Rollenwechsel: Microsofts neue Offenheit

Thomas Rappold
Thomas Rappold
 
Microsoft war über lange Zeit das Feindbild pur für die Unternehmen im Silicon Valley. Während die Tech-Unternehmen von der Westküste, angeführt von Apple und Google/Alphabet, die Welt mit ihren neuesten Errungenschaften zu einem besseren Ort machen wollen, wurde Microsoft immer unterstellt, nur an hohen Profiten interessiert zu sein. Der Bill Gates Nachfolger Steve Ballmer lieferte dafür auch reichlich Steilvorlagen, in dem er versuchte, Microsoft konsequent von den boomenden Plattformökosystemen wie dem iPhone und der Open-Source Community abzuschirmen und diese zu verteufeln.

Microsoft "heiratete" ins Silicon Valley ein

Die Open-Source Bewegung bezeichnete er im Jahr 2001 gar als „Krebs“. Seit der Inder Satya Nadella im Jahr 2014 Nachfolger von Ballmer wurde, hat sich bei Microsoft ein 180 Grad Kulturwandel vollzogen. Nicht ohne Grund wählte Nadella für seine erste große Strategie-Rede San Francisco als Ort und 5.000 Entwickler als Zielgruppe. Sein Ziel: Microsoft wieder zu seinen Wurzeln und seiner Usprungs-DNA als „Entwickler-Unternehmen“, fokussiert auf die Bedürfnisse der Softwareentwickler, zu führen.  Die milliardenschweren Übernahmen von LinkedIn und dem Programmierportal GitHub machen nun Microsoft zu einem „eingeheirateten“ Silicon Valley Unternehmen.

Rollenwechsel

Letzte Woche nun verkündete Microsoft, dass es 60.000 Patente für Linux kostenfrei als quelloffene Software durch den Beitritt in die Open Invention Network Organisation zur Verfügung stelle. Monetär ist dies kein Pappenstil, hat doch Microsoft bis Ende 2014 etwa 3,4 Mrd. Dollar aus seinen Android-Patenten verdient. Allein Samsung zahlte Microsoft eine Milliarde Dollar, um seine Android-Patente zu lizenzieren. Ein kluger Schachzug, der auch Kartellwächter nicht unbeeindruckt lässt. So vermeldete Reuters fast zeitgleich, dass die 7,5 Mrd. Dollar schwere GitHub Übernahme bei der EU ohne kartellrechtliche Auflagen durchgewunkten wird. Die Freigabe der Software Quellen stärkt Microsofts Rolle bei Softwareentwicklern und gibt der  GitHub Übernahme Rückenwind und Glaubwürdigkeit. Verkehrte Tech-Welt: Während Microsoft sich als Musterschüler feiern lässt, stehen die Silicon Valley Herausforderer Google und Facebook in Washington auf der Anklagebank.
 
Dieser Artikel ist zuerst bei Börse-Online erschienen.
 
Thomas Rappold, geboren 1971, ist Internetunternehmer und Investor. Bereits mit 14 Jahren erlernte er die ersten Programmiersprachen im Selbststudium auf dem damaligen Kultcomputer Commodore C64. Als einer der ersten Absolventen des europaweit ersten Studiengangs Medieninformatik trug er als Mitarbeiter der Strategiegruppe Internet bei Allianz SE maßgeblich zu damals bahnbrechenden neuen Finanzportalen für Privat- und Geschäftskunden bei.
Seit über zehn Jahren erfolgreicher Unternehmer einer Internet-Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft und Gründer von zahlreichen Internet-Start-ups ist Thomas Rappold ein profunder Kenner des Silicon Valley und dort als Investor an verschiedenen Start-ups beteiligt. Mehr über Thomas Rappold und das Silicon Valley finden Sie auf seiner Homepage www.silicon-valley.de.
Im Finanzbuchverlag München veröffentlichte Thomas Rappold jüngst "Silicon Valley Investing. Investieren in die Superstars von heute, morgen und übermorgen".
       

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