchen gewinnen an Interesse

So erhalten die Investoren von Texas Instruments bereits seit der ersten Ausschüttung im Jahr 1962 eine Dividende. In den letzten 15 Jahren wurde die Dividende jedes Jahr erhöht. Der Softwareriese Microsoft zahlt seit dem Jahr 2003 eine Dividende. Seitdem erfolgte auch jedes Jahr eine Erhöhung. Auch Europas größter Softwarekonzern SAP entwickelt sich zum Dividendenwert. Die Firma wurde 1972 gegründet. Seit dem Gang an die Börse im Jahr 1988 beteiligt SAP die Aktionäre über eine Dividende am Unternehmenserfolg. In diesem Zeitraum wurde die reguläre Dividende nie gesenkt.

Doch nicht nur in der Technologiebranche finden sich Unternehmen, die sich zu einem künftigen Dividendenaristokraten entwickeln können. Auch in der Biotechnologiebranche tummeln sich Firmen, die bereits eine interessante Dividendenhistorie aufweisen und auch Finanzdienstleister wie Visa oder das Online-Reisebüro Expedia erfreuen ihre Investoren mit einer jungen, aber durchaus soliden Dividendenhistorie. Neben der klassischen „Old Economy“ lohnt sich also auch ein Blick auf Firmen, die sich noch in „relativ jungen“ Wachstumsbranchen befinden.

Selbst Warren Buffett denkt um

Dies sieht zwischenzeitlich auch US-Starinvestor Warren Buffett so, der eigentlich niemals in Branchen investieren wollte, die er nach eigenen Angaben nicht versteht. Doch zwischenzeitlich ist die Aktie des Technologiekonzerns Apple mit Abstand seine größte Position im Portfolio von Berkshire. Im Jahr 2012 startete Apple wieder mit der Zahlung einer Dividende (rund 0,38 US-Dollar nach Aktiensplit). Die letzte Ausschüttung zuvor wurde im Dezember 1995 (0,12 US-Dollar) ausbezahlt. Im Mai 2018 steigerte Apple die Dividende das sechste Jahr in Folge. 

Der seit März 2015 im Dow-Jones gelistete Konzern zahlt aktuell eine Quartalsdividende von 0,73 US-Dollar (ca. 0,64 Euro). Auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden damit 2,92 US-Dollar (ca. 2,57 Euro) ausgeschüttet. Übrigens war Apple das erste Unternehmen, das die magische Marke von 1 Bio. US-Dollar Börsenwert an der Wall Street überschritten hat. Auf dem aktuellen Kursniveau liegt die Apple-Aktie an der Wall Street seit Jahresbeginn 2018 mit rund 26 Prozent im Plus. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell knapp 1.030 Mrd. US-Dollar (ca. 907 Mrd. Euro).

Der Blick in die Vergangenheit gibt keine Garantie für die Zukunft

Anzumerken ist, dass die Entwicklung in der Vergangenheit natürlich keine Garantie dafür bildet, ob die Firmen auch in der Zukunft ihre Dividende anheben. General Electric gehörte einst ebenfalls zu den Aristokraten, musste dann aber in der Finanzkrise im Jahr 2009 seine Dividende erstmals seit dem Jahr 1938 kürzen. Danach kam es wieder zu einigen Anhebungen, aber im November 2017 gab General Electric eine Halbierung der Dividende bekannt und Ende Oktober 2018 kam es noch dicker. Der Konzern strich die Dividende radikal auf nur noch 1 US-Cent pro Quartal zusammen.
 
Werner W. Rehmet ist der Gründer und Herausgeber von MyDividends. Nach seinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium durchlief er mehrere Stationen bei renommierten Bankhäusern. In langjährigen Aufenthalten an der Wall Street und an wichtigen Finanzzentren wie Zürich setzte er sich intensiv mit verschiedenen Börsenthemen auseinander. Hier folgten auch erste Medienauftritte und Publikationen zu zahlreichen Börsenthemen. Seine umfangreichen Kenntnisse im Börsengeschäft führten schließlich zur Gründung der Börsenplattform MyDividends.de, die sich ausschließlich dem Thema Dividenden widmet, unter dem Motto „der Ertrag zählt“.
Auf der Website der Börse München finden Sie jederzeit aktuelle Dividenden-News unter der Sparte Nachrichten!
Hinweis: Werner W. Rehmet kann Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen halten und somit kann ein möglicher Interessenskonflikt bestehen.
               

Im Artikel erwähnte Wertpapiere

Roche Hldg I 218,00 -0,37 %
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Nestle N 73,80 -0,35 %
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Fresenius 53,36 -0,15 %
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SAP 91,14 -0,27 %
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DB DAX 11.271,50 -0,72 %
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L'Oreal 207,70 0,34 %
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Sanofi 79,24 0,62 %
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Apple 167,75 -0,18 %
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Berkshire Hathaway B 190,19 -0,98 %
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Cisco Systems Rg 40,77 -1,43 %
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DB Dow Jones 25.214,00 -0,31 %
Expedia Group Rg 106,07 -2,00 %
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General Electric Rg 7,20 -2,17 %
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Intel Rg 42,24 1,03 %
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IBM Rg 107,01 -0,18 %
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Microsoft Rg 94,00 1,41 %
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Oracle Rg 44,77 0,70 %
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Texas Instrument Rg 85,84 2,28 %
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Visa Rg-A 124,32 0,98 %
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